Onur Güntürkün erhält den Communicator-Preis 2014

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Nummer 47 - Bochum, 04.04.2014

Onur Güntürkün erhält den Communicator-Preis 2014

DFG und Stifterverband ehren Bochumer Biopsychologen

Vorbildliche Vermittlung seiner Forschungen

Der Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft geht in diesem Jahr an den Biopsychologen Prof. Dr. Onur Güntürkün. Der Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum wird für die vorbildliche Vermittlung seiner Forschungen zu den biologischen Grundlagen des Verhaltens von Tier und Mensch in die breite Öffentlichkeit und die Medien ausgezeichnet.

Evolution des Denkens

Nach Einschätzung der Jury verbindet Onur Güntürkün hohe wissenschaftliche Qualität mit besonders engagierter Vermittlung in Öffentlichkeit und Medien. 1958 in Izmir geboren, ist Güntürkün nach dem Studium der Psychologie und der Promotion in Bochum, Forschungsaufenthalten in Paris und San Diego sowie der Habilitation in Konstanz seit 1997 Professor für Biopsychologie in Bochum. Seine Forschungen verknüpfen psychologische, biologische und neuroanatomische Fragen, Konzepte und Befunde und haben ihn zu einem der Wegbereiter einer biologisch fundierten Psychologie gemacht. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die Evolution des Denkens. Hier konnte Güntürkün die etablierte Sichtweise, wonach die Evolution des Denkens einem stufenweisen, vor allem durch die Entwicklung des Neocortex geprägten evolutionären Aufstieg folgt, radikal verändern. So zeigte er, dass Vögel mit erheblich kleineren Gehirnen und ohne Neocortex die gleichen kognitiven Leistungen wie Säugetiere erbringen können.

Gehirn und Geschlecht

Mit seinen Arbeiten zum Zusammenhang von „Gehirn und Geschlecht“ korrigierte Güntürkün traditionelle Sichtweisen auf Geschlechterunterschiede. Ihm zufolge existieren zwar kognitive und neuroanatomische Geschlechterunterschiede. Sie sind aber erheblich geringer als zumeist angenommen. Männer und Frauen sind sich in ihrem Denken also ähnlicher als häufig erwartet. Allerdings können die biologischen Unterschiede psychologische Weichen stellen, die zu lebenslangen kognitiven Unterschieden führen, wie Güntürkün am Beispiel des Autofahrens und Einparkens zeigte. Für diese und andere Forschungen wurde der Biopsychologe national wie international vielfach ausgezeichnet, allen voran 2013 mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG.

Wirkungsvolle Vorträge

Die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit vermittelt Güntürkün seit mehr als 15 Jahren in die Medien und die breite Öffentlichkeit. Neben seinen Beiträgen für Zeitungen und Zeitschriften sowie in Hörfunk und Fernsehen hob die Jury des Communicator-Preises vor allem seine wirkungsvollen Vorträge hervor, mit denen er ein großes Publikum erreicht. Innovative Wege bei der Vermittlung von Forschung geht Güntürkün mit seinem Einsatz für die optimale Organisation schulischen Unterrichts, in die er wichtige Beiträge aus der Biopsychologie einbringt. Ein großer Erfolg für die Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte und Ergebnisse ist nach Ansicht der Jury auch das auf maßgebliche Initiative von Güntürkün aufgebaute Schülerlabor an der RUB, das seit 2004 mehr als 80.000 Schülerinnen und Schüler besucht haben. Die Motivation für diese Vermittlungsarbeit speist sich bei Onur Güntürkün nicht zuletzt aus der Überzeugung, dass die Freiheit der Forschung eine Bringschuld impliziert, die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit allgemein verständlich zugänglich zu machen. Das entspricht nach Ansicht der Jury in idealer Weise der Zielsetzung des Communicator-Preises. Mit seiner Persönlichkeit und Sprachmächtigkeit könne Güntürkün in besonderer Weise für Wissenschaft begeistern.

Zum zweiten Mal ein Forscher der RUB

Der „Communicator-Preis – Wissenschaftspreis des Stifterverbandes“ ist mit 50.000 Euro dotiert und gilt als die wichtigste Auszeichnung seiner Art in Deutschland. Der Preis wird seit 2000 an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, die ihre Forschungsergebnisse und die ihres Faches einem breiten Publikum außerhalb der Wissenschaft nahebringen. Mit der Auszeichnung wollen DFG und Stifterverband den immer wichtigeren Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit stärken. Sie wollen zugleich dafür werben, dass die Vermittlung von Wissenschaft in der Wissenschaft selbst einen höheren Stellenwert erhält. Gekürt werden die Preisträger von einer Jury aus Wissenschaftsjournalisten, Kommunikations- und PR-Fachleuten. Für die diesjährige Preisrunde hatten sich insgesamt 52 Forscherinnen und Forscher aus allen Wissenschaftsgebieten beworben oder waren vorgeschlagen worden. Von ihnen kamen in einem mehrstufigen Auswahlprozess vier in die Schlussrunde, in der sich Onur Güntürkün durchsetzte. Er ist nach Prof. Hanns Hatt der zweite Wissenschaftler der RUB, der den Communicator-Preis erhält. Der Zellphysiologe erhielt den Preis 2010.

Preisverleihung im Juli

Die Preisverleihung findet am 1. Juli auf der DFG-Jahresversammlung in Frankfurt/Main statt. Das Preisgeld stammt vom Stifterverband, in dem sich mehr als 3.000 Unternehmen und Privatpersonen für die Förderung der Wissenschaft und deren Austausch mit der Öffentlichkeit engagieren. Zudem erhält Onur Güntürkün ein Hologramm, das den Communicator-Preis symbolisiert. Das von Michael Bleyenberg gestaltete Werk soll die Bedeutung der Transparenz in der Wissenschaft sichtbar machen. Wie das Hologramm entfaltet auch die Wissenschaft nur dann ihre ganze Strahlkraft, wenn sie „ins rechte Licht“ gerückt wird.

Redaktion

Arne Dessaul
Dezernat Hochschulkommunikation

Weitere Informationen

Prof. Dr. Drs. h. c. Onur Güntürkün, Abteilung Biopsychologie, Institut für Kognitive Neurowissenschaft der RUB, Tel. 0234/32-26213
onur.guentuerkuen@rub.de

 

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Prof. Onur Güntürkün erhält den diesjährigen Communicator-Preis.

© RUB, Foto: Marion Nelle
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