Neuer Nachweis für Multiple Sklerose in Aussicht

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Nummer 351 - Bochum, Hannover, 22.10.2012

Gemeinsame Presseinformation der RUB und der MHH
 

Neuer Nachweis für Multiple Sklerose in Aussicht

RUB- und MHH-Forscher entdecken neues Verfahren

Veröffentlichung in „Neurology“

Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben eine neue Methode zum Nachweis von Multipler Sklerose (MS) sowie zur Unterscheidung verschiedener Verlaufensformen dieser Erkrankung ausfindig gemacht. Sie erzielten ihre Ergebnisse in einer Studie mit mehr als 100 Teilnehmern, die Daten müssen noch in einer zweiten Untersuchung mit mehr als 1.000 Patienten überprüft werden. Die Forscher veröffentlichten ihre Erkenntnisse in der aktuellen Ausgabe der angesehenen Zeitschrift Neurology.

Beim Verdacht auf Multiple Sklerose (MS) – die chronisch-entzündliche Erkrankung des Gehirns und des Rückenmarks – führen Ärzte eine so genannte Lumbalpunktion durch, bei der sie Nervenwasser aus dem Lendenwirbelbereich entnehmen. Die Forscher konnten nun nachweisen, dass sich in dieser Flüssigkeit krankheitsspezifische Micro-RNAs befinden. Das sind kurze Ribonukleinsäureketten, die Entwicklung, Vermehrung und Funktion von Zellen steuern können. Diese Micro-RNAs zeigen an, ob die Erkrankung vorliegt oder nicht. Darüber hinaus ist anhand von verschiedenen Mustern, die diese Micro-RNAs bilden, erkennbar, welche Verlaufsform der Erkrankung vorliegt.

„Wir hoffen, dass die Ergebnisse auch Einsichten in die Veränderungen der Erbinformationen sowie die Entstehung und Entwicklung der MS gewähren – und, dass wir Faktoren finden, die beim Übergang von der schubförmigen zur sekundär-chronischen MS eine Rolle spielen“, sagt Dr. Aiden Haghikia, Neurologische Klinik der RUB. „Unsere Erkenntnisse befinden sich im Anfangsstadium, werden aber möglicherweise helfen, die Erkrankung zu diagnostizieren und den Verlauf zu prognostizieren“, sagt Professor Dr. Thomas Thum, Leiter des Instituts für Molekulare und Translationale Therapiestrategien (IMTTS) der MHH.

Weltweit gibt es schätzungsweise 2,5 Millionen MS-Kranke, in Deutschland leben nach derzeitigen Hochrechnungen 130.000. Hauptsächlich erkranken junge Erwachsene zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Bei der Erkrankung werden die Hüllschicht der Nerven, das Myelin, und die Nervenzellen zerstört, was zu Entzündungen an verschiedenen Stellen des Gehirns und des Rückenmarks führt. MS kann daher sehr unterschiedliche Symptome haben. Die Ursache der Erkrankung ist noch unklar. Die Krankheit ist nicht heilbar, doch verschiedene Maßnahmen können den Verlauf günstig beeinflussen.

Titelaufnahme

Aiden Haghikia, Arash Haghikia, Kerstin Hellwig, Alexander Baraniskin, Angelika Holzmann, Bernhard F. Décard, Thomas Thum, MD, Ralf Gold: Regulated microRNAs in the CSF of patients with multiple sclerosis. A case-control study. Neurology, doi 10.1212/WNL.0b013e3182759621

Weitere Informationen

Dr. Aiden Haghikia, Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum, St. Josef-Hospital Bochum, Tel. 0234/509-2411
aiden.haghikia@ruhr-uni-bochum.de

Professor Dr. Thomas Thum, Leiter des Instituts für Molekulare und Translationale Therapiestrategien (IMTTS) der Medizinischen Hochschule Hannover, Tel. 0511/532-5272
Thum.Thomas@mh-hannover.de

 

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