Vom Aussterben bedroht, zur Evolution gezwungen

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Nummer 274 - Bochum, 13.09.2011

Vom Aussterben bedroht, zur Evolution gezwungen

Neue RUB-Publikation über den Wandel der Religiosität

Glaube in Deutschland zwischen 1949 und 1989

Von „Ambivalenzen und Dissonanzen“ im religiösen Leben in Deutschland spricht Herausgeber Prof. Dr. Wilhelm Damberg in der kürzlich erschienenen RUB-Publikation „Soziale Strukturen und Semantiken des Religiösen im Wandel – Transformationen in der Bundesrepublik Deutschland 1949 – 1989“. Die 13 Autoren des Sammelbandes analysieren, was sich in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hinter der scheinbaren Widersprüchlichkeit verbirgt, dass einerseits die kirchlich organisierte Religiosität abnimmt und andererseits die Aufmerksamkeit für das Phänomen Religion steigt.

Fächerübergreifendes Forschungsprojekt

Das Buch entstand in einer interdisziplinären, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) seit 2005 geförderten Forschergruppe der Ruhr-Universität Bochum mit dem Namen „Transformation der Religion in der Moderne. Religion und Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“. Die aktuelle Publikation ist eine Zwischenbilanz der laufenden Projekte. Den Begriff der Transformation verwenden die Autoren, um damit eine „äußerst weit reichende, vermutlich irreversible, organisatorische und mentale Veränderung des Religiösen“ zu beschreiben. Diese gravierende Veränderung hat auf mehreren Ebenen und in verschiedenen Gesellschaftsbereichen stattgefunden. Die Einzelstudien weisen darauf hin, „wie stark diese religiösen Veränderungen mit den sich zeitgleich vollziehenden wirtschaftlichen, politischen oder kulturellen Wandlungsprozessen zusammenhingen.“ Exemplarisch stellen die Autoren das an dem Wandel der religiösen Sozialisation, der kirchlichen Dienstleistungssysteme und der medialen Strukturen dar, indem sie sich unter anderem mit der Veränderung des Pfarrerbildes, alternativen Religionen, christlichen „Dritte-Welt“-Gruppen und der „Eventisierung“ kirchlicher Formate beschäftigen.

Neuorientierung der Kirchen

Die Beiträge zeigen, dass es nicht mehr die eine Religionsgeschichte der Bundesrepublik gibt, die sich an den beiden Großkirchen orientiert, sondern dass die Geschichte vielfältige Formen annimmt. Die Entwicklung dazu setzte bereits vor einem halben Jahrhundert, um 1956-58, ein und die Neuorientierung ist auch heute noch nicht abgeschlossen. Sie verbindet sich mit Diskursen über die Zukunft von Religion, die sich in mehreren Spannungsfeldern vollziehen. So identifizieren die Autoren das Spannungsfeld zwischen Kirche und Gesellschaft, zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Religion oder zwischen der Selbstbeschreibung der Religion und ihrer Fremdbeschreibung z.B. durch die Medien. Alle bedeutenden Kirchen Europas befinden sich in einer solchen grundlegenden Neuorientierung.

Titelaufnahme

Soziale Strukturen und Semantiken des Religiösen im Wandel – Transformationen in der Bundesrepublik Deutschland 1949 – 1989, hrsg. von Wilhelm Damberg in Zusammenarbeit mit Frank Bösch, Lucian Hölscher, Traugott Jähnichen, Volkhard Krech und Klaus Tenfelde. Klartext Verlag Essen, 2011, 24,95 Euro. ISBN: 978-3-8375-0535-1

Redaktion

Tabea Steinhauer
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Prof. Dr. Wilhelm Damberg, Lehrstuhl Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit, Fakultät für Katholische Theologie der RUB, Tel. 0234/32-23109
wilhelm.damberg@rub.de

 

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