Nebenwirkungen von Medikamenten verhindern

Nebenwirkungen von Medikamenten verhindern

© RUB, Foto: Schirdewahn
Stefan Huber hat den Hoechst-Dozentenpreis erhalten.

Forscher wie Stefan Huber arbeiten fieberhaft daran, Arzneimittel nebenwirkungsfrei herzustellen. Skandale wie der um das Beruhigungsmittel Contergan sollen sich nicht wiederholen.

Wie Bild und Spiegelbild

Das Medikament Contergan wurde zwischen 1957 und 1962 millionenfach verkauft und war vor allem bei Schwangeren sehr beliebt. Es half gegen die Morgenübelkeit in der frühen Schwangerschaftsphase. Allerdings beeinflusste Contergan auch die Wachstumsentwicklung der Föten: Tausendfach kam es zu Missbildungen, Behinderungen und Totgeburten.

Längst haben Wissenschaftler die Gründe dafür herausgefunden. Verantwortlich waren sogenannte chirale Moleküle: Verbindungen, die weitgehend identisch sind, sich aber wie Bild und Spiegelbild verhalten. Sie spielen in der Pharmaindustrie eine große Rolle. Oft ist eine der Verbindungen als Medikament aktiv, während das spiegelbildliche Molekül keine Aktivität zeigt – oder schlimmstenfalls gravierende Nebenwirkungen verursacht, wie bei Contergan.

Katalysatoren sollen helfen

Prof. Dr. Stefan Huber (Lehrstuhl für Organische Chemie I der RUB) will chirale Moleküle bändigen und damit Arzneimittel sicherer machen. Er entwickelt Katalysatoren, die in einem chemischen Prozess jeweils nur eines der beiden spiegelbildlichen Moleküle erzeugen.

Für diesen Forschungsansatz hat Huber am 9. Mai 2016 den mit 75.000 Euro dotierten Hoechst-Dozentenpreis erhalten. Er wird jährlich von der Aventis-Foundation und dem Fonds der Chemischen Industrie an herausragende Nachwuchswissenschaftler vergeben. Für Huber ist es die zweite hohe Auszeichnung innerhalb eines Jahres. Im Mai 2015 hat er den mit 1,5 Millionen Euro dotierten „Starting Grant“ des Europäischen Forschungsrats bekommen.

Zur Person

Stefan Huber (Jahrgang 1977) hat von 1998 bis 2003 Chemie an der Universität Erlangen studiert und wurde dort 2007 promoviert. Die folgenden beiden Jahre verbrachte er als Postdoc an der University of Minnesota in Minneapolis und an der Universität Genf. Im September 2009 gründete er seine erste eigene Nachwuchsgruppe an der TU München. Im Januar 2014 wurde er an die RUB berufen; er ist Professor für Organische Chemie an der Fakultät für Chemie und Biochemie.