Der schnellste Stern im Universum

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Nummer 419 - Bochum, 20.12.2011

Der schnellste Stern im Universum

Astronomen entdecken ersten rasenden Stern außerhalb der Milchstraße

RUBIN: Supernova lässt Rückschlüsse aufs Tempo zu

Auf der Suche nach ihrer Spezialität – bisher unbekannten „Geistergalaxien“ – haben RUB-Astronomen einen Sensationsfund gemacht: Sie entdeckten einen rasend schnellen massereichen Stern, den ersten außerhalb unserer eigenen Galaxie. Und er ist auch noch der schnellste, den man bisher nachweisen konnte. 850 Kilometer pro Sekunde muss er mindestens zurückgelegt haben, bevor er in einer Supernova explodiert ist. Über ihren Fund berichten Peter-Christian Zinn und PD Dr. Dominik Bomans im Fachmagazin „Astronomy & Astrophysics“. Einen ausführlichen allgemeinverständlichen Beitrag mit Bildern finden Sie auch in der aktuellen Ausgabe von RUBIN, dem Wissenschaftsmagazin der Ruhr-Universität.

Beitrag mit Bildern im Internet

Den vollständigen Beitrag mit Bildern zum Herunterladen finden Sie online unter:

http://www.rub.de/rubin

Detektivarbeit: Die Suche nach der Heimat toter Sterne

Um sog. Low Surface Brightness (LSB) Galaxien zu finden, suchten sich die Forscher Supernovae – Explosionen massereicher Sterne mit extremer Helligkeit – aus einem internationalen Katalog heraus, die scheinbar im Nichts stattgefunden haben. Denn Sterne entstehen nicht im Nichts, sie brauchen Materie. „Eine mögliche Lösung für die rätselhaften Supernovae im scheinbaren Nichts ist daher, dass die Sterne zuvor Teil einer LSB-Galaxie waren, der wir so auf die Spur kommen können“, erklärt Dr. Bomans. In keinem der fünf untersuchten Fälle fanden die Forscher aber eine solche LSB-Galaxie. Sie gingen weiter detektivisch vor und beobachteten die entsprechenden Himmelsregionen im Bereich von UV- und Radiowellen. So kann man feststellen, ob Galaxien vielleicht jenseits des sichtbaren Lichts viel größer sind als bisher angenommen, so dass eine scheinbar entfernt von der Supernova liegende Galaxie sich aufgrund ihrer Ausdehnung doch noch als Heimat des explodierten Sterns entpuppen kann. Einige Fälle konnten sie so aufklären.

Medaille um den Grabstein

Doch ein Fall, die Supernova 2006bx, blieb weiter ungelöst. „Der zugrunde liegende Stern war mit hoher Wahrscheinlichkeit superschnell, ein so genannter Hyper Velocity Star“, folgert Peter-Christian Zinn. Solche Sterne nehmen vermutlich eine extrem hohe Geschwindigkeit auf, wenn sie besonders nah am zentralen Schwarzen Loch einer Galaxie vorbei fliegen. Anhand der Supernova berechneten die Forscher die Masse der Sterns – etwa acht bis 20 Sonnenmassen. Solche massereichen Sterne sind mit „nur“ ca. 30 Millionen Jahren Lebensdauer vergleichsweise kurzlebig. Setzt man nun die wahrscheinliche Lebensdauer des Sterns in Relation mit der Entfernung von seiner Ursprungsgalaxie, kann man auf sein Tempo zurückschließen: 850 Kilometer pro Sekunde muss der Stern zurückgelegt haben – mindestens. Denn je nachdem, in welchem Winkel er sich zum beobachteten Ort seiner Supernova bewegt hat, könnte die Strecke, die er in seinem Leben zurückgelegt hat, sogar noch länger sein. „Damit ist er der schnellste bisher bekannte Stern überhaupt“, sagt Peter-Christian Zinn, und sinniert: „Das ist jetzt so, als würden wir einem Sprinter die Medaille um den Grabstein hängen.“

Themen in RUBIN Winter 2/2011

In RUBIN 2/2011 – der 20-jähringen Jubiläumsausgabe – finden Sie außerdem folgen Themen: Wasser: Mehr als nur Hintergrund; Lernende Hirnzellen: Motivation nutzen; Verantwortung gegenüber von Armut Betroffenen: Pflichten stark machen; Die Umweltverantwortung von Unternehmen; Grübler oder Macher; Wie sich der Gehirntumor verrät; Geselligkeit hält geistig fit; Biogasherstellung: Einzeller auf Hochtouren. RUBIN ist in der Stabsstelle Strategische PR und Markenbildung zum Preis von 2,50 Euro erhältlich und online unter http://www.rub.de/rubin

Titelaufnahme

Peter-Christian Zinn, Philipp Grunden, Dominik J. Bomans: Supernovae without host galaxy? - Hypervelocity stars in foreign galaxies. In: Astronomy & Astrophysics, November 11, 2011

http://arxiv.org/abs/1109.4717v2

Redaktion

Meike Drießen
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Peter-Christian Zinn, PD Dr. Dominik Bomans, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-26085
Astronomisches Institut der Ruhr-Universität zinn@astro.rub.de

 

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