Wenn Theorie auf Praxis trifft

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Nummer 127 - Bochum, 30.04.2010

Wenn Theorie auf Praxis trifft

Neue Kooperation zwischen Ruhr-Universität und Stadt Bochum

Geowissenschaftler nutzen Stadt als „Großlabor“ und bringen Ideen ein

Erstmals in der Geschichte der Ruhr-Universität wird eine Kooperationsvereinbarung zwi-schen einem Institut und zwei Dezernaten der Stadt Bochum zu einer inhaltlichen Zusammen-arbeit geschlossen. Ziel der völlig neuartigen Kooperation ist es, die Aktivitäten des Bau- und Umweltdezernates und des Wirtschaftsdezernates sowie den zahlreichen Forschungs- und Lehraufgaben des Geographischen Instituts aufzuspüren, sie in einen gemeinsamen Blickwin-kel zu stellen und daraus zu einem beidseitigen Nutzen zu führen. Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz und Prof. Dr. Elmar Weiler, Rektor der Ruhr-Universität, unterschrieben daher am Freitag (30. April 2010) im Rathaus Bochum die Vereinbarung. Stadtdirektor Paul Aschenbrenner, Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch, Prof. Dr. Uta Hohn, Dekanin der Fakultät für Geowissenschaften sowie Prof. Dr. Carsten Jürgens, Geschäftsführender Direktor des Geographischen Instituts unterschrieben ebenfalls die Kooperationsvereinbarung.

Gegenseitige Information

Die Dezernate für Bauen und Umwelt und die zehn Professoren des Geographischen Instituts informieren sich regelmäßig über aktuelle und anstehende Aktivitäten der jeweiligen Arbeits-bereiche. Sie tun dies, um Synergieeffekte zu erzielen. Studierende gelangen so näher an die Alltagsrealität einer großstädtischen Verwaltung. Die Stadtverwaltung profitiert von den neuen, häufig unkonventionellen und innovativen Perspektiven, mit denen Studierende und Dozenten den Aufgaben der Verwaltung entgegentreten. “Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Universität wächst”, sagte Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz. “Wir wollen uns gegenseitig informieren und voneinander lernen.” Prof. Dr. Elmar Weiler sagte: “Die Kooperationsvereinbarung ist ein gutes Beispiel dafür, wie Kompetenzen der Stadt und der Universität miteinander verbunden werden können.”

Umnutzung von Kirchen, Qualität der Bäche

In der Vergangenheit hat es mehrfach Kooperationen zwischen einzelnen Mitgliedern des Institutes und der Stadt gegeben. Forschungs- oder Abschlussarbeiten betrafen etwa die Einzelhandelssituation in Stadtteilzentren oder die Überwachung der Gewässergüte der Bochumer Bäche. Kürzlich ist ein Seminar angelaufen, in dem die Studenten Konzepte für die Umnutzung leer stehender Kirchengebäude entwickeln, die nicht mehr unterhalten werden können. Die Studierenden gehen auf die Bewohner zu, befragen sie und reden mit ihnen über ihre Bedürfnisse und Vorstellungen. Dies kann in die Planungen einfließen.

Innenstadt wieder beleben

Ein anderes Beispiel ist das jetzt beginnende studentische Projekt ‚Neue Lust auf Stadt’. Es möchte dazu beitragen, die traditionellen Wohn- und anderen Funktionen insbesondere der Innenstädte wiederzubeleben, der Verödung entgegen zu wirken. Hintergrund für die schwierige Situation der Innenstädte sind die Überalterung der Gesellschaft, neue Familien- und Haushaltsstrukturen, die Abwanderung aktiver Bevölkerungsschichten aus den Kernstädten sowie die internationalen Wanderungen. Wie sollen Stadtumbauprojekte gestaltet werden, damit die Innenstädte als Orte zum Sich-Wohlfühlen und Arbeiten wieder attraktiver werden? Dazu werden die Studierenden eigene Vorschläge erarbeiten und mit Vertretern der Stadt Bochum diskutieren.

Master-Studiengang Geographie

Besonderes Potenzial für die vertiefte Beschäftigung mit der Situation in der Stadt besitzen die Abschlussarbeiten des Master-Studiengangs Geographie. Diese Einzelarbeiten dauern eines halben Jahr. Es gibt sie in drei Vertiefungsrichtungen: Die erste bildet Geographen als Experten für die Stadt- und Regionalentwicklung aus, die zweite zielt auf die Stadtökologie und die dritte befähigt die Absolventen, digitale Karten- und Informationssysteme sowie dreidimensionale Stadt- und Landschaftsmodelle herzustellen. In der Zusammenarbeit mit städtischen Dienststellen sollen sie möglichst konkrete Handlungsempfehlungen oder Prob-lemlösungsvorschläge enthalten.

Lebenswerte Stadtlandschaften

In einem Institutsschwerpunkt konzentrieren sich die Dozenten auf den zukunftsfähigen Umbau von Städten, hin zu lebenswerten Stadtlandschaften. Der Kooperationsvertrag wird dazu führen, dass zukünftig Bochum verstärkt zu einem Großlabor wird, um die Theorie an der Praxis zu testen und die Praxis mit neuen Ideen zu befruchten. Denn: Immer wieder neue Generationen von Studierenden werden durch die Kooperation an ‚ihre’ Stadt herangeführt. Sie lernen die Zwänge und Herausforderungen einer Verwaltung kennen und bringen ihrer-seits die Bedürfnisse der Bevölkerung näher in die Amtsstuben. Hier könnte gerade die Frische und Unbekümmertheit der jungen Leute helfen, überkommene Strukturen aufzubre-chen und Lösungen zu finden. „Warum eigentlich nicht?“ könnte zu einem Motto für unkon-ventionelle, mutige Lösungen werden.

Viele Handlungsfelder

Ergaben sich früher Kooperationen eher zufällig und aufgrund individueller Kontakte zwischen der Verwaltung und dem Institut, so wird mit dem Kooperationsvertrag der völlig neuartige Versuch gestartet, die Konsultationen zu verstetigen und zielgerichteter zum beiderseitigen Nutzen zu gestalten. Potenzielle Themen für die Arbeit des Konsultationskrei-ses sind Masterpläne, Strategische Stadtentwicklung, Wirtschaftsentwicklung, neue Planungs-verfahren, Bürgerbeteiligung, Strategische Umweltplanung, Boden- und Grundwasserschutz, Gewässerentwicklung, Stadtklima, Naturschutz und Biodiversität, Freiraum- und Wohnbau-land- und Quartiersentwicklung, Geoinformationen, Kommunikation und Vermittlung. Bereits jetzt wirken Professoren des Instituts beratend bei der Bewerbung der Stadt Bochum im Wettbewerb LowCarbon Innovation City Ruhr mit.

Gemeinsame Tagungen

Auf gemeinsamen Tagungen, zu denen auch auswärtige Experten geladen werden, könnten folgende Themen behandelt werden: Neue Urbanität in der Kulturlandschaft Ruhr, Profilie-rung von Städten in einer polyzentrischen Region, Neue Freiräume in schrumpfenden Regio-nen, Kreativwirtschaft in Bochum und in der Metropole Ruhr, Universität und Stadt, Anpas-sung an den Klimawandel, Globalisierung.

Redaktion

Presseamt der Stadt Bochum
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Prof. Dr. Harald Zepp, Fakultät für Geowissenschaften der RUB, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-23313
Harald.Zepp@rub.de

 

Unterzeichnung RUB-Stadt Bochum

Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz und RUB-Rektor Prof. Dr. Elmar Weiler bei der Unterzeichnung, im Hintergrund Vertreter der Stadt und der Fakultät für Geowissenschaften.
©Foto: Stadt Bochum

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