Pionier der Datenverarbeitung

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Nummer 425 - Bochum, 19.12.2012

Pionier der Datenverarbeitung

RUB trauert um Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Weber

Entwickler des ersten autonomen mobilen Roboters

Die Ruhr-Universität Bochum trauert um Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Weber, der am Samstag, 15.12., nur wenige Tage vor seinem 75. Geburtstag verstorben ist. Wolfgang Weber, 1937 in Berlin geboren, hatte von 1973 bis zu seiner Emeritierung 2002 den Lehrstuhl für Datenverarbeitung an der RUB inne. Er gehörte zu den Pionieren der Datenverarbeitung und war zugleich ein äußerst engagierter Gründer von Universitäten und Fakultäten im In- und Ausland. Im Rektorat von Prof. Dr. Peter Meyer-Dohm war er von 1977 bis 1979 zudem Prorektor für Struktur der RUB. Die Ruhr-Universität wird ihm stets ein ehrenvolles Andenken bewahren.

„Raus aus dem Dornröschenschlaf“

Wolfgang Weber gehörte zu den Pionieren der Datenverarbeitung in Deutschland. Zusammen mit seinem Kollegen Prof. Dr. Otto Föllinger „erlöste“ er das Fachgebiet Regelungstechnik an der Fakultät für Elektrotechnik der TH Karlsruhe aus einem „Dornröschenschlaf“. Viele Studenten der Elektrotechnik konnten in diesem aufstrebenden Fachgebiet Vorlesungen hören, die endlich den Stand der Technik angemessen darstellten und dazu noch didaktisch gut aufbereitet waren – das Stichwort Kybernetik machte damals in vielen Fachgebieten die Runde.

Von der Regelungstechnik zum PC

Als er 1973 an die Ruhr-Universität Bochum wechselte, bahnte sich gerade mit der Mikroprozessortechnik eine technische Revolution an. Die Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet wurde zum Markenzeichen des Lehrstuhls unter Führung von Wolfgang Weber. Verschiedene Pilotprojekte gaben der umliegenden Industrie Impulse zur Anwendung der neuen Generation von elektronischen Schaltungen. In der Lehre mussten der Entwurf und die Programmierung der Schaltungen angemessen vertreten werden. Die Entwicklung der elektronischen Bauelemente schritt dann rasant fort und die Forschungs- und Entwicklungsarbeit am Lehrstuhl hielt damit Schritt. Es war ein Weg, der von der so genannten Mikrorechnertechnik für Anwendungen in der Industrie bis hin zum persönlichen Arbeitsrechner auf dem Schreibtisch (PC) führte. Die Aktivitäten mündeten schließlich in Problemen der Vernetzung solcher Computer, womit das dynamische Arbeitsfeld des Lehrstuhls für Datenverarbeitung bis zum Jahr 2003 beschrieben ist. Besonderes Highlight war unter anderem 1988 die Entwicklung „offener Netzstrukturen“ für die Kommunikation von Computern über einem so genannten Front-End-Rechner. AUROMA, den ersten autonomen mobilen Roboter, stellte Prof. Weber 1989 vor, im gleichen Jahr verbesserte er die Erfassung EEGs bei Kindern und 1991 machte er von sich reden mit einem benutzerfreundlichen Kryptosystem für PCs.

Internationaler Universitäts- und Fakultätsgründer

Doch Wolfgang Weber war weit mehr als nur der kreative Ingenieur und Entwickler. Seit 1970 war er an mehreren nationalen und internationalen Universitäts- und Fakultätsgründungen beteiligt: Er war ab 1970 maßgeblich am Aufbau der Doppeluniversität Trier-Kaiserslautern beteiligt und der erste Ordinarius des Lehrstuhls für Nachrichtentechnik in Kaiserslautern. Außerdem hat er mitgewirkt am Aufbau der Fern-Uni Hagen und war als Berater und Gutachter tätig, als die Fakultät für Elektrotechnik an der Uni Bremen und 1985 die Cebu Central Colleges (CCC) in Cebu City, Philippinen entstanden sind. Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit internationalen Wissenschaftlern konnte der gebürtige Berliner, durch Gastprofessuren etwa in China, Jugoslawien, Indien, Malaysia und am Mapua Institute of Technology in Manila sammeln.

Bundesverdienstkreuz und Goldene Eule

Prof. Weber war Autor und Herausgeber zahlreicher Schriften, unter anderem der Buchreihe „Taschenbuch der Informatik“. 2005 ist ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen worden, 2007 fungierte Weber als Gründungsrektor der Internationalen Tekin-Universität in Antalya, 2010 wurde ihm eine äußerst seltene Ehre zuteil: Er erhielt in Freiburg für „das Lebenswerk einer ganzheitlich orientierten Persönlichkeit von hohem Ethos, die im Raum der Wissenschaft und lebensweltlich wegweisend, öffnend und völkerverbindend gewirkt hat“ die „Goldene Eule“ der Sokratischen Gesellschaft, die nur alle fünf Jahre vergeben wird.

Redaktion

Dr. Josef König
Pressestelle RUB

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Weber

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