Die Katholische Kirche und der Dialog

RUB » Pressestelle » Presseinformationen » Kategorie Allgemeines » Presseinformation 9
Nummer 9 - Bochum, 10.01.2013

Die Katholische Kirche und der Dialog

Begründungen, Voraussetzungen, Formen

RUB-Theologe veröffentlicht Tagungsband

Nach dem Vertrauensverlust der Katholischen Kirche durch den Missbrauchsskandal hatte die Deutsche Bischofskonferenz 2010 umfassende innerkirchliche Dialog- bzw. Gesprächsprozesse angekündigt. Eine Bestandsaufnahme der laufenden Vorhaben haben Theologen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler sowie Vertreter der Kirche im vergangenen Jahr auf einer Tagung an der RUB vorgenommen. Nachzulesen sind ihre kritischen Reflexionen im Tagungsband „Dialogprozesse in der Katholischen Kirche. Begründungen – Voraussetzungen – Formen“, den der Bochumer Theologieprofessor und Sozialethiker Joachim Wiemeyer soeben herausgegeben hat (Verlag Ferdinand Schöningh).

Dialog ist unverzichtbar

Fazit des Bandes ist, dass für die Zukunft der Kirche sowie für ihren Verkündigungsauftrag substanzielle Dialogprozesse unverzichtbar und theologisch aus dem Selbstverständnis der Kirche heraus begründet sind. Dabei sind verschiedene Formen und Methoden erfolgsversprechend. Der RUB-Tagungsband enthält nicht nur entsprechende Anregungen, Forderungen und Denkanstöße, die Autoren zeigen auch gelungene Beispiele und gute Vorbilder für den weiteren Prozess – etwa den Konsultationsprozess für das ökumenische Sozialwort 1997 („ein Vorbild für innerkirchliche Dialogprozesse“). Deutlich wird aus den Beiträgen zudem, dass Aspekte des Marketings bzw. des „viralen Marketings“ als neue Ebene kirchlicher Kommunikation ebenfalls eine gewichtige Rolle spielen.

Weg vom Smalltalk und Argument der Macht

Inhaltlich erstreckt sich das Buch von den Anfängen der Kirche und dem heftigen Ringen um grundlegende Richtungsentscheidungen, die im Apostelkonzil geklärt wurden, über das Zweite Vatikanische Konzil bis hin zur Würzburger Synode in den 1970er-Jahren und dem heutigen grundlegenden Wandel von einer Volkskirche zu einer Kirche im Volk. Es geht beispielsweise um die Abkehr von einem Gehorsam einfordernden, streng hierarchischen und zentralistischen Kirchenmodell, um den nichtprofessionellen Umgang mit Krisen und Skandalen, um einen innerkirchlichen Paradigmenwechsel vom „Argument der Macht“ zu einer „Macht der Argumente“ und um echten Dialog statt „Smalltalk“. Auch heikle Themen wie Frauenpriestertum oder Zölibat dürften im deutschen Dialogprozess nicht unter Rücksichtnahme auf Rom ausgeklammert werden.

Titelaufnahme

Joachim Wiemeyer (Hrsg.): Dialogprozesse in der Katholischen Kirche. Begründungen – Voraussetzungen – Formen, Verlag Schöningh: Paderborn München Wien Zürich 2013., 22,90 Euro, ISBN: 978-3-506-77629-7

Redaktion

Jens Wylkop
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Prof. Dr. Joachim Wiemeyer, Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre, Katholisch-Theologische Fakultät der RUB, Tel. 0234/32-22615
joachim.wiemeyer@rub.de

 

Buchcover

Dialogprozesse in der Katholischen Kirche

© Verlag Ferdinand Schöningh
Download (1.3 MB)