Warum die Deutschen so industriefeindlich sind

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Nummer 110 - Bochum, 08.04.2011

Warum die Deutschen so industriefeindlich sind

Industrielle Großprojekte: mehr Akzeptanz statt Ablehnung

Evonik fördert neues Mikrokolleg an der RUB: Stipendien ausgeschrieben

Phänomen Deutschland: Wir sind „Exportweltmeister“ und Weltmarktführer bei Industriegütern und im Maschinenbau, doch die Deutschen schauen eher mit kritischem Blick auf den eigenen Industriestandort. Warum das so ist, ergründen ab dem kommenden Sommer vier Nachwissenschaftler der RUB in einem neuen fachübergreifenden Mikrokolleg. „Reconsidering Industry“, so der Titel des Kollegs, wird von Evonik Industries für drei Jahre mit insgesamt 300.000 Euro gefördert. Dr. Klaus Engel, Absolvent der RUB, Vorstandsvorsitzender von Evonik und Vorsitzender der Evonik Stiftung, fördert das Projekt als Mentor. Das Mikrokolleg wird in die campusweite Ruhr University Research School für Doktoranden aller Fakultäten integriert.

Ausschreibung im Internet

Die Ausschreibung der Stipendien steht im Internet unter

http://www.research-school.rub.de/application

Dialog statt Bürokratie

Im neuen Kolleg entstehen wissenschaftliche Arbeiten aus Sozial-, Wirtschafts-, Medienwissenschaft und Maschinenbau, die aus unterschiedlichen Perspektiven die kritische Haltung gegenüber industriellen Großprojekten am Standort Deutschland untersuchen. Ziel ist, die Ursachen für Akzeptanz, vor allem aber für Ablehnung zu ergründen. Die so gewonnenen Erkenntnisse sollen die wissenschaftliche Grundlage bilden für eine neuen Dialog zwischen Industrie, Politik und Bevölkerung. Dr. Klaus Engel sieht die Verantwortung dabei durchaus auch auf Seiten der Unternehmen: Die Industrie setze zu stark auf die bürokratisierten Verfahren, sie müsse sich auch auf Argumente einlassen, die auf Gefühle der Betroffenen bauen. „Unsere Wettbewerbsfähigkeit hängt davon ab, ob wir diesen Dialog ernsthaft und verständnisvoll führen“, sagte Engel auf seiner „Bochumer Rede“ im vergangenen Herbst im Audimax der RUB.

Breit gefächerte Themen

Koordiniert wird das Mikrokolleg von der Ruhr-University Research School unter Leitung von Prof. Dr. Nils Metzler-Nolte. Die beteiligten Wissenschaftler sind Prof. Dr. Rolf Heinze (Sozialwissenschaft), Prof. Dr. Stephan Paul (Wirtschaftswissenschaft), Prof. Dr. Erich Hörl (Medienwissenschaft) und Prof. Dr. Marco Koch (Maschinenbau). Ihre Doktorandinnen und Doktoranden treten bei ihren Arbeiten auch aus der Universität heraus direkt mit der Wirtschaft in Kontakt. Sie erforschen unter anderem die Möglichkeiten einer Neubestimmung des „Sinns“ von Industrie, die Ursachen und Ausprägung der Industriefeindlichkeit in Deutschland, die Beziehung von Banken und Realwirtschaft und erarbeiten Handlungsempfehlungen, um die Akzeptanz von großtechnischen Anlagen zu erhöhen. Am Beispiel der Strom- und Wärmeerzeugung entsteht im ingenieurwissenschaftlichen Projekt auch ein Ländervergleich zwischen Deutschland und Frankreich.

Dialog über Fächergrenzen hinweg

„Die RUB Research School begleitet dieses Mikrokolleg und unterstützt die Doktoranden in allen außer- und überfachlichen Belangen, wobei besonders unsere große Erfahrung im fächerübergreifenden Dialog maßgeblich einfließen wird“, sagt Dean Prof. Metzler-Nolte. „Die Einwerbung dieses innovativen Projekts mit einer wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen einem führenden Wirtschaftsunternehmen und der Ruhr Universität Bochum jenseits der herkömmlichen F&E Projekte zeigt, dass die Research School sich zu einer etablierten Struktur für die Forschungsförderung an der RUB entwickelt hat.“

Redaktion

Jens Wylkop
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Dr. Christiane Wüllner, Ruhr University Research School, Tel. 0234-32-24840
http://www.research-school.rub.de Christiane.wuellner@rub.de