Bologna-Reform: In weiten Teilen für gut befunden

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Nummer 41 - Bochum, 10.02.2010

Bologna-Reform: In weiten Teilen für gut befunden

Umfrage unter Studierenden und Lehrenden der RUB-Sozialwissenschaft

Lieber viele kleinere als wenige größere Prüfungen

Die wichtigsten Bestandteile der Bologna-Reform – gestuftes Studium und Modularisierung – halten über zwei Drittel der Studierenden und Lehrenden in der RUB-Sozialwissenschaft für gut. Das ergab eine Umfrage unter rund 400 Studierende und 47 Lehrenden in der Fakultät, die Anfang 2009 von Studierenden unter Leitung von Jana Darnstädt, Studiendekan Achim Henkel und Prof. Dr. Hans Georg Tegethoff durchgeführt wurde. Auch die Orientierung des Lerngeschehens an zu vermittelnden Kompetenzen kam gut an. Allerdings wurde auch Verbesserungsbedarf aufgedeckt: Vor allem die Abstimmung der Inhalte verschiedener Modulteile aufeinander könnte besser sein. Bei der Einschätzung der Arbeitslast liegen die Angaben von Studierenden und Lehrenden teils weit auseinander.

Rund 400 Studierende und 47 Lehrende antworten

Da die Studierenden teils mehrere Module bewerten konnten, lagen von ihnen 840 auswertbare, siebenseitige Fragebögen vor. Zusätzlich interviewten die Sozialwissenschaftler neun Personen ausführlich, darunter Studierende, Lehrende und Vertreter der Hochschulleitung.

Zentrale Bologna-Elemente kommen gut an

Während der Bologna-Prozess als ganzer nur von knapp der Hälfte der Lehrenden und Studierenden positiv gesehen wird, halten über zwei Drittel der Befragten (70%) die zentralen Elemente dieses Prozesses, nämlich die Stufung des Studiums in Bachelor und Master und die Einteilung des Curriculums in Module, für sinnvoll. Besonders das Konzept der Zusammenfassung von Lehrveranstaltungen zu Modulen scheint sich zu etablieren. Zwei Drittel aller Lehrenden richten ihre Veranstaltungen an andern Modulteilen aus, gut 60% der Studierenden erkennen inhaltliche Zusammenhänge zwischen den Modulteilen. „Obwohl das im Umkehrschluss bedeutet, dass immer noch ein Drittel der Lehrenden ihre Veranstaltungen nicht an anderen Modulteilen ausrichtet und knapp 40% der Studierenden keinen inhaltlichen Zusammenhang erkennen, fällt die Bewertung der Verknüpfung von Veranstaltungen bei den gegenwärtig Studierenden deutlich positiver aus als noch bei den Absolventen der Jahrgänge 2004 bis 2008“, erklärt Achim Henkel, Studiendekan der Fakultät für Sozialwissenschaft.

Kompetenzen sind das Ziel

Auch ein weiteres Element der Reform schneidet positiv ab: die Orientierung des Lehrgeschehens an zu vermittelnden Kompetenzen. Kompetenzen und Lernziele werden nach Auffassung der Studierenden von den Lehrenden erläutert, nur wenige Lehrende fühlen sich durch die formulierten Lernziele eingeschränkt. Drei Viertel (74%) der Studierenden stimmen der Aussage zu, dass die Gestaltung der einzelnen Lehrveranstaltungen sich an den genannten Kompetenzen/Lernzielen orientierte. 60% der Studierenden äußern die Ansicht, dass die gelernten Kompetenzen ihnen zum Zeitpunkt der Befragung bereits weiter helfen und sogar 71% schätzen, dass sie sie in Zukunft benötigen werden.

Arbeitslast und Nebenjob

Bei der Bewertung des Kreditpunktesystems zur Bemessung der Arbeitslast gibt es Unterschiede zwischen Studierenden und Lehrenden. Die von der Bologna-Reform vorgegebene Arbeitslast von 900 Stunden pro Semester (= 39 Wochenstunden) wird von den Studierenden mehrheitlich als hoch beurteilt, von den Lehrenden ist nur eine Minderheit dieser Meinung. Allerdings machen die Studierenden Unterschiede zwischen den Modulen. Die Arbeitslast von Basismodulen am Beginn des Studiums, in denen es um Vermittlung von Grundlagenwissen geht, wird deutlich kritischer eingeschätzt als die von Modulen in fortgeschrittenen Studienphasen. Interessant in diesem Zusammenhang: 80% der Befragten gehen einer Nebentätigkeit nach, 52% mit mehr als zehn Stunden pro Woche – eine Tatsache, von der ausgehend die Fakultät seit längerem die Rahmenbedingungen für ein Teilzeitstudium fordert (Verlängerung der Regelstudienzeit, Reduzierung der der Studienbeiträge). „Besonders bemerkenswert ist, dass die modulbezogene Bewertung der Arbeitslast nicht vom Umfang der Nebenerwerbstätigkeit abhängt“, so Achim Henkel. „Anscheinend gibt es auch für erwerbstätige Studierende Spielräume. Ein Hinweis, dass die Bewertung der Arbeitslast durchaus nicht nur eine subjektive ist, ergibt sich im Übrigen daraus, dass sie auch nicht vom Interesse am Stoff beeinflusst wird.“

Lieber mehr kleinere Prüfungen

Bei den Prüfungen votieren zwei Drittel der Studierenden dafür, Einzelleistungsnachweise je Veranstaltung statt einer Prüfung pro Modul vorzusehen, auch bei den Lehrenden zeigt sich in dieser Richtung eine eindeutige Präferenz. Damit sprechen sich die Studierenden für mehr (kleinere) Prüfungen aus und widersprechen der Kultusministerkonferenz, die vor Kurzem eine Reduktion auf eine Prüfung pro Modul empfohlen hatte. Die Mehrheit (74% bzw. 76%) der Studierenden findet, dass der Prüfungsumfang zum Umfang des Moduls passt und dass die Zusammensetzung der Modulnote angemessen sei. Die Zusammensetzung der Modulnote hielten die Lehrenden (94%) ebenfalls für angemessen.

Redaktion

Meike Drießen
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans Georg Tegethoff, Vorsitzender der Fakultätskommission für Lehre, Tel 0234/32-25164 Jan Schedler, Fakultätsbeauftragter für die Qualität der Lehre, Tel. 0234/32-27133
Hans.G.Tegethoff@rub.de jan.Schedler@rub.de

 

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