Im Wohnzimmer nach schwarzen Löchern suchen

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Nummer 337 - Bochum, 19.12.2013

Im Wohnzimmer nach schwarzen Löchern suchen

Freiwillige für „Citizen Science“-Projekt gesucht

Menschen erkennen Muster besser als Computer

Im Wohnzimmer nach schwarzen Löchern suchen – dazu ruft das Team vom Projekt „Radio Galaxy Zoo“ auf. Die Astronomen suchen Freiwillige, die sie dabei unterstützen, schwarze Löcher auf Bildern zu identifizieren. Aufgabe ist es, Radiostrahlung und Infrarotstrahlung von Galaxien einander zuzuordnen – eine Anleitung dafür steht auf der Webseite radio.galaxyzoo.org bereit. „Bisher ist noch jeder Computeralgorithmus daran gescheitert, eine solche Aufgabe zuverlässig zu erledigen“, sagt Dr. Enno Middelberg vom Astronomischen Institut der Ruhr-Universität. „Am sichersten können das immer noch Menschen.“

Radiostrahlung und Infrarotstrahlung zuordnen

Auf der Webseite radio.galaxyzoo.org sehen die Hobby-Forscher überlappende Bilder von Radiostrahlung und Infrarotstrahlung von Galaxien. Radiowellen entstehen oft in anderen Gebieten als Infrarotwellen und haben deswegen eine völlig andere Form. Manchmal überlappen sich diese Gebiete nicht einmal. Trotzdem gilt es herauszufinden, ob Radio- und Infrarotstrahlung zur gleichen Galaxie gehören. Mit etwas Übung kann jeder diese Aufgabe bewerkstelligen. Bei schwierigen Fällen hilft das internationale Astronomen-Team. „Wenn sich viele Freiwillige Tausende von Bildern anschauen, kommt es fast zwangsläufig zu völlig unerwarteten Entdeckungen“, weiß Enno Middelberg.

Gegenseitigen Einfluss von schwarzen Löchern und Sternen untersuchen

Unterschiedliche Mechanismen erzeugen Radio- und Infrarotstrahlung in Galaxien. Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind in der Regel die Produzenten von Radiostrahlung. Junge, große Sterne hingegen erzeugen meist Infrarotstrahlung. Die Radiostrahlung des schwarzen Lochs hat einen Einfluss darauf, wie viele Sterne entstehen können. „Dieser Zusammenhang gibt den Astronomen große Rätsel auf“, meint der Bochumer Forscher. „Die Ergebnisse des ‚Radio Galaxy Zoo‘ werden über die nächsten Jahre eine unschätzbare Quelle von Informationen sein, um den gegenseitigen Einfluss von schwarzen Löchern und Sternen zu untersuchen.“

„Galaxy Zoo“ – eine Anlaufstelle für wissenschaftliche Mitmachprojekte

Vor einigen Jahren startete die Webseite www.zooniverse.org als „Galaxy Zoo“; inzwischen ist die Webseite eine Anlaufstelle für verschiedene wissenschaftliche Mitmachprojekte: Galaxien klassifizieren, Walgesänge zuordnen, Logbücher der „British Royal Navy“ in Klartext übertragen oder tropische Stürme identifizieren. All diese Projekte suchen Freiwillige, um Aufgaben zu erledigen, die schlecht oder gar nicht von Computern gemeistert werden.

Redaktion

Dr. Julia Weiler
Dezernat Hochschulkommunikation

Weitere Informationen

Dr. Enno Middelberg, Astronomisches Institut der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32- 23448
middelberg@astro.rub.de

 

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