Literarisches Lernen funktioniert auch in Facebook

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Nummer 87 - Bochum, 24.03.2011

Literarisches Lernen funktioniert auch in Facebook

Nachwuchsforscher stellen moderne didaktische Konzepte vor

Tagungsband versammelt aktuelle Forschungsprojekte und -ergebnisse

Literarisches Lernen – das Lernen von, in und mit Literatur – ist im Gegensatz zur Lesekompetenz noch nicht umfassend erforscht. Ihre aktuellen Forschungsprojekte und -ergebnisse dazu stellen Nachwuchswissenschaftler jetzt in einem Sammelband vor, der auf einer Tagung an der Ruhr-Universität im Jahr 2010 basiert. Die jungen Forscher plädieren für eine Neuorientierung der Deutschdidaktik, die sämtliche Lebensbereiche der Schülerinnen und Schüler einbezieht und insbesondere die Möglichkeiten neuer Medien wie Computerspiele, Soziale Netzwerke und Wikipedia nutzt.

Didaktische Konzepte sind älter als das WWW

Die Forscher setzen auf eine identitätsorientierte Didaktik, die alle Lebensbereiche des Individuums Schüler in den Unterrichtskontext einbezieht und die gewandelte mediale und soziale Umwelt berücksichtigt. „Das WWW gibt es erst seit 1993, die meisten didaktischen Konzepte sind deutlich älter“, gibt Mitherausgeber Jan Boelmann (Germanistisches Institut der RUB) ein Beispiel für diese Veränderungen. Hinzu kommen unterschiedliche persönliche Hintergründe, die den Umgang mit Literatur und Lesen beeinflussen: So gibt es eine höhere Anzahl an Scheidungskindern, an Kindern, die zu Hause keine lesenden Vorbilder haben und mehr Schüler mit unterschiedlichen Migrationshintergründen.

Outdoordidaktik und Lesestrategien

Moderne Konzepte der Leseförderungen sehen unter anderem eine Outdoordidaktik vor, bei der Schüler Literatur in ihrem Entstehungskontext erleben und sich so Zugänge und Deutungsdimensionen eröffnen. Auch das Lernen mit Alltagsmedien gehört dazu. So lernen Schüler klassische Formate wie Inhaltsangabe oder Personencharakterisierung anhand von Medien wie Computerspielen. Zusätzlich müssen aber auch Lesestrategien vermittelt werden.

Projekte auf unterschiedlichem Stand

In elf Beiträgen stellen die Nachwuchswissenschaftler ihre Projekte in ganz unterschiedlichen Phasen des Forschungsprozesses vor. Der Stand der konzeptionellen Überlegungen ist ebenso vertreten wie der Bericht über erste Ergebnisse oder die fast abgeschlossene Dissertation. Das Buch ist in drei Bereiche gegliedert, die sich „Neuen Problemfeldern und Perspektiven in der Deutschdidaktik“, „Textverstehen und Leseförderung“ und „Literaturwissenschaftlichen Ansätzen“ widmen. „Es ist wohl die umfassendste Zusammenstellung aktueller Forschungsergebnisse und –vorhaben des deutschdidaktischen Nachwuchses im Bereich des literarischen Lernens“, so Jan Boelmann.

Doktorandenkolloquium vernetzt den wissenschaftlichen Nachwuchs

Die zugrundeliegende Tagung am 8. Mai 2010 wurde veranstaltet von Prof. Dr. Gerhard Rupp und dem von ihm betreuten Doktorandenkolloquium Deutschdidaktik an der RUB. Das Kolloquium will den wissenschaftlichen Nachwuchs nachhaltig vernetzen und den Dialog der verschiedenen deutschdidaktischen Disziplinen stärken.

Titelaufnahme

Gerhard Rupp, Jan Boelmann, Daniela Frickel (Hg.): Aspekte literarischen Lernens. Junge Forschung in der Deutschdidaktik. Reihe: Leseforschung, Bd. 2, Berlin: LIT VERLAG Dr. W. Hopf 2010, 208 S., 19.90 EUR

Redaktion

Meike Drießen
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Jan Boelmann, Germanistisches Institut der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-22569
http://www.rub.de/fddk jan.boelmann@rub.de