Olympia im „Blick“

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Nummer 40 - Bochum, 09.04.2010

Olympia im „Blick“

Skialpin: Augenchecks bei RUB-Sportmedizinern

Jeder fünfte Leistungssportler ist fehlsichtig

Ob Slalom, Riesenslalom, Super-G oder Abfahrt: Wenn sich ab Freitag die Weltbesten bei Olympia messen, werden schon kleine Fehler „bestraft“ und mit der guten Platzierung ist es vorbei. Mit „Blick“ auf die hohen Anforderungen an die visuelle Wahrnehmungsleistung beim Skifahren gingen die deutschen Skialpin-Profis des Olympiakaders deshalb mit gutem Beispiel voran: Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver absolvierte die Herren-Nationalmannschaft umfangreiche Augenchecks. Dr. Gernot Jendrusch vom Lehrstuhl für Sportmedizin und Sporternährung der Ruhr-Universität Bochum (Leiterin: Prof. Dr. Petra Platen) und Prof. Dr. Bernd Lingelbach vom Institut für Augenoptik Aalen schauten den Sportlern in ihrem mobilen „Sehtestlabor“ ganz „tief in die Augen“. Erhebungen der Bochumer Sportmediziner in verschiedenen Sportarten zeigen, dass im Schnitt jeder fünfte Leistungssportler fehlsichtig ist – Männer und Frauen gleichermaßen.

Anteil im Freizeitsport noch höher

Etwa 20 Prozent aller von der RUB-Arbeitsgruppe untersuchten Profis in verschiedenen Sportarten betreiben ihren Sport fehlsichtig – ohne eigentlich erforderliche Sehhilfe oder aber mit unzureichender (schlechter) Korrektion. Das ist das Ergebnis der visuellen Leistungsdiagnostiken u. a. mit Fußballern, Hockey-, Tischtennis- und Baseballspielern sowie Skifahrern. „In noch stärkerem Maße gilt das auch für den Freizeitsport“, sagt Dr. Gernot Jendrusch. „Hier müssen rund 30 Prozent der Freizeitsportler als fehlsichtig eingestuft und eigentlich mit einer angemessenen Sehhilfe ausgestattet werden.“

Umfangreicher Check bei den Profis

Beim Thema „Gutes Sehen“ überließ der Deutsche Skiverband (DSV) nichts dem Zufall. So standen auch vor Olympia – gefördert von der Arbeitsgemeinschaft Sicherheit im Sport (ASiS) – für die Athleten gründliche Augenchecks auf dem Programm. Für jeden Skifahrer erstellten die Wissenschaftler ein visuelles Leistungsprofil. Sie prüften, ob eine Fehlsichtigkeit vorliegt (Kurz- oder Weitsichtigkeit) und untersuchten u. a. die Sehschärfe (Visus), das Kontrastsehen, das Stereosehen und Tiefensehvermögen, die Bewegungswahrnehmung, die blickmotorische Leistungsfähigkeit, das Gesichtsfeld, die Augendominanz sowie das Farbsehvermögen.

Fehlsichtigkeit rechtzeitig korrigiert

Mit dem Keratograph diagnostizierten die Forscher die Hornhaut der Profis (inkl. Hornhauttopographie), um z. B. Hornhautverkrümmungen nachzuweisen, die die Sehleistung mindern können. Individuelle Defizite einzelner Skifahrer im visuellen Bereich wurden – wenn notwendig – noch rechtzeitig vor den Olympischen Spielen optimal korrigiert – meist mit speziellen Kontaktlinsen. Über ein jahrelang aufgebautes Netzwerk von sportophthalmologisch ausgewiesenen Fachärzten und Kontaktlinsenspezialisten können die Bochumer Sportmediziner den Athleten zudem Experten in Heimatnähe zur weiteren optimalen Betreuung empfehlen.

Der „kleine“ Unterschied

Mittlerweile haben auch Nationalmannschaften wie die deutschen Hockey-Teams, die Tischtennisnationalmannschaften, das deutsche Baseballteam, aber auch die Fußballprofis z. B. des VfL Bochum 1848 oder der TSG 1899 Hoffenheim die Bedeutung guten Sehens für ihre Sportarten erkannt. Sie wissen, dass optimale Seh- und Wahrnehmungsleistung den – oft nur kleinen – Unterschied zwischen Gewinnen und Verlieren ausmachen kann. Deshalb nutzen sie die Kompetenz und Erfahrung von „Augen-Profis“ um sicherzustellen, dass die sportliche Leistung nicht durch Fehlsichtigkeiten beeinträchtigt wird.

Redaktion

Jens Wylkop
Pressestelle RUB

Weitere Informationen

Dr. Gernot Jendrusch, Lehrstuhl für Sportmedizin und Sporternährung, Overbergstr. 19, 44801 Bochum, Tel. 0234/32-23190
Gernot.Jendrusch@rub.de

 

Angeklickt

 

Hornhautvermessung

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Refraktion

Fritz Dopfer (SC Garmisch) bei der subjektiven Refraktion

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Keratographie

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