Mütter und Kinder gesucht

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Nummer 241 - Bochum, 01.08.2011

Mütter und Kinder gesucht

Wie sehr belastet sind Europäer mit Schadstoffen

RUB-Wissenschaftler an internationaler Pilotstudie DEMOCOPHES beteiligt

Um das Ausmaß der Schadstoffbelastung in der Bevölkerung zu prüfen, suchen Bochumer Wissenschaftler 120 Mütter mit ihren 6 bis 11jährigen Kindern. Die Untersuchungen der Bochumer Abteilung für Hygiene, Sozial- und Umweltmedizin (Leitung: Prof. Dr. Michael Wilhelm) sind Teil der großen internationalen Studie DEMOCOPHES, die im August in 17 europäischen Ländern startet. Untersucht werden etwa 4000 Mütter und Kindern aus verschiedenen Ländern der Europäischen Union (EU). Diese einheitliche Untersuchung der Schadstoffbelastung der Menschen hatte die EU in der Vergangenheit in ihrem Aktionsplan Umwelt und Gesundheit gefordert. Den deutschen Studienteil leitet das Umweltbundesamt (UBA). In seinem Auftrag werden bei zufällig ausgewählten Mutter-Kind-Paaren aus Bochum und dem Hochsauerlandkreis (Nordrhein-Westfalen) die Schadstoffe Quecksilber, Cadmium, Cotinin und Phthalate (Weichmacher) gemessen.

Urin- und Haarproben benötigt

Das UBA hat entschieden, dass der deutsche Teil der Studie in Nordrhein-Westfalen stattfinden soll. Aus diesem Grund wird die Abteilung für Hygiene, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Bochum Mütter von 6- bis 11-jährigen Kindern zur Teilnahme an der Studie einladen. Insgesamt 120 Mütter und Kinder werden für die Studie benötigt: Diese stellen jeweils eine Urin- und Haarprobe zur Verfügung und beantworten einen Fragebogen. Die Proben der Teilnehmer werden dann auf die Umweltschadstoffe Quecksilber, Cadmium, Cotinin und Phthalate untersucht. Die Ergebnisse der untersuchten Proben fließen nicht nur in die Studie ein: Wegen der gesundheitlichen Relevanz werden die Ergebnisse auch den teilnehmenden Familien direkt mitgeteilt.

Biomonitoring in 27 europäischen Ländern

Schadstoffe aus der Umwelt finden sich in unterschiedlichem Maße auch im Menschen wieder. Ihre Bestimmung in Körperflüssigkeiten und -gewebe – das Human-Biomonitoring (HBM) – hilft zu klären, ob und in welchem Ausmaß Stoffe aufgenommen werden und wie hoch die durchschnittliche Belastung ist. Umfangreiches und wiederholtes Human-Biomonitoring kann so hoch belastete Gruppen in der Bevölkerung identifizieren. Aus den Ergebnissen des Human-Biomonitoring können anschließend neue rechtliche Regelungen zur Vermeidung von Schadstoffbelastungen abgeleitet werden. Da Schadstoffe Ländergrenzen überschreiten und Human-Biomonitoring zur Kontrolle des Europäischen Chemikaliengesetzes REACH eingesetzt werden soll, entwickelte ein Konsortium von Fachleuten aus 27 europäischen Ländern im Auftrag der EU-Kommission ein gemeinsames Vorgehen. Diese Vorgaben und Richtlinien werden nun in einer Pilotstudie – DEMOCOPHES – erprobt und erstmals umgesetzt. 17 europäische Länder, darunter Deutschland, beteiligen sich gleichzeitig daran. Die untersuchten Schadstoffe wurden aufgrund ihrer schädlichen Wirkungen ausgewählt und weil es für sie gesundheitlich basierte Bewertungsmaßstäbe gibt. Quecksilber im Haar spiegelt den Konsum von quecksilberbelasteten Fisch wider. Cadmium nimmt der Mensch durch die Nahrung und das Rauchen auf. Der Cotiningehalt im Urin ist ein Maß für die Passivrauch¬belastung. Phthalate sind Weichmacher, die sich in einer Vielzahl von Plastik-Produkten, unter anderem in Kinderspielzeug, wiederfinden. Vor allem bisherige Untersuchungen aus Deutschland zeigen, dass besonders Kinder hoch mit Phthalaten belastet sind.

Redaktion

Dr. Josef König
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Prof. Dr. Michael Wilhelm, Abteilung für Hygiene, Sozial- und Umweltmedizin, Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0234/32-27365, Fax: 0234/32-14199, Email:
democophes@hygiene.rub.de

 

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