Autonome Unis gut für den Staat

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Nummer 89 - Bochum, 20.03.2013

Autonome Unis gut für den Staat

Einfluss von Wirtschaft durch Hochschulräte gering

Neue Bochumer Studie zur Modernisierung der Unis erschienen

Der Staat hat keineswegs an Einfluss verloren, als er die Autonomie der Universitäten „durch Globalbudgets, Berufungsrechte und organisatorische Eigenständigkeit“ stärkte. Dieses Fazit ziehen die Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum, die Professoren Jörg Bogumil, Dr. Martin Burgi und Rolf G. Heinze u.a. in ihrer soeben erschienen Studie „Modernisierung der Universitäten. Umsetzungsstand und Wirkungen neuer Steuerungsmechanismen“. Das Buch bildet den Abschluss des Forschungsprojektes „Neue Steuerung von Universitäten – Evaluierung von Governance-Reformen des deutschen Universitätssystems“, das von 2009 bis 2012 aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Hans-Böckler-Stiftung an der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt worden ist. Das BMBF hat ein Nachfolgeprojekt für weitere drei Jahre genehmigt.

Forscher räumen mit einer Mär auf

Zugleich räumen die Bochumer Wissenschaftler mit der Mär auf, Wirtschaft und Gesellschaft hätten durch die Einführung von Hochschulräten übermäßig an Einfluss in Universitäten gewonnen: „Wird aber die Zusammensetzung von Hochschulräten betrachtet, ist der gesellschaftliche Einfluss eindeutig zu relativieren, da hier nach wie vor die Vertreter aus dem Wissenschaftsbereich dominieren.“ Laut Bogumil und Kollegen ist die „zielbezogene Außensteuerung durch die Hochschulräte eher von untergeordneter Bedeutung." Mit der Einführung der neuen Steuerungsmechanismen haben in den Universitäten die „Rektorate ohne Zweifel an Macht gewonnen und die Senate und Fakultäten an Einfluss verloren." Damit ist eher die hierarchisch-administrative Selbststeuerung gestärkt, die akademische Selbstorganisation geschwächt worden, als dass der Staat an Einfluss verloren hätte.

Befragungen und Fallstudien

Die Bochumer Studie beruht auf Methoden sowohl der quantitativen wie der qualitativen Sozialforschung. Empirisch untersucht haben die Wissenschaftler den Stand der Implementierung neuerer Steuerungsmechanismen und das dadurch erreichte Ausmaß institutioneller Veränderungen (Soll-Ist-Vergleich und Zeitvergleich). Untersucht wurden dann im zweiten Schritt die Auswirkungen der neuen Steuerungsinstrumente auf die Outputs, Prozesse und Strukturen der Universitäten. Dazu haben die Wissenschaftler flächendeckend mit Fragebögen Rektoren, Kanzler, Dekane, Professoren, Hochschulratsmitglieder und Personalratsvorsitzende schriftlich befragt, und sie erreichten Rücklaufquoten zwischen 39 und 72 Prozent, die repräsentative Aussagen erlauben. In zwei detaillierten Fallstudien erläutern die Autoren unterschiedliche Auswirkungen der Reformen am Beispiel von zwei nicht genannten Universitäten.

In der Summe positive Effekte

Nach Ansicht der befragten Rektoren, Kanzler, Dekane und Professoren haben die Reformen der letzten 20 Jahre die Universitäten autonomer gemacht und dadurch „in der Summe positive Effekte“ bewirkt. Die Anreize haben insbesondere die Forschungsleistungen deutlich gesteigert, aber auch in der Lehre sind entsprechende Verbesserungen zu verzeichnen, auch wenn sie geringer als in der Forschung ausfallen. „Das einzige Instrument, welches keine positiven Wirkungen auf die Leistungen in Forschung und Lehre hat, scheint die W-Besoldung zu sein“, so ein Fazit der Studie.

Mehr Controlling und Kampf um Drittmittel

Die erhöhte Leistung wurde aber durch „nicht zu vernachlässigende Transaktionskosten“ erkauft. Mit der Stärkung der Rektorate ging ein „enormer Anstieg des Verwaltungs- und Controllingaufwands auf den zentralen und dezentralen Ebenen“ einher. Außerdem haben die Reformen nach Ansicht der Befragten den Kampf um Drittmittel so angeheizt, dass sie von einem „überzogenem Wettbewerbsstreben“ sprechen, „bei dem man zudem nur begrenzt gewinnen kann." Auch die Personalräte nehmen zwar die Verbesserungen wahr; sie stellen aber zugleich fest, dass „sich die Arbeitsbedingungen und die Motivation/Zufriedenheit sowie formalen Mitbestimmungs- und informellen Partizipationsmöglichkeiten des wissenschaftlichen Personals eher verschlechtert haben."

Titelaufnahme

Jörg Bogumil, Martin Burgi, Rolf G. Heinze, Sascha Gerber, Ilse-Dore Gräf, Linda Jochheim, Maren Schickentanz, Manfred Wannöffel: „Modernisierung der Universitäten. Umsetzungsstand und Wirkungen neuer Steuerungsinstrumente“, edition sigma, Berlin 2013 (Modernisierung des öffentlichen Sektors, Sonderband 41), ISBN 978-3-8360-7291-5; ISSN 0948-2555, 18,90 €

Redaktion

Dr. Josef König
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Prof. Dr. Jörg Bogumil, Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB, Tel. 0234/32-27805
joerg.bogumil@rub.de

Prof. Dr. Rolf G. Heinze, Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB, Tel. 0234/32-28981
rolf.heinze@rub.de