Zeigen oder verbieten?

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Nummer 309 - Bochum, 19.09.2012

Zeigen oder verbieten?

Das Mohammed-Hassvideo oder: die Frage nach Vielfalt und Zusammenhalt

Großer Soziologiekongress an der RUB und TU Dortmund

Wie viel Vielfalt religiöser und politischer Orientierungen verträgt eine Gesellschaft, ehe ihr Zusammenhalt in Gefahr gerät? An der akut brennenden Diskussion um das antiislamische Hassvideo über den Propheten Mohammed stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Vielfalt und Zusammenhalt. Aktueller denn je ist damit auch das Thema „Vielfalt und Zusammenhalt“ des großen deutschen Soziologiekongresses an der RUB und der TU Dortmund vom 1. bis 5. Oktober. 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden erwartet, die in über 200 Einzelveranstaltungen aktuelle Forschungsergebnisse austauschen und diskutieren – unter anderem über das Mohammed-Video, die Beschneidungsdebatte, die Euro-Rettung (oder Nicht-Rettung) und das Verhältnis zum Gastland des diesjährigen Kongresses, der Türkei.

Geht die Vielfalt zu weit?

Das von einem US-Amerikaner produzierte und inzwischen über die gesamte Welt verbreitete Hassvideo macht sich in einer Weise über den Propheten Mohammed als den Gründer des modernen Islam lustig, die offenbar die Gefühle hunderttausender Moslems verletzt. Das Hassvideo wird von rechtsgerichteten und antiislamischen Kräften mit Hinweis auf die Meinungsfreiheit gezielt verbreitet und zur Provokation eingesetzt. Umgekehrt nutzen auch radikal-islamistische Kräfte die Empörung über das Video aus, um gewaltsame Aktionen gegen die USA und „den Westen“ schlechthin zu organisieren. Sollte das Hassvideo also verboten werden? Geht unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit die Vielfalt zu weit, wenn auch solche Standpunkte akzeptiert werden, die gezielt den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden (wollen)? Welche Proteste gegen das Video sind berechtigt, welche gefährden den sozialen Zusammenhalt?

Vielfalt ist nicht gleich Vielfalt

Solche Fragen stellen sich gegenwärtig nicht nur in vielen Ländern Nordafrikas und des Nahen Osten. Auch in Deutschland leben über vier Millionen Menschen muslimischen Glaubens, in Russland fast zwanzig Millionen. Die Frage, wie viel bzw. welche Vielfalt eine Gesellschaft benötigt und aushält, ohne dass der soziale Zusammenhalt gefährdet wird, steht als allgemeines Problem nicht nur hinter den Debatten über das Hassvideo. Sie stellt sich auch bei den neusten Zahlen des Armutsberichts der Bundesregierung, demzufolge die Schere zwischen arm und reich, die Vielfalt sozialer Lebenslagen, in Deutschland immer größer wird. Die Teilnehmer des Soziologiekongresses erörtern daher aus aktuellem Anlass und auf wissenschaftlicher Grundlage, welche Vielfalt zu begrüßen ist, welche Vielfalt noch tolerabel ist und welche Vielfalt den Zusammenhalt bedroht.

Redaktion

Jens Wylkop
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Sven Boden, 36. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie 2012, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Sozialwissenschaft, Kongressbüro, Tel. 0234/32-25167
boden@dgs2012.de

 

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