Olympische Spiele: Sieger und Verlierer stehen jetzt schon fest!
RUB-Ökonomen wagen eine Prognose des Medaillenspiegels
Was Daten aus Demografie, Politik, Wirtschaft und Kultur verraten
Kein Hokuspokus, sondern wissenschaftlich fundiertes Modell
Dass sich mit ökonometrischen Modellen Vorhersagen treffen lassen, zeigen die Berechnungen der Bochumer Ökonomen. Ihr Modell haben sie mit politischen, wirtschaftlichen, demografischen und kulturellen Daten gefüttert und retrospektiv die Medaillenspiegel für frühere Spiele „vorhergesagt“. Die Vorhersagen verblüffen: Ihre Prognose korreliert zu 97.4% mit dem tatsächlichen Medaillenspiegel der Teilnehmerländer der Spiele von Athen 2004 und zu 96.9% mit dem Medaillenspiegel von Peking 2008.
Jeder schaut auf den Medaillenspiegel
Bei Olympischen Spielen geht es nicht nur um den persönlichen Erfolg des einzelnen Sportlers, sondern auch um den Wettbewerb der Nationen; jeder schaut auf den Medaillenspiegel, dafür investieren die Länder in den Erfolg. So hat China vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking mehr als 4.5 Mrd. US-Dollar für die Sportförderung ausgegeben, um die USA als „Sportsupermacht“ abzulösen – eine erfolgreiche Investition. Auch die britische Regierung hat in den vergangenen Jahren in Erwartung der Olympischen Spiele 2012 die Investitionen in die Spitzensportförderung erheblich gesteigert. Doch nicht das Geld allein beeinflusst, welche Nation letztlich die Nase vorn hat. Bevölkerungsreiche Länder haben mehr talentierte und damit erfolgreiche Sportler als kleine Länder; wohlhabende Länder können mehr für ihre Sportler aufwenden als Staaten mit vergleichsweise niedrigem Pro-Kopf-Einkommen, denen es schwer fällt ein effizientes Fördersystem für talentierte Athleten zu betreiben. Zudem gibt es Länder, von denen man nach diesen Messgrößen im Vorfeld nicht erwartet hätte, dass sie vorn landen, wie etwa Jamaica 2008 in Peking. Schließlich üben politische Systeme einen Einfluss auf den Erfolg aus: Länder mit sozialistischem System oder sozialistischer Vergangenheit waren erfolgreicher im Sammeln von Medaillen.
Frauenerfolge von Emanzipation und Tradition abhängig
Darüber hinaus haben die Bochumer Ökonomen die Medaillengewinne von Frauen und Männern getrennt betrachtet. So schneiden Frauen aus Ländern mit einer eher emanzipierten Gesellschaft und gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt, erfolgreicher bei Olympischen Spielen ab als Frauen aus patriarchalisch geprägten Ländern. Dabei wird in dem verwendeten Modell die Stellung der Frau in der Gesellschaft durch verschiedene Faktoren gemessen. Die Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen, die Fertilitätsrate, die Anzahl der Jahre seitdem Frauen das Wahlrecht besitzen und die Hauptreligion Islam als religiöser Indikator eines Landes haben sich bei der Analyse als bedeutende Einflussfaktoren herausgestellt.
Der berühmte Heimvorteil und das Klima
Schließlich kommt der berühmte Heimvorteil ins Spiel. Das jeweilige Gastgeberland steigert seine Erfolgschancen, die Athleten des zukünftigen Ausrichterlandes profitieren von der frühzeitigen Ausweitung der Sportförderung in ihrem Heimatland in Vorbereitung auf die eigene Gastgeberrolle. Auch die klimatischen Bedingungen des Heimatlandes haben Auswirkungen auf die Medaillenausbeute der Sportler. Athleten aus Ländern mit einem extremen Klima sind aufgrund schlechterer Trainingsbedingungen gegenüber Sportlern aus gemäßigten Klimazonen benachteiligt – insbesondere in Sportarten die im Freien ausgeübt werden.
Die detaillierte Prognose
Auf Basis der Ergebnisse der empirischen Analyse kann eine Prognose für die Anzahl der Medaillen erstellt werden, die die teilnehmenden Nationen bei den Olympischen Spielen 2012 voraussichtlich gewinnen werden. Die folgende Tabelle zeigt die Top 15 Nationen und die vorhergesagte Anzahl an Medaillen: 1. China (102 Medaillen), 2. Vereinigte Staaten (100), 3. Russland (71), 4. Vereinigtes Königreich (57), 5. Australien (43), 6. Frankreich (39), 7. Deutschland (36), 8. Südkorea (31), 9. Kuba (29), 10. Brasilien (28), 11. Ukraine (28), 12. Italien (27), 13. Japan (27), 14. Weißrussland (19), 15. Spanien (19).

