Schauergeschichte neu aufgelegt

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Nummer 225 - Bochum, 29.06.2012

Schauergeschichte neu aufgelegt

Studierende veröffentlichen Edition von Gustav Meyrinks „Meister Leonhard“

RUB-Seminar „Vom Manuskript zum Buch“ trägt Früchte

In den Quellen stöbern, Thema aussuchen, Handschrift entziffern und los: Komparatistik-Studierende der Ruhr-Universität haben eine Edition von Gustav Meyrinks „Meister Leonhard“ auf die Beine gestellt. Bis zur Gestaltung des Buchcovers lagen alle Schritte in ihren eigenen Händen. „Ich war fasziniert, wie hart die Studierenden gearbeitet haben“, sagt Seminarleiterin Dr. Stephanie Heimgartner. „Die Erfahrung belegt, dass selbstverantwortetes Lernen zu hervorragenden Ergebnissen führt.“ Das Werk erscheint Anfang Juli im Christian A. Bachmann-Verlag.

Eine 4-Tages-Tour ins Literaturarchiv Marbach

Neun der zwölf Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer durften vier Tage im Literaturarchiv Marbach verbringen und nach einem geeigneten Werk für die Edition suchen. „Wir haben zum Beispiel geschaut, ob die Handschrift überhaupt lesbar ist und ob der Umfang passt. Wir hatten auch einen Vorschlag mit 600 Seiten, aber das schafft man in vier Tagen natürlich nicht“, erzählt Teilnehmerin Hannah Konopka. Schon die 50 Seiten „Meister Leonhard“ waren ein straffes Programm. Die Studierenden mussten die Texte entziffern, abtippen und Korrektur lesen. Außerdem notierten sie alle Veränderungen, die Meyrink selbst an seinem Originalmanuskript vorgenommen hatte, zum Beispiel Streichungen, Fehler und Einschübe. „Ich hatte vorher im Studium fast gar nichts Praktisches gemacht“, sagt Konopka. „Es war eine super Abwechslung, so einen Einblick zu bekommen. Wir haben viel mitgenommen und sind alle sehr stolz.“

Mehr als nur das Originalmanuskript: Kommentar, Apparat und Essays

Die Seminarteilnehmer hätten nicht unterschiedlicher sein können: Von Erstsemestern bis promovierter Studentin war alles dabei. Während ein Teil von ihnen in Marbach die Texte abschrieb, sichteten andere die Sekundärliteratur zum Autor, seinem Lebenswerk und der Novelle „Meister Leonhard“. So enthält die neue Edition nicht nur den Originaltext der schaurigen Geschichte, sondern auch einen Apparat für die Varianten des Textes, einen Kommentar und mehrere Essays über die Entstehungsgeschichte. Das Großprojekt stemmten die Studierenden in Rekordzeit: Zum ersten Mal trafen sie sich Anfang Februar 2012. Finanziert wurde das Seminar mit Mitteln des RUB-Rektoratsprogramms „Forschendes Lernen“. Neuauflagen folgen im kommenden Wintersemester und anschließenden Sommersemester.

„Eine tolle Geschichte“ und „ein wahrer Glücksgriff“

Die Novelle wurde zum ersten Mal 1916 in dem Erzählband „Fledermäuse“ veröffentlicht. „Es ist eine tolle Geschichte“, findet Hannah Konopka. „Richtig spannend geschrieben.“ Der alte Meister Leonhard resümiert sein Leben, die wirren Wege, die er gegangen ist, das Streben und das Scheitern: Viele okkulte Elemente, die Templer, eine sich wiederholende „Inzest-Tragödie“ und Mord werden von Meyrink zu einem ordentlichen literarischen Schauersüppchen verkocht. „Die Handschrift war ein wahrer Glücksgriff für die Studierenden. Das Dokument präsentierte sich inhaltlich ansprechend und in einem gut zu edierenden Zustand. Die Studierenden konnten sich gut praktisch erproben und ihre literaturwissenschaftlichen Fähigkeiten unter Berufsbedingungen austesten“, so Heimgartner.

Titelaufnahme

Stephanie Heimgartner, Hrsg. (2012): Gustav Meyrink. Meister Leonhard, Christian A. Bachmann-Verlag, ISBN 978-3-941030-24-4

Redaktion

Dr. Julia Weiler
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Dr. Stephanie Heimgartner, Komparatistik, Germanisches Institut der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25111
stephanie.heimgartner@rub.de

 

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Cover des Buches "Meister Leonhard"

© Christian A. Bachmann-Verlag
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