Amtsdeutsch a. D.
Sammelband zeigt Wege zur bürgernahen Rechts- und Verwaltungssprache
Koproduktion von RUB, IDEMA GmbH und FHöV NRW
Beiträge aus Wissenschaft und Praxis
Wie können Gesetze verständlich und nachvollziehbar formuliert werden? Welchen Stellenwert hat das Thema „Verständlichkeit“ in der Aus- und Weiterbildung von Verwaltungsfachleuten und Juristen? Wie kann es Behörden gelingen, sich dem Bürger erfolgreich mitzuteilen? Der Sammelband dokumentiert verschiedene Blickweisen auf diese und andere Fragen: von der kompakten Beschreibung konkreter Umsetzungsprojekte bis hin zur detaillierten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit einzelnen Aspekten der Rechts- und Verwaltungssprache. Michaela Blaha beispielsweise stellt „Typische Texte aus der Verwaltung – und wie man es besser macht“ vor, Dr. Hermann Wilhelm beschäftigt sich mit „Verwaltungstexten vor Gericht“ und Prof. Dr. Hans-R. Fluck (Forschungsstelle „Verständliche Sprache“ an der RUB) leistet einen Beitrag „Zur Kritikdebatte über die Verwaltungssprache im 18. und 19. Jahrhundert“.
Sprach-Experten der Ruhr-Universität
Rätselhafte Behördenbriefe – wer kennt sie nicht? Verständlichere und gleichzeitig rechtlich korrekte Formulierungen zu entwickeln, das beschlossen im Jahre 2000 die Stadt Bochum und das Germanistische Institut der Ruhr-Universität. Sprachwissenschaftler machten sich gemeinsam mit Verwaltungsbeschäftigten daran, Bandwurmsätze zu kürzen, Verklausuliertes aufzulösen und die Texte übersichtlicher sowie freundlicher zu gestalten. Das Projekt hatte Erfolg: Eine Bürgerbefragung zeigte, dass die überarbeiteten Texte tatsächlich verständlicher waren, und so dauert die Zusammenarbeit bis heute an. Die neu formulierten Texte werden in eine Datenbank eingestellt und können dort abgerufen werden. In Schreibwerkstätten trainieren die Beschäftigten zudem, wie man verständlich und trotzdem rechtlich korrekt formuliert. Um auch andere Behörden und Unternehmen unterstützen zu können, haben die Sprachwissenschaftler mittlerweile die IDEMA Gesellschaft für verständliche Sprache mbH gegründet. Forschungsarbeiten werden weiterhin über die Forschungsstelle „Verständliche Sprache“ am Germanistischen Institut durchgeführt.
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung
Die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen (FHöV NRW) bildet den „Beamtennachwuchs“ für die Kommunal- und Landesverwaltung aus und seit mehr als 30 Jahren auch die künftigen Polizeikommissarinnen und -kommissare. Die Studienorte befinden sich in Bielefeld, Münster, Dortmund, Hagen, Gelsenkirchen, Duisburg, und Köln. Im Rahmen der langjährigen Kooperation mit der Forschungsstelle „Verständliche Sprache“ des Germanistischen Instituts gab es bereits mehrere erfolgreiche Projekte. So wurden gemeinsame Workshops für haupt- und nebenamtlich lehrende Juristen durchgeführt, damit in der Ausbildung nicht nur juristisches Fachwissen, sondern auch die Bedeutung einer klaren Sprache vermittelt wird.
Titelaufnahme
Michaela Blaha, Hermann Wilhelm (Hrsg.): „Verständliche Sprache in Recht und Verwaltung – Herausforderungen und Chancen“. Das Buch erscheint als Band 1 in der neuen Schriftenreihe „Hochschule – Wissenschaft – Praxis“ der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW im Verlag für Verwaltungswissenschaft, 194 Seiten, 19,80 Euro, ISBN 978-3-942731-06-5.

