Rudern für Rio

Rudern für Rio

19.07.2016
© Detlev Seyb
Achtung Spritzwasser: Genau in der Mitte des Achters sitzt Maximilian Reinelt.

Zwischen London und Rio liegen 9.279 Kilometer – und vier Jahre hartes Training. RUB-Student Maximilian Reinelt rudert bei Olympia im Deutschland-Achter. Doch das Wasser dort könnte für ihn gefährlich werden.

Herr Reinelt, wie laufen die Vorbereitungen auf die Olympischen Spielen?

Gut. Das Wetter war bisher super. Ich trainiere natürlich hauptsächlich im Achter. Zwischendurch rudern wir aber auch im Zweier. Das ist eine gute Abwechselung. Außerdem fahren wir Rennrad und machen Krafttraining. Drei bis vier Trainingseinheiten pro Tag sind vorgesehen. Und an jedem dritten Tag ist der Nachmittag frei.

Und was wird an einem freien Nachmittag gemacht?

Es finden sich meist Interessensgemeinschaften. Je nachdem, worauf man Lust hat. Wir haben hier in Kärnten den Klopeiner See direkt vorm Haus. Da gibt es die Möglichkeit, eine Runde zu schwimmen. Manche schauen einen Film, andere machen einen Mittagsschlaf. Ich habe gestern ein bisschen Papierkram erledigt.

Papierkram für die Uni?

Nein. Einfach Sachen, die sonst auch anfallen würden. Das Leben geht ja trotz Trainingslager weiter. Da muss ich mal ein paar E-Mails beantworten.

Sie sind im Trainingslager ständig von denselben Personen umgeben. Bekommt man da keinen Lagerkoller?

Lagerkoller gibt es selten bei uns. Die meisten von uns machen schon seit 15 Jahren Leistungssport. Alle, mit denen ich hier rudere, kenne ich mindestens seit vier Jahren. Das ist nicht unser erstes Trainingslager zusammen. Wir sind das gewohnt.

Rio de Janeiro liegt in einer anderen Zeitzone. Bereiten Sie sich auf die Zeitumstellung vor?

Ich glaube, die Zeitumstellung ist kein Problem. Es sind nur fünf Stunden. Uns bereiten eher andere Dinge Sorge, zum Beispiel die Wasserqualität.

Warum?

Für uns ist die größte Gefahr das Wasser. Wir rudern in einer Lagune, die in der Nähe von Ipanema liegt – mitten in der Stadt. Dort schwankt die Wasserqualität, wenn es lange nicht geregnet hat. Und wenn es regnet, wird allerlei Übel in den See gespült. Da müssen wir aufpassen, dass wir keinen Magen-Darm-Infekt bekommen.

Das wäre natürlich hart, wenn man vier Jahre auf die Olympischen Spiele hingearbeitet hat und dann knapp davor ausfällt, weil man Wasser abbekommen hat. Das lässt sich beim Rudern allerdings nicht vermeiden. Am besten Mund, Nase und Augen zu halten. Das wird natürlich bei einem Rennen nicht möglich sein, wenn man nach zwanzig Schlägen nach Luft ringt.

Und wie schützen Sie sich vor einer Erkrankung?

Wichtig ist eine streng eingehaltene Basishygiene – also häufiges Händewaschen, sich nicht ins Gesicht fassen und nach dem Wasserkontakt duschen. Dann ist man auf einem guten Weg.

Sie haben bereits 2012 in London Gold geholt. Was erwarten Sie sich von Rio?

In London habe ich gemerkt, wie das Event die Bevölkerung begeistert hat. Das wird in Rio bestimmt auch so sein. Ich freue mich, dass ich wieder dabei bin. Es ist schön, dass ich meine Leistung halten konnte. Nach Olympia stellt man seine Leistung nicht in den Schrank und holt sie nach vier Jahren wieder heraus. Man muss ständig daran arbeiten.

Und was erwarten Sie sich von Ihrem Wettkampf?

Am 13. August ist unser Finalrennen. Über den Vorlauf am 8. August wollen wir uns dafür qualifizieren. Unser Ziel ist die Goldmedaille. Da muss man nicht lange um den heißen Brei herumreden. Jeder, der zu den Olympischen Spielen fährt, möchte eine Medaille mit nach Hause nehmen. Es ist einfach unfassbar, dass wir das schon in London geschafft haben. Und nun besteht sogar eine zweite Chance.

Haben Sie denn auch Zeit, andere Sportarten zu sehen?

In der Woche nach unseren Wettkämpfen. Ich werde mir Ringen anschauen. Davon war ich in London schon schwer begeistert. Vor dem Sport habe ich Respekt. Da wird richtig angepackt, und es geht zur Sache. Außerdem ist es eine olympische Kernsportart.

Und ich werde mir Rio ansehen. Meine Freundin und meine Familie kommen mit. Es ist schön, dann die Zeit mit ihnen verbringen zu können.

Das Gespräch führte Katharina Gregor.

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Die RUB in Rio

Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro starten am 5. August 2016. Mit dabei sind auch weitere RUB-Studierende. Im Deutschland-Achter sitzen auch Malte Jakschik und Martin Sauer. Maximilian Korge rudert im Vierer am 7. August, Johannes Weißenfeld fährt als Ersatzmann mit. Carina Bär vertritt die RUB auch im Rudern – im Doppelvierer der Frauen am 6. August. Am gleichen Tag treten auch Kathrin Marchand im Zweier ohne Steuermann und Lauritz Schoof im Männerdoppelvierer an.
Bei den Schwimmerinnen geht Dorothea Brandt am 12. August in der Disziplin 50 Meter Freistil an den Start.
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