Georgisch-russische Literaturbeziehungen in neuem Licht

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Nummer 103 - Bochum, 02.04.2013

Georgisch-russische Literaturbeziehungen in neuem Licht

RUB erhält Förderung der Volkswagenstiftung

Kulturelles Miteinander und kulturelle Diversion

Wie russische und georgische Autoren sich in ihren Werken auf die jeweils andere literarische Tradition beziehen, erforschen Wissenschaftler der RUB in einem neuen Projekt, das am 2. April startet: „Politik und Literarische Tradition: die Entwicklung der russisch-georgischen Literaturbeziehungen seit der Perestrojka“. Der Lehrstuhl für slavistische Literaturwissenschaft (Prof. Dr. Mirja Lecke) erhält dafür von der Volkswagenstiftung eine Förderung in Höhe von 233.400 Euro.

Bekannte Ausgangssituation

Seit Jahrhunderten sind die Literaturen aus Russland und Georgien eng verbunden. Nach der Perestrojka, als die Länder nicht mehr durch die Sowjetunion ökonomisch und politisch zusammengehalten wurden, orientierten sich die Nationen kulturell und politisch neu zueinander. Die Wissenschaftler nehmen in ihrem Projekt den Prozess dieser kulturellen Diversion unter die Lupe. Bereits gut erforscht ist, dass viele nach Georgien strafversetzte, geflohene oder verreiste russische Intellektuelle von der alten christlichen Hochkultur beeindruckt waren, während die russische Literatur für Georgier das „Tor zur Welt“ darstellte. Das Ende der Sowjetunion hat dafür gesorgt, dass sowohl eine starke Distanzierung offensichtlich wird, aber auch nostalgische Sehnsucht eine Rolle spielt.

Literatursoziologische und literarische Aspekte

In dem Projekt analysieren die Forscher, mit welchen literarischen Motiven georgische und russische Texte etwas über die jeweils eigene Bevölkerung und die gemeinsame Geschichte der Länder erzählen. Die Forschungsgruppe will methodisch vor allem an Fragestellungen aus den Postcolonial Studies anknüpfen, um Vergleichsmöglichkeiten zu ähnlichen Distanzierungen in anderen postsowjetischen Kulturen zu finden. Die Projektmitarbeiter untersuchen dabei sowohl literatursoziologische als auch literarische Aspekte. Zeitzeugen und Publizisten dienen ihnen als direkte Informanten, um die Veränderungen zu reflektieren.

RUB im Austausch mit Georgien

In einem Aufenthalt an der RUB leitet eine georgische Doktorandin einen Teil des Projekts ebenso wie georgische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit verschiedenen Qualifikationen an der Arbeit beteiligt sind. Zu einem späteren Zeitpunkt ist ein internationales Symposium in Georgien geplant. Hier werden weitere Forschungsperspektiven für eine Slavistik im postsowjetischen Raum diskutiert.

Redaktion

Ricarda Rau
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Prof. Dr. Mirja Lecke, Lehrstuhl für slavistische Literaturwissenschaft, Seminar für Slavistik/Lotman-Institut der RUB, Tel. 0234/32-28370
http://www.slavistik.ruhr-uni-bochum.de Mirja.Lecke@rub.de