Fahren statt laufen

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Nummer 192 - Bochum, 21.06.2011

Fahren statt laufen

Warum Kinder nicht mehr allein zur Schule gehen

Deutsch-englische Studie zur selbstständigen Mobilität von Kindern

Wissenschaftliche Studien seit 1970 zeigen, dass sich Kinder immer weniger selbstständig fortbewegen. Dass dieser Trend auch während der letzten 20 Jahre angehalten hat, fanden Geographen der Ruhr-Universität Bochum jetzt in Kooperation mit dem Policy Studies Institute der University of Westminster in England heraus. Im Projekt „Selbstständige Mobilität von Kindern“ untersuchten Dr. Andreas Redecker und Björn Frauendienst (Geographisches Institut der RUB) das Verkehrsverhalten und die Mobilitätsmöglichkeiten von Kindern im Alter zwischen sieben und 15 Jahren an fünf Grund- und fünf Realschulen in Nordrhein-Westfalen. Die Forscher belegen, dass das Auto als Transportmittel stark an Bedeutung gewonnen hat und dass Kinder öfter von einem Erwachsenen zur Schule begleitet werden als früher. Zur weiteren Untersuchung des Themas bekamen die Bochumer bereits ein Folgeprojekt genehmigt.

Mit Bus, Bahn und Auto zur Schule

„Die Veränderungen haben sich vor allem an Grundschulen gezeigt und da wiederum vor allem an bestimmten Standorten“, fasst Frauendienst zusammen. In seiner Dissertation wird er sich z. B. damit beschäftigen, warum sich das Verkehrsverhalten von Kindern an zwei der untersuchten Schulen sehr unterschiedlich entwickelt hat. Generell kommen heute weniger Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule als noch vor zwanzig Jahren. Auto und öffentliche Verkehrsmittel sind hingegen wichtiger geworden. Diese Entwicklung führen die Forscher u. a. darauf zurück, dass die Grundschulbezirke in NRW aufgehoben und Grundschulen geschlossen wurden, so dass die Kinder weitere Wege als früher zur Schule zurücklegen müssen.

Erwachsene statt Kinder als Begleitung

Ein weiteres Hauptergebnis der vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat finanzierten Studie ist, dass Kinder heute öfter von Erwachsenen und nicht nur von anderen Kindern zur Schule begleitet werden. „Das hängt zum Teil mit der Angst der Eltern und Kinder vorm Straßenverkehr und mit der Angst vor fremden Personen zusammen“, erklärt Redecker. „Aber auch Schulweg und Wohnsituation haben sicher einen Einfluss.“ Laut der Untersuchung scheint die Tatsache, dass Eltern ihre Kinder vermehrt begleiten und öfter das Auto für den Schulweg nutzen, mit einer geringeren Anzahl an Unfällen auf dem Schulweg einherzugehen. Die stärkere Nutzung des Autos ist jedoch auch eine Gefahr für die verbleibenden Fußgänger.

Veränderungen sind nicht nur positiv

„Hätte die Begleitung von Kindern auf dem Schulweg nur den Effekt, dass sie weniger Gefahren ausgesetzt sind, wären die Beobachtungen als durchaus positiv zu bewerten“, betont Björn Frauendienst, der sich auch privat in seiner Heimatstadt Witten bei der Verkehrswacht engagiert. „Die reduzierte Selbstständigkeit der Kinder steht allerdings auch im Zusammenhang mit einer schlechteren physischen Konstitution, mangelnder Raumkenntnis und dem Fehlen von realen Übungsmöglichkeiten, wie sich Kinder sicher im Verkehr verhalten sollen. Gerade diesen Konflikt weiter herauszustellen ist Ziel unserer Arbeit.“ Um die Diskussion auch mit internationalen Wissenschaftlern weiterzuführen, stellen die RUB-Forscher die Projektergebnisse in diesem Sommer auf Tagungen in Canterbury, London und Glasgow vor.

Weitere Informationen

Geographisches Institut der Ruhr-Universität, Björn Frauendienst, Tel. 0234/32-23357, Dr. Andreas Redecker, Tel. 0234/32-23358
bjoern.frauendienst@rub.de

andreas.p.redecker@rub.de

 

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