Frauen- und männerfeindlich zugleich

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Nummer 22 - Bochum, 23.01.2012

Frauen- und männerfeindlich zugleich

Antifeministische Männerrechtsbewegung im Blick

RUB-Forscher erstellt Expertise für die Heinrich-Böll-Stiftung

Die Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung sogenannter Männerrechtler hat der Bochumer Sozialwissenschaftler Hinrich Rosenbrock erforscht. Mit Hasssprache und -propaganda („Hate Speech“) geht die antifeministische Männerrechtsbewegung gegen Gleichstellung von Frauen, Emanzipation und Feminismus vor, besonders im Internet. Die meisten Männer teilen ihre überkommenen Bilder von Männlichkeit nicht. „Da die Antifeministen jedoch Männer, die ihren Vorstellungen nicht entsprechen, ausgrenzen, sind sie zu großen Teilen nicht nur frauen-, sondern auch männerfeindlich“, lautet ein zentrales Ergebnis der Studie. Im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung entstand sie an der Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB (Prof. Dr. Ilse Lenz, Soziologie / Soziale Ungleichheit und Geschlecht). Die Expertise ist soeben online erschienen und wird am 28. Januar als Buch veröffentlicht.

„Gleichheit“ nur für Männer und Vernichtungsphantasien gegen den Feminismus

Im Mittelpunkt steht die antifeministische Männerrechtsbewegung. Das sind „Männerrechtler“, die sich gegen Frauen- und Gleichstellungspolitik, Gender Mainstreaming und Feminismus wenden. In ihren Blogs und Online-Debatten stellen sie Männer oftmals als Opfer von Frauen- und Gleichstellungspolitik und des Feminismus dar, über Frauenförderung wird geklagt. Autor Hinrich Rosenbrock nennt die Ziele der Antifeministen: "Es geht den Akteuren – und das sind nicht nur Männer – um die Stärkung oder zumindest den Erhalt männlicher Vorrechte und das Zurückdrängen feministischer Argumentationen bzw. Institutionen. Dies gipfelt teilweise in Vernichtungsphantasien gegen den Feminismus und auch gegen einzelne feministische Personen."

Dem Rechtspopulismus in die Hände gespielt

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, stellt die Expertise in den Zusammenhang mit der Ende 2011 veröffentlichten Langzeitstudie "Deutsche Zustände" des Soziologen Wilhelm Heitmeyer: „Wir müssen damit rechnen, dass sich rechtsextreme Haltungen und eine 'Ideologie der Ungleichwertigkeit' weiter ausbreiten. Das bedroht die demokratische Basis und spielt vor allem dem Rechtspopulismus in die Hände. Ein Grund ist eine wachsende sozioökonomische Verunsicherung, die auch traditionelle Männlichkeitsbilder reanimiert. Hier sind Aufklärung und Information unabdingbar. Unsere Expertise soll dazu beitragen."

Vorstellung und Diskussion in Köln

Am Freitag, 3. Februar wird die Expertise öffentlich vorgestellt und diskutiert. Die Veranstaltung findet von 16 bis 19 Uhr im Bezirksrathaus Köln-Mühlheim, Wiener Platz 2a (Erdgeschoss, VHS-Saal) statt, um vorherige Anmeldung wird gebeten. Es gibt auch einen Livestream im Internet. Informationen stehen auf den Webseiten der Böll-Stiftung unter:

http://www.boell.de/calendar/VA-viewevt-de.aspx?evtid=10797

Titelaufnahme

Die antifeministische Männerrechtsbewegung: Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung. Eine Expertise für die Heinrich-Böll-Stiftung von Hinrich Rosenbrock. Band 8 der Schriften des Gunda-Werner-Instituts. Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung 2012, 174 Seiten, ISBN: 978-3-86928-073-8

Redaktion

Jens Wylkop
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Kontakt zu Hinrich Rosenbrock über Vera Lorenz, Pressestelle Heinrich-Böll-Stiftung, Tel. 030/28534-217
presse@boell.de

 

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