Voraussetzung für den Aufstieg

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Nummer 99 - Bochum, 01.04.2013

Voraussetzung für den Aufstieg

Gutes Benehmen wird Pflichtfach

RUB reagiert auf zunehmenden Narzissmus

Gutes Benehmen wird ab Sommersemester 2013 neues Pflichtfach für alle Studiengänge an der Ruhr-Universität Bochum. Diesen Beschluss hat das Rektorat in seiner ersten Sitzung des Semesters gefasst. Es ließ sich leiten aus der großen Sorge um das spätere berufliche Fortkommen der Bochumer Studierenden. Um ihnen das Fach flächendeckend zu ermöglichen, hat es bereits aus Mitteln der Kompensationszahlungen des Landes (den so genannten Studienverbesserungsmitteln) rund 0,5 Mio. € freigegeben. Die Inhalte des neuen Pflichtfaches reichen von guten Essmanieren über den öffentlichen Umgang mit Smartphones bis hin zu natürlichem Benehmen und Höflichkeitsformeln; organisatorisch ist das neue Pflichtfach an den Optionalbereich angebunden.

Studierende sollen sich selbst nicht die Chancen verbauen

Die RUB reagiert damit auf die gesellschaftlichen Klagen über den allgemein zunehmenden Narzissmus bzw. die Rede von der „Rüpel-Republik“. In der heutigen Ellenbogengesellschaft sind Respekt, Fairness und Höflichkeit zu vernachlässigbaren Größen verkommen. Unter die Räder gekommen sind auch die Tischmanieren, seitdem in Familien kaum noch gemeinsame Mahlzeiten eingenommen werden. Der Bochumer Sozialpsychologe Prof. Hans-Werner Bierhoff stellte kürzlich fest: „Narzissmus breitet sich wie eine Epidemie aus, vor allem, weil inzwischen fast alle Eltern davon ausgehen, ihr Kind sei was Besonderes.“ Dem Nachwuchs bliebe gar nichts anderes übrig, „als sich selbst grandios zu finden.“ Dass er sich so die Chancen verbaut, will die RUB erkennbar machen.

Tischmanieren und Umgang mit Smartphones

Ein erheblicher Teil des Pflichtfaches widmet sich den Tischmanieren, denen allgemein eine besondere Bedeutung beim beruflichen Fortkommen zugesprochen wird. Beobachtungen in den Mensen zeigen, dass viele das Essen nur so in sich schaufeln, mit vollem Mund sprechen und gleichzeitig auch noch ihre Smartphones bedienen, selbst im Gespräch mit Tischnachbarn. Zu wünschen lässt auch der Umgang mit Messer und Gabel. Mit dem Studierendenwerk Akafö hat die RUB deshalb verabredet, für die Kurse die Emporen freizuhalten und dort den Unterricht anzubieten. Als Anreiz für die Studierenden werden besonders ausgewählte Mahlzeiten mit drei bis vier Gängen angeboten. Zugleich ist das Rechenzentrum angewiesen worden, die WLAN-Verbindungen in den Mensen für die Zeiten von 11:30 bis 14:30 Uhr zu sperren.

Neue Dozenten für Benimmkurse

Auch das Schreibzentrum und die Allgemeine Studienberatung sind mit an Bord. Sie sind verantwortlich für den Unterricht von Anrede- und Grußformeln in E-Mails und Briefen und das Verhalten in Sprechstunden, wohingegen das Careercenter die wichtigsten Regeln des Verhaltens in Büros und am Arbeitsplatz vermittelt. Zudem hat die RUB 20 Dozenten für Benimmkurse engagiert. In ihnen lernen die Studierenden, wie man sich bei offiziellen Anlässen kleidet, welches Benehmen gegenüber Vorgesetzten angebracht ist, ob und wer wem wann zuerst das Du anbietet. Denn allzu häufig werden bei solchen Anlässen jene Fehler gemacht, die den Aufstieg in höhere berufliche und gesellschaftliche Kreise verhindern. Besondere Kurse bieten darüber hinaus die Germanisten an: Deutsch für Deutsche. Weil viele Studierende mit erheblichen Sprachmängeln an die Universität kommen, gilt es, in der Schule Versäumtes oder Vernachlässigtes wettzumachen.

Redaktion

Dr. Josef König
Pressestelle RUB