Die Braut des Königs

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Nummer 156 - Bochum, 17.05.2011

Die Braut des Königs

Brautwerbungserzählungen mal anders betrachtet

GdF-Preis für fachübergreifende RUB-Dissertation verliehen

Als bloße „Spielmannsepen“ und „literarisch anspruchslos“ abgestempelt, sind mittelhochdeutsche Brautwerbungserzählungen im Abseits der Forschung gelandet. Die Bochumer Germanistin Dr. Rabea Kohnen holt sie da raus, ergänzt die erzähltheoretische um eine kulturwissenschaftliche Perspektive und macht in ihrer Dissertation eine erstaunliche Entdeckung: Die Texte trauten sich was und waren in ihrer Zeit etwas Besonderes. Die Erzähler reizten die Grenzen der mittelalterlichen Brautwerbung aus und bezogen deutliche, teils stark gegensätzliche Positionen zu den damaligen religiösen Konflikten. Für ihre herausragende, fachübergreifende Arbeit hat die RUB-Germanistin am 16. Mai den mit 4.000 Euro dotierten Preis der Gesellschaft der Freunde der Ruhr-Universität (GdF) erhalten.

Von Integration bis zur Vernichtung

Die besondere Leistung der Germanistin Kohnen ist die Anwendung moderner methodischer Herangehensweisen an die Texte aus der Zeit der Kreuzzüge. Eingehend erforscht sie die Brautwerbungserzählungen König Rother, Kudrun, Ortnit, Orendel, Salman und Morolf sowie Dukus Horant. Diese teilen ein gemeinsames Erzählmuster – mutiger Werber, schöne Braut, ihr böser Vater, gefahrvolle Prüfungen und zumeist ein glückliches Ende. Dadurch bilden die Texte einen eigenen Erzähltypus. Vor allem der historisch-kulturwissenschaftliche Vergleich erweitert die Möglichkeiten der Erzähltheorie um interessante Aspekte: Indem die Forscherin die Erzählungen mit Chroniken, geschichtlichen Aufzeichnungen, Legenden, anderen literarischen Texten und päpstlichen Dekreten verknüpft, findet sie starke Bezüge zu interreligiösen Konflikten – und dabei ebenso visionäre wie radikale Positionen. Von der Integration Andersgläubiger bis hin zu ihrer vollständigen Vernichtung reicht das Spektrum des möglichen Mit- und Gegeneinanders in den mehr als fünfhundert Jahre alten Texten. So werden zum Beispiel in der Erzählung „Salman und Morolf“ die Sarazenen positiver dargestellt als die Christen, was für die Zeit außergewöhnlich war.

Blick über den Tellerrand

Entscheidendes Kriterium beim GdF-Preis, der in diesem Jahr zum zweiten Mal verliehen wurde, ist der Aspekt der Interdisziplinarität. Er garantiert den Blick über den fachlichen Tellerrand. Aus den eingereichten Arbeiten präsentierten drei ausgewählte Doktorandinnen und Doktoranden der Ruhr-University Research School in der Finalrunde ihre Forschungsergebnisse einer interdisziplinär besetzten Jury. Die Arbeit von Rabea Kohnen „Die Braut des Königs. Überlegungen zu den mittelhochdeutschen Brautwerbungserzählungen“ wurde betreut von dem Germanisten Prof. Dr. Bernd Bastert und dem Historiker Prof. Dr. Nikolas Jaspert. Nominiert für den Preis waren zudem die Arbeiten von Evgenia Grishina (Ein Land im Licht. Studien zur Palästina-Reiseliteratur 1918-1934) und von Andrian Petrov Milanov (MOCVD und ALD von multifunktionalen seltenerdmetall-haltigen Materialien: Von der Precursor-Chemie zur Dünnschicht-Abscheidung und möglichen Anwendungen).

Redaktion

Jens Wylkop
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Dr. Rabea Kohnen, Germanistisches Institut, Fakultät für Philologie der RUB, Tel. 0234/32-25835
rabea.kohnen@rub.de

Dr. Peter Hoffmann, Ruhr-University Research School, Tel. 0234/32-28179
Peter.M.Hoffmann@rub.de

 

Angeklickt

 

GdF-Preis verliehen

(v. l.): Prof. Nils Metzler-Nolte (Dean der Research School), Preisträgerin Rabea Kohnen, Prof. Hans-Joachim Trampisch (GdF)

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GdF-Preis 2011

Die ausgewählten Doktorandinnen Rabea Kohnen (2. v. l.) und Evgenia Grishina (2. v. r.) sowie Doktorand Andrian Petrov Milanov (Mitte) bei der Preisverleihung

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