„#WishYouWereHere” – Ringvorlesung zu Facebook & Co.

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Nummer 356 - Bochum, 24.10.2012

„#WishYouWereHere” – Ringvorlesung zu Facebook & Co.

RUB-Medienwissenschaftler und C60 beleuchten Soziale Medien und Netzwerke

Zehn Vorträge in der Rotunde im alten Bochumer Hauptbahnhof

Die Wissenschaftler der Ruhr-Universität zieht es immer häufiger in die Innenstadt. Aktuell sind es die Medienwissenschaftler, die vorübergehend den Seminarraum auf dem Campus verlassen. Zusammen mit C60 – Collaboratorium für kulturelle Praxis – haben sie eine öffentliche Ringvorlesung konzipiert, die ab dem 30. Oktober im Wochenrhythmus in der Rotunde im alten Bochumer Hauptbahnhof stattfindet: „#WishYouWereHere. Open Technologies/Social Media”. Zehn Mal wird bis Ende Januar 2013 über soziale und mediale Auswirkungen von Facebook, Twitter, YouTube etc. referiert und diskutiert. Es kommen Experten aus ganz Europa nach Bochum.

Moderne Schlüsselakteure

Das Vordringen von digitalen Technologien in alle Bereiche des Sozialen verwandelt nachhaltig die Beziehungen zwischen den Individuen, den Gruppen, den Generationen, den Nationen. Insbesondere Soziale Medien und Netzwerke wie Facebook, YouTube, Tumblr, Twitter oder Blogger müssen heute als Schlüsselakteure einer neuen großen Transformation gelten: Sie sind die Hauptträger einer neuen Aufmerksamkeitsökonomie, die Kerne einer neuen Datenindustrie, sie verändern die sozio-ökonomischen Spielregeln und sind insgesamt die Protagonisten einer weitreichenden Umgestaltung der technologisch-industriellen Lebensform als solcher.

Die nächste Gesellschaft

Das Institut für Medienwissenschaft (IfM) der Ruhr-Universität stellt im Rahmen einer öffentlichen Ringvorlesung wesentliche Aspekte dieser Veränderungen zur Diskussion. Vortragende sind Medienexperten aus ganz Europa. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach den Veränderungen von privater, öffentlicher und gesellschaftlicher Kommunikation, dem Sinn von Gemeinschaft und Freundschaft, den neuen Räumen des Wissens und der Wissensübertragung. Gefragt wird aber auch ganz allgemein nach der nächsten Gesellschaft und ihren medialen, technischen, kommunikativen, ästhetischen, perzeptiven, ökonomischen, politischen sowie institutionellen Rahmungen, die insgesamt zu einer neuen Ökologie des Sozialen führen könnten. Federführend bei der Veranstaltung sind die Professuren „Medientechnik und Medienphilosophie“ (Prof. Dr. Erich Hörl) und „Filmwissenschaft mit dem Schwerpunkt Filmtheorie und Filmästhetik“ (Prof. Dr. Oliver Fahle), mitkonzipiert wurde sie von Martin Schlesinger und Michael Andreas (beide IfM), in Kooperation mit dem C60 – Collaboratorium für kulturelle Praxis.

C60

Das C60 ist eine Initiative der RUB und ihrer Partnern von UniverCity Bochum. Im Fokus stehen Projekte für zeitgenössische, kulturelle Praxis an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. Heimat von C60 ist seit September 2012 die mitten im Bochumer Kreativquartier gelegene Rotunde im früheren Hauptbahnhof, die sich C60 mit anderen Vertretern der Bochumer Kulturszene teilt. Zu C60 gehören u.a. alle Institute der RUB, die etwas mit Kunst und Kultur zu tun haben (Medien-, Theater-, Literaturwissenschaftler, Kunsthistorikern), aber auch Elektrotechniker und Informatiker. Der Name C60 soll an den Entdecker der Kohlenstoffverbindung Fulleren (C60), Richard Buckminster Fuller, erinnern. Mit seiner innovationsfreudigen und grenzüberschreitenden Arbeitsweise setzte Fuller schon früh auf schonenden Umgang mit Ressourcen, auf Nachhaltigkeit und Synergien.

Alle Termine

Die öffentliche Vortragsreihe findet wöchentlich statt, jeweils dienstags um 18 h (6.11. und 18.12. je 16 h). Interessierte u.a. aus Wissenschaft und Praxis sind herzlich willkommen; die Termine im Einzelnen: 30.10.12, Oliver Leistert (Central European University Budapest / Universität Paderborn): „Was war Facebook? Versuch einer theoretischen Einordnung“; 6.11.12, Ramón Reichert (Universität Wien): „Die Macht der Vielen - Technologien kollektiver Ästhetik“; 13.11.12, Carolin Wiedemann (Universität Hamburg): „Anonymous und der Wunsch, ein Schwarm zu bleiben“; 20.11.12, Christoph Bieber (Universität Duisburg-Essen): „The State of the Social Media – Was kommt nach dem Obama-Effekt?“; 27.11.12, Olga Goriunova (Warwick University): „The Expressive Power of Memes or Tracing Digital Artefacts in the Making“; 11.12.12, Yuk Hui (Leuphana Universität Lüneburg / IRI, Paris): „Towards a Philosophy of Post-Facebook Social Networks – With special attention to Jacob Moreno and Gilbert Simondon”; 18.12.12, Geert Lovink (Institute of Network Cultures, Amsterdam): „Politik der Sozialen Medien – Von Analysen zu Alternativen“; 15.1.13, Yann Moulier-Boutang (Université de Technologie Compiègne): „Digital Social Networks, New Economic Models, What Public Policies?“; 22.1.13, Jeanette Hofmann (Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft HIIG / Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung WZB): „Die digitale Gesellschaft – Ein Ausblick“; 29.1.13, 18 Christoph Engemann (Internationales Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie IKKM, Weimar): „You Cannot Not Transact – Übertragungen in sozialen Netzwerken“.

1. Termin: „Was war Facebook?“

Den Anfang macht am 30.10. Oliver Leistert. Er ist Research Fellow am Centre for Media and Communication Studies der Central European University in Budapest und vertritt zurzeit die Stelle eines akademischen Rates in der Medienwissenschaft an der Universität Paderborn. Er forscht mit internationaler Perspektive theoretisch und empirisch zu Mobilen Medien, Überwachung und Protest. Das Thema seines Vortrags lautet: „Was war Facebook? Versuch einer theoretischen Einordnung“: Das Tempo, in dem Facebook in den letzten Jahren Kommunikation – und damit Subjekt und Gesellschaft – verändert hat, ist atemberaubend. Inzwischen gibt es eine ganze Generation von Jugendlichen, zu deren Identität Facebook gehört. Nicht dabei zu sein, ist für viele Menschen unvorstellbar geworden. Auf der anderen Seite des Atlantiks bröckelt es aber bereits: Nutzerzahlen in den USA sinken zum ersten Mal; allgemein scheint das Netzwerk nicht mehr ganz so viel Aufmerksamkeit und Zeit pro Nutzer ergattern zu können. Mit der Vermassung ging der Hipnessfaktor verloren. Nicht auf Facebook zu sein wird zum Distinktionsmerkmal für die, die es sich leisten können. Die Totalabbildung des Lebens, das erklärte Ziel Zuckerbergs, ist ins Stocken geraten.

Redaktion

Arne Dessaul
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Martin Schlesinger, Diplom-Kulturwissenschaftler (Medien), Institut für Medienwissenschaft der RUB, Tel. 0234-3225068
martin.schlesinger@rub.de

 

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