Wasserstoff marsch

Wasserstoff marsch

19.07.2016
© RUB, Kramer
Bis zu 600 Kilometer fährt das Brennstoffzellenauto. Die hat Katharina Gregor während der Probefahrt nicht ausgeschöpft. Es gab schließlich noch andere Testfahrer.

Alle reden vom Elektroauto und alternativen Brennstoffen. Unsere Autorin hat das Auto der Zukunft einmal getestet.

Von außen sieht das Auto sehr modern aus, das vor dem ID-Nordausgang steht. Es unterscheidet sich allerdings nicht groß von den anderen aktuellen Modellen auf dem Parkplatz. Aber eine kleine blaue Fahne an der Antenne und ein Aufkleber an der Seitentür machen deutlich, was besonders ist an diesem Auto: die Brennstoffzelle beziehungsweise Fuel Cell.

 

Das RUB-Institut für Energiesystemtechnik und Leistungsmechatronik hat Anfang Juli Besuch vom europäischen Projekt Clean-Energy-Partnership bekommen. Dessen Mitarbeiter haben Brennstoffzellenautos zum Probefahren mitgebracht. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, das Auto mit diesem eher ungewöhnlichen Kraftstoff zu testen.

Leiser Motor

Im geräumigen Innenraum strahlen mir Displays mit blauem Licht entgegen. Ein Zündschloss hat der Wagen nicht, sondern einen Startknopf. Eine helle Begrüßungsmelodie kündigt an, dass der Elektromotor läuft. Den Motor selbst höre ich nicht. Es ist ganz ruhig im Auto – auch, wenn ich das Gaspedal trete. Und Gas ist das richtige Stichwort: Ein Brennstoffzellenauto ist mit Wasserstoff getankt.

 

Das Brennstoffzellenauto ist gleichzeitig ein Elektroauto. Nur kommt der Strom nicht aus der Steckdose, sondern entsteht in der Brennstoffzelle im Auto. Diese speist den Akku mit Strom und versorgt damit den Motor. Und was kommt hinten raus? Einfach nur Wasser. Das Auto ist somit ein Null-Emissionen-Auto und deshalb so attraktiv für die Mobilität der Zukunft.
 

Wie im Raumschiff

Die kurze Probefahrt über die Universitätsstraße verbraucht kaum etwas vom Tank. Mit knapp sechs Kilo Wasserstoff kann das Brennstoffzellenauto rund 600 Kilometer weit fahren. Das würde in jedem Fall reichen, um zur nächsten Wasserstofftankstelle zu kommen. Die steht nämlich in Wuppertal. Doch ich fahre schon wieder zurück zur Ruhr-Universität; auf dem Rücksitz wartet schon ungeduldig die nächste Testpilotin.

 

Am Lenker habe ich einen guten Straßenüberblick. Und ein bisschen fühlt es sich an, als würde ich in einem Raumschiff sitzen – so wie das Auto still über die Straße gleitet. Am Campus angekommen, stelle ich den Schaltknüppel auf P wie Parken. Das Auto verabschiedet sich auch beim Ausschalten mit einer Melodie. Auf Wiedersehen, Brennstoffzellenauto. Vielleicht sieht man sich in naher Zukunft öfter.

Redaktion: Katharina Gregor

Elektromobilforschung an der RUB

Das Institut für Energiesystemtechnik und Leistungsmechatronik Enesys forscht seit 2003 unter anderem zu regenerativen Energien und Elektromobilität. Unter Leitung von Prof. Dr. Constantinos Sourkounis hat Enesys bereits eine Schnellladesäule konzipiert oder sammelt Ergebnisse darüber, wie alltagstauglich die Reichweite von Elektroautos ist.

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