Freiheitsdiskurse in Russland

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Nummer 220 - Bochum, 16.12.2014

Freiheitsdiskurse in Russland

Projekt am Lotman-Institut zur russischen Ideengeschichte

DFG fördert RUB-Wissenschaftler mit 266.000 Euro

An der Ruhr-Universität ist gerade das Projekt „Freiheitsdiskurse in der russischen Ideengeschichte“ gestartet. Die Forscher wollen herausfinden, welche Bedeutung die Freiheit als Idee und Begriff im politischen und kulturellen Bewusstsein Russlands seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart hinein hat. Leiter des Projekts am Seminar für Slavistik/Lotman-Institut für russische Kultur der RUB ist Dr. habil. Nikolaj Plotnikov, Projektmitarbeiterin ist Dr. des. Svetlana Kirschbaum. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt mit 266.000 Euro.

Freiheit als umkämpfter Begriff

Im europäischen Diskurs der Moderne wird Russland zumeist als ein politischer Raum angesehen, in dem sich in Geschichte und Gegenwart keine freiheitliche politische Kultur entwickeln konnte und – im Gegensatz zum politischen Raum des ‚Westens‘ – Traditionen von Unfreiheit und Autoritarismus herrschen. Ziel des Projekts ist es zu zeigen, dass trotz der autoritären Tendenzen des russischen Staates Freiheitsdiskurse entstanden sind, die für die sich herausbildende Öffentlichkeit in Russland eine fundamentale Rolle gespielt haben. Dabei ist der Freiheitsbegriff einer der am stärksten umkämpften Begriffe der russischen Ideengeschichte: Er ist nicht nur ein deutlicher Indikator der entstehenden Öffentlichkeit, sondern auch eine wesentliche Herausforderung für den herrschenden Diskurs der Macht. Die am Projekt beteiligten Wissenschaftler wollen klären, welche Aspekte von Freiheit in der russischen ‚intellectual history‘ in besonderer Weise relevant werden, um sie mit (west)europäischen Thematisierungen von Freiheit zu vergleichen. Zum anderen soll gezeigt werden, welche Funktion die philosophischen Freiheitsbegriffe im Prozess der Herausbildung des öffentlichen Diskurses erfüllen.

Geplante Veröffentlichungen

Das Projekt ist insgesamt auf sechs Jahre angelegt (die erste Förderphase beträgt drei Jahre und läuft bis November 2017). In dieser Zeit sind, neben der Veröffentlichung von Aufsätzen in Fachzeitschriften, die Herausgabe eines Quellenbandes zur Philosophie der Freiheit in Russland und eine Monografie mit der Rekonstruktion des Begriffsfeldes der Freiheit vorgesehen. Die Aktivitäten des Projekts zielen zudem auf einen Ausbau der nationalen und internationalen Kooperation sowie eine Koordinierung der Forschung zur russischen Philosophie und Ideengeschichte in Deutschland.

Redaktion

Arne Dessaul
Dezernat Hochschulkommunikation

Weitere Informationen

Dr. habil. Nikolaj Plotnikov, Seminar für Slavistik/Lotman-Institut für russische Kultur der Ruhr-Universität Bochum, 0234-3223374
nikolaj.plotnikov@rub.de