RUB bekommt eigene Universitätssternwarte
Fünf Teleskope in der chilenischen Atacamawüste
Observatorium bietet ideale Bedingungen für die Forschung
Richtungweisend für die Forschung
„Üblicherweise sind Universitätssternwarten historisch gewachsene Einrichtungen, bei denen es oftmals so war, dass eine Sternwarte schon existierte, die dann einer altehrwürdigen Universität angegliedert wurde“, erklärt Prof. Chini. „Bei uns ist es eher umgekehrt: Das Astronomische Institut der Ruhr-Universität hat vor etwas mehr als zehn Jahren mit dem Aufbau seines eigenen Observatoriums begonnen. Die Umbenennung in Universitätssternwarte ist daher nur konsequent und richtungweisend für die Kontinuität der astronomischen Forschung in Bochum.“ Die Finanzierung der Sternwarte ist zunächst bis Ende 2015 gesichert – dank der Unterstützung durch die Akademie der Wissenschaften und der Künste von NRW in einem Langzeitprogramm zur Erforschung variabler Phänomene.
Öko-Observatorium in der Wüste
Mit seinem charakteristischen, pyramidenförmigen Dom „thront“ die Bochumer Universitätssternwarte im Norden Chiles in der Nähe der Stadt Antofagasta. Eine eigens dafür gebaute Straße durch die Wüste und ein besonders leistungsstarkes Glasfaserkabel für die schnelle Übertragung riesiger Datenmengen sind die einzige benötigte Infrastruktur. In Sachen Energieversorgung ist die Station „autark“: Die RUB hat das weltweit einzige ausschließlich mit regenerativen Energien betriebene Observatorium. Für seinen Betrieb sorgen u. a. Photovoltaik-Module, Solar-Batterien und Windräder. „Selbst die Abwärme des Rechnerraums bleibt nicht ungenutzt“, sagt Rolf Chini.
Lange RUB-Tradition in Chile
Geht es um ein „eigenes“ Teleskop in Chile, so kann die RUB bereits auf eine lange Tradition zurückschauen: Schon in den 1960er-Jahren kurz nach der Gründung der RUB errichtete Prof. Theodor Schmidt-Kaler auf der noch taufrischen Europäischen Südsternwarte (ESO) in La Silla ein 60-Zentimeter-Teleskop. „In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich dann die Atacamawüste im Norden Chiles als weltweit bester Standort für astronomische Beobachtungen erwiesen“, so Chini. Mit speziellen Teleskopen von 15 Zentimetern bis zu anderthalb Metern Durchmesser erforschen Bochumer Wissenschaftler von hier aus das All auf der Suche nach gerade entstehenden Sternen, „schwersten Sternen“ und deren Eigenschaft gerne als Zwillinge oder Drillinge aufzutreten, Pulsaren (Überresten explodierter Sterne) und Schwarzen Löchern. Meistens via Internet. Chini: „Astronomen und Studierende müssen nicht einmal mehr die lange Reise in die Atacamawüste auf sich nehmen, sondern können von Bochum aus steuern, welche Objekte beobachtet werden.“


