Ruhr-Universität trauert um Paul Mikat

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Nummer 296 - Bochum, 26.09.2011

Ruhr-Universität trauert um Paul Mikat

Einer der RUB-Gründungsväter ist verstorben

Breites Wirken in Politik, Lehre und Forschung

Die Ruhr-Universität Bochum trauert um Paul Mikat. Der Jurist und Politiker ist einer der Gründungsväter der RUB. Als Kultusminister des Landes trug er in den 1960er-Jahren maßgeblich dazu bei, dass die erste Universität des Ruhrgebiets in Bochum errichtet wurde. Von Anfang an setzte er sich für den Standort ein, seit der Gründung 1965 bis 1990 war er Professor an der Juristischen Fakultät. „Wir sind tief betroffen“, sagt Rektor Prof. Dr. Elmar Weiler. „Paul Mikats Wirken in Wissenschaft und Politik war außerordentlich breit und ist bis heute spürbar. Die Ruhr-Universität hat ihm Vieles zu verdanken.“ Für seine Verdienste wurde Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Paul Mikat im Jahr 2009 mit der Ehrenbürgerwürde der RUB ausgezeichnet. Das ist die höchste Auszeichnung, die die Universität verleiht.

Prägend für die RUB: Kultusminister Mikat

In der Gründungsgeschichte der Ruhr-Universität Bochum spielte Paul Mikat eine herausragende Rolle. Als Kultusminister war er ab 1962 kraft seines Amtes Mitglied des Gründungsausschusses der Ruhr-Universität und prägte dessen Arbeit entscheidend mit. In besonderer Weise engagierte er sich dabei für die Berufung herausragender Wissenschaftler, mit deren Namen der Aufbau der Universität bis zum heutigen Tag verbunden ist. Es ist maßgeblich der visionären Kraft und dem Geschick von Paul Mikat zu verdanken, dass die Gründergeneration der berufenen Professoren der Ruhr-Universität ihren unverwechselbaren Charakter verleihen konnte und den von ihnen vertretenen Fächern ein Profil gab, das in den meisten Fällen über mehrere Jahrzehnte weitgehend unverändert Gültigkeit besaß. Die Katholisch-Theologische Fakultät der RUB verlieh ihm 1985 die Ehrendoktorwürde „Dr. h. c.“. Auch die medizinische und die juristische Fakultät der Universität Düsseldorf sowie die TU Dortmund und die Katholische Universität Lublin verliehen ihm die Ehrendoktorwürde; die Universitäten Bielefeld und Düsseldorf ernannten Mikat zum Ehrensenator. Der Papst zeichnete den bekennenden Katholiken im Jahr 2005 mit dem Großkreuz des Gregoriusordens aus.

Von der Hochschul- bis zur Kohlepolitik: Mikat packte zu

Paul Mikat, am 10. Dezember 1924 in Scherfede (Ostwestfalen) geboren, gehörte von 1969 bis 1987 dem Deutschen Bundestag an. Auf Landes- wie auf Bundesebene löste der „Vater der Mikätzchen“ Probleme auch mal auf unkonventionelle, pragmatische Weise. Er schloss zum Beispiel zahlreiche "Zwergschulen" in NRW und bekämpfte den Lehrermangel kurzerhand durch Sonderkurse zur Ausbildung von Hilfslehrerinnen ("Mikätzchen"). In seine Amtszeit fiel die Gründung mehrerer Universitäten in NRW, darunter die Errichtung der ersten im Revier. Mikat beschleunigte den Aufbau der RUB erheblich und packte zu. Als NRW-Kultusminister von 1962 bis 1966 ging er "mit so viel Elan an die neue Aufgabe heran, dass in seinem Ministerium ein ‚Mikat‘ bald als Synonym für die Zeiteinheit zwischen zwei Erlassen verwendet wurde", schreibt der Historiker Dr. Hans Stallmann in seiner Dissertation über die Gründung der RUB ("Euphorische Jahre"). Parallel zur Bildungsoffensive jener Zeit beschäftigte sich Mikat kompetent und weitsichtig mit dem Strukturwandel und der Zukunft der Kohle in der Region. So leitete er sowohl für die Landes- wie auch die Bundesregierung zwei Kohlekommissionen (Mikat I und II), um Vorschläge zu erarbeiten zur Neuausrichtung der deutschen Kohlepolitik. Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die Paul Mikat im Laufe seines Lebens erhielt, gehört die Ernennung zum „Bürger des Ruhrgebiets“ im Jahr 1993.

Redaktion

Jens Wylkop
Pressestelle RUB

Paul Mikat

Prof. Paul Mikat bei der Akademischen Jahresfeier 2009 der RUB

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