Wie Schmelzwasser das Klima durcheinanderbringt

Wie Schmelzwasser das Klima durcheinanderbringt

19.07.2016
© Alfred-Wegener-Institut/René Bürgi
Abbruchkante des sich zurückziehenden Blomstrandbreen-Gletschers auf Spitzbergen.

Wie heute das Grönlandeis, so schmolz am Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren ein großer Eispanzer in Nordamerika. Sein Schmelzwasser hat das Klima in Nordwest-Europa und Nordwestafrika tiefgreifend beeinflusst.

Wie wird das Abschmelzen des Grönlandeises unser Klima beeinflussen? Um eine Vorstellung davon zu erlangen, blicken Forscher weit zurück in die Vergangenheit. Im frühen Holozän – vor etwa 11.700 bis 8.000 Jahren – schmolz ein großer Eispanzer in Nordamerika ab. Anhand von Tropfsteinen in Höhlen, sogenannten Speläothemen, und Computersimulationen rekonstruierte ein internationales Team um Dr. Jasper Wassenburg von der Ruhr-Universität Bochum die Folgen.

Zusammenhänge des Klimas kehrten sich um

Heute beobachtet man einen entgegengesetzten Zusammenhang zwischen den Niederschlagsmengen in Nordwestafrika und Nordwesteuropa. Wenn in Nordwesteuropa ein feuchtes Winterklima vorherrscht, ist das Klima in Nordwestafrika trocken. Dieser Zusammenhang hatte sich im frühen Holozän infolge des Abschmelzens des Eispanzers zeitweise umgekehrt, so dass es an beiden Orten zeitgleich feucht beziehungsweise trocken war. Das Klima veränderte sich tiefgreifend. Durch das Abschmelzen des Grönlandeises sei ein ähnliches Szenario denkbar, meinen die Forscher.