Plasmareaktor online steuern

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Nummer 213 - Bochum, 17.07.2013

Plasmareaktor online steuern

RUB-Forscher beschreitet neue Wege in der Plasmaphysik-Lehre

Kooperation mit der Uni Prag liefert viele Möglichkeiten für Studierende

Die Kernfusion ist ein wichtiger Bestandteil der Physik-Lehre, aber normalerweise ein abstraktes Thema. Nicht so in der Vorlesung „Einführung in die Plasmaphysik“ von RUB-Juniorprofessor Dr. Jan Benedikt. In seiner Veranstaltung konnten die Studierenden gemeinsam mit ihrem Dozenten online einen Plasmareaktor in Prag steuern. In dem Reaktor wird ein magnetisiertes Wasserstoffplasma erzeugt und geheizt. Das gleiche Prinzip verwenden größere Reaktoren, die so hohe Temperaturen erreichen, dass Wasserstoffkerne zu Helium fusionieren und dabei sehr viel Energie frei wird. Dank einer neuen Kooperation mit der Technischen Universität in Prag werden auch die Studierenden der kommenden Semester diese Möglichkeit haben.

Kleinster und ältester Plasmareaktor der Welt

Der Plasmareaktor, Tokamak genannt, ist mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern einer der kleinsten der Welt – und auch der älteste, der noch funktionstüchtig ist. Anfang der 1960er-Jahre wurde er in der ehemaligen Sowjetunion gebaut; heute beherbergt ihn die Technische Universität in Prag, wo er den Namen „Golem“ erhielt. Er ist mittlerweile ein Lehrexperiment für tschechische und internationale Studierende geworden. In dem Online-Versuch können die Zuschauer erfahren, wie schwer es ist, das instabile magnetisierte Plasma des Reaktors zu kontrollieren und damit die Fusion der Wasserstoffkerne zu steuern. Im Rahmen der neuen Kooperation mit dem „Golem“-Team, geleitet von Dr. Vojtěch Svoboda, können RUB-Studierende in Zukunft auch Praktika und Bachelor-Arbeiten in Prag absolvieren.

Kernfusion: sichere und umweltfreundliche Energie

Die Kernfusion handhabbar zu machen, ist ein großes Ziel von Ingenieuren und Plasmaphysikern; sie würde erlauben, auf sicherem Wege umweltfreundlich Energie zu erzeugen. Anders als bei der Kernspaltung in Atomkraftwerken sind keine radioaktiven Elemente wie Uran oder Plutonium involviert. Die Fusion von Wasserstoffkernen zu Helium liefert unserer Sonne schon seit 4,5 Milliarden Jahren ihre Energie.

Wie der Reaktor seinen Namen bekam

Einer jüdischen Legende zufolge erschuf Rabbi Löwe im 16. Jahrhundert in Prag ein lebendes Wesen aus Lehm – Golem genannt. Der Golem besaß übernatürliche Kräfte und folgte den Befehlen seines Meisters blind. Seine Kräfte waren nur schwer zu kontrollieren. Nach diesem Legendenwesen wurde der Plasmareaktor benannt.

Redaktion

Dr. Julia Weiler
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Jun.-Prof. Dr. Jan Benedikt, AG Gekoppelte Plasma-Festkörpersysteme, Fakultät für Physik und Astronomie der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-27654,
jan.benedikt@rub.de

 

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„Golem”-Tokamak

Dieser Plasmareaktor an der Technischen Universität in Prag kann online gesteuert werden.

© Barbora Drtinova
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