Wie Erinnerung (besser) funktioniert

Wie Erinnerung (besser) funktioniert

20.05.2016
© fotolia, Vitus Bering

Wie kann es trotz der europäischen Vergangenheit heute zu wachsendem Nationalismus kommen? Warum haben die Menschen aus den Erinnerungen nicht gelernt? Dieser Frage gehen Forscher in einem neuen EU-Projekt nach.

Warum lernen die Menschen nicht aus der Erinnerung?

Zahlreiche Museen und Gedenkstätten erinnern an die Kriege in Europa. Trotzdem wächst der Nationalismus bedenklich. Warum lernen die Menschen nicht aus der Erinnerung? Wie funktioniert sie? Und wie könnte sie vielleicht besser funktionieren? Das untersuchen Wissenschaftler des Instituts für Soziale Bewegungen der RUB mit fünf internationalen Partnern im neuen EU-Projekt „Unsettling remembering and social cohesion in transnational Europe (UNREST)“, das von Prof. Dr. Stefan Berger koordiniert wird. Es wird für drei Jahre mit rund 2,5 Millionen Euro gefördert.

Wie kommen Museen beim Besucher an?

Die Forscher interviewen zum Beispiel die Kuratoren und Direktoren verschiedener Museen in Europa um herauszufinden, welche Ziele der Gestaltung zugrunde liegen. Dann richten sie den Blick auf die Besucher der Museen und fragen, wie die Exponate bei ihnen ankommen – erreichen sie die gesetzten Ziele? Wenn nein, warum nicht?
Ebenso stehen Massengräber und deren Exhumierung in Spanien, Bosnien und Polen im Fokus. „Wir fragen: Warum werden diese Gräber exhumiert?“, erklärt Dr. Cristian Cercel vom Institut für Soziale Bewegungen. „Diese Maßnahme kann erlösend wirken, weil die Menschen dadurch einen Ort bekommen, an dem sie die Toten wissen. Es kann aber auch gegenteilige Wirkung haben und nationalistische Diskurse stärken.“

Ziel: eine neue Gedächtniskultur

Ziel des Projekts ist eine neue Gedächtniskultur, die besser funktioniert. Zum Abschluss ist unter anderem eine Kriegsausstellung im Essener Ruhrmuseum geplant, in deren Gestaltung die Erkenntnisse aus dem Projekt einfließen werden.