Juden und Christen können gemeinsam beten

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Nummer 222 - Bochum, 12.07.2011

Juden und Christen können gemeinsam beten

RUB startet neues Forschungsprojekt

Theologen wollen interreligiösen Dialog verbessern

Obwohl jede Religion ihre eigene Vorstellung von Gott hat, gibt es zwischen Juden- und Christentum genug Überschneidungen, die ein gemeinsames Gebet ermöglichen. Diese These steht im Mittelpunkt des Projekts „Jüdisches und christliches Beten“, das kürzlich an der Katholisch-Theologischen Fakultät der RUB startete. Zusammen mit dem Rabbiner Dr. Moshe Navon erforschen die Bochumer Theologen, wo sich im Neuen Testament Gemeinsamkeiten mit alten jüdischen Gebeten zeigen. „Dieses Projekt geht an den Nerv der Religion“, so Prof. Dr. Thomas Söding (Lehrstuhl für Neues Testament). „Wir möchten das jüdisch-christliche Gespräch weiterentwickeln – und zwar dort, wo das Herz von Juden und Christen am heißesten schlägt: im Gebet.“ Das Vorhaben wird vom Kreis der Unterstützerinnen und Unterstützer für Dr. Navon bezuschusst, der sich 2010 bildete, um die Abschiebung des Rabbiners nach Israel zu verhindern.

Besondere Expertise gefragt

Im Projekt identifizieren Dr. Söding, Dr. Navon und Dr. Esther Brünenberg-Bußwolder christliche Grundgebete als jüdische Traditionen. So wollen sie den Stellenwert dieser jüdischen Gebete für das Neue Testament ermitteln. Hierzu müssen die Gebete in ihre Entstehungszeit eingeordnet werden, was eine außerordentlich gute Kenntnis z. B. der syrischen und aramäischen Literatur erfordert. „Moshe Navon ist daher für das Forschungsprojekt von entscheidender Bedeutung“, erzählt Söding, „da er die religionswissenschaftlichen Quellen kennt wie kaum ein anderer. Und man muss ja auch mal sagen: Das ist doch nicht selbstverständlich, dass ein Jude an einem christlichen Thema arbeitet. Das hat was!“ Um das Projekt weiter auszubauen, haben die Bochumer Theologen bereits einen DFG-Antrag gestellt.

Jüdische Texte in der christlichen Religion

„Je pluralistischer eine Gesellschaft ist, desto stärker ist die Erwartung, dass verschiedene Religionen auch miteinander Gottesdienste feiern können“, erklärt Söding die Hintergründe zum Forschungsvorhaben. Zu der Zeit, als sich das Christentum herausbildete, gab es keine klare Abgrenzung zum Judentum. „Juden spielen für die Anfänge des Christentums eine herausragende Rolle“, so der Bochumer Theologe. „In der christlichen Liturgie kommen sehr oft jüdische Gebete vor. Sie sind für die Kirche sehr bedeutend. Dennoch ist diese Verbindung wenig im Blick.“ Das Forschungsprojekt soll diese Lücke schließen. Es konzentriert sich auf das Doppelwerk des Evangelisten Lukas und vertritt die These, dass er das urchristliche Gebet als jüdisches Beten bespricht, um die Spiritualität der Kirche dauerhaft im Gebet Israels zu verwurzeln.

Redaktion

Dr. Julia Weiler
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Prof. Dr. Thomas Söding, Katholisch-Theologische Fakultät der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel.: 0234/32-28403
thomas.soeding@rub.de

 

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