Katholikentag: Podien sprechen junge Leute nicht an

Katholikentag: Podien sprechen junge Leute nicht an

12.07.2016
© Bistum Essen
13 Mitglieder der RUB in Leipzig: elf Studierende, eine Dozentin und ein Dozent

Theologiestudierende der RUB haben sich in Leipzig den Katholikentag näher angeschaut. Ihr Fazit fällt zweischneidig aus.

Normal statt religiös

Elf Studierende des RUB-Seminars „Ich bin nicht religiös, ich bin normal“ haben Ende Mai unter Leitung von Dr. Gunda Werner und Dr. Florian Kleeberg eine Exkursion zum 100. Katholikentag nach Leipzig gemacht. Die Meinung war einstimmig: Sie würden definitiv noch mal hinfahren.

Ein ungewöhnliches Fazit – sind die Studierenden bei einer Evaluation doch zu dem Schluss gekommen, dass beim Katholikentag ausgerechnet Angebote für junge Leute fehlen. Den Auftrag für die Auswertung haben sie vom Veranstalter selbst erhalten: alle 32 großen Podiumsveranstaltungen inhaltlich und methodisch unter die Lupe zu nehmen.

Für die Auswertung der Aufgabe, die Teil des Seminarprojekts „Forschendes Lernen“ ist, haben die Studierenden Bewertungsbögen benutzt. Sie untersuchten Faktoren wie die Gesprächsatmosphäre, die Interaktion des Moderators oder das Verhalten der Redner.

Kaum Diskussionen und wenig Publikum

Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: Den meisten Veranstaltungen fehlten die Publikumsmassen, es entstanden kaum Diskussionen mit gegensätzlichen Meinungen. Auch kamen wenig junge Menschen zu den Veranstaltungen, obwohl sich die Besucher des Katholikentags insgesamt stark verjüngt haben. Der Anteil der über 55-Jährigen war wesentlich größer, auch nahmen überwiegend Männer an den Podien teil. Die jungen Besucher waren eher auf den Straßenevents zu finden.

Das mangelnde Interesse junger Teilnehmer führen die Studierenden auf das Veranstaltungsformat zurück. Demnach sind Podiumsdiskussionen nicht mehr zeitgemäß: Selbst mitreden und seine eigene Meinung vertreten ist angesagt, niemand will sich mehr bloß informieren.

Gespräche über Gott und die Welt

Umso mehr freuten sich die Studierenden über unerwartete Erlebnisse fernab der Forschungsarbeit. Dazu gehörten unter anderem ungewöhnliche Gespräche mit fremden Menschen über Gott und die Welt. Auch lobten sie die Willkommensatmosphäre und das freundliche Miteinander in Leipzig.

Deshalb würden sie wieder zum Katholikentag fahren. Denn: Sie haben neue Menschen kennengelernt, ihre theologischen Erkenntnisse vertieft und ihr Studium um praktische Erfahrungen bereichert. Davon profitiert auch der nächste Katholikentag in Münster 2018 – die Ergebnisse des Projekts fließen in die Vorbereitung ein.

Redaktion: Laura Collmann