Ehrenamtliche bringen Flüchtlingen Deutsch bei

Ehrenamtliche bringen Flüchtlingen Deutsch bei

22.03.2016
© RUB, Marquard
Hazem Alahmad ist einer der Deutschschüler von Eva Günzel.

Viele der Flüchtlinge in Bochum möchten gern ein Studium aufnehmen oder fortsetzen. Dazu müssen sie möglichst schnell Deutsch lernen. Angehörige der RUB unterrichten sie ehrenamtlich.

Leuchtende Augen

Die Augen von Eva Günzel leuchten, wenn sie von ihren Schülern im Deutschkurs spricht. Seit Januar betreut sie im Wechsel mit ihrem Kommilitonen Daniel Diekmann 13 Flüchtlinge in den Räumen der Ruhr-Universität. „Ich unterrichte immer montags für vier Stunden, Daniel übernimmt die Schicht am Freitag mit ebenfalls vier Stunden. Wir haben vom Bereich Deutsch als Fremdsprache sehr gut strukturierte Materialien bekommen, sodass wir die Übergabe untereinander schnell und unkompliziert handhaben können“, berichtet Günzel.
Einer ihrer Schützlinge ist Hazem Alahmad, 27 Jahre, aus Aleppo in Syrien. Er hat in seiner Heimat einen Bachelor in Anglistik erworben und möchte in Deutschland gerne englische Literatur studieren. Ein Freund hat ihn auf das Deutsch-Angebot der RUB aufmerksam gemacht und die beiden haben sich gemeinsam für den Einstufungstest angemeldet. „Eva und Daniel sind tolle Lehrer, die ihr Bestes geben, uns zu unterstützen“, sagt Alahmad. Er und die anderen Kursteilnehmer hadern sehr mit den deutschen Artikeln und der Aussprache, nutzen aber jede Minute im Kurs, um sich zu verbessern. „Das Engagement und der Lernwille der Schüler sind unglaublich“, so Günzel.

Teach the teacher

Günzel, die im Zwei-Fach-Bachelor Spanisch und Sozialwissenschaften studiert, ist eine von über 100 Freiwilligen, die 2015 das Programm „Teach the teacher“ des Bereichs Deutsch als Fremdsprache (DAF) durchlaufen haben. In mehreren Workshops haben die Freiwilligen gelernt, wie man eine Unterrichtsstunde gestaltet, welche Lehrwerke man für den Unterricht nutzen kann und welche Themen sich für eine Diskussion mit den Schülern eignen. Zehn der ehrenamtlichen Helfer unterrichten jetzt insgesamt 80 Flüchtlinge an der Ruhr-Universität. Das Team des International Office organisiert die Kurse und berät Flüchtlinge zu Studienmöglichkeiten. „Viele von ihnen sind gut ausgebildet und möchten ein Studium beginnen oder fortsetzen. Was ihnen aktuell noch fehlt, sind die notwendigen Deutschkenntnisse“, berichtet Ulrike Herrlich, Mitarbeiterin im International Office.

Im April wird es ernst

Den ersten offiziellen Test müssen die Teilnehmer am 13. April absolvieren, dann überprüft der DAF-Bereich, ob alle das Anfängerniveau A1 beherrschen. Die Mitarbeiter stehen den Ehrenamtlichen auch während der Unterrichtsphase zur Verfügung und unterstützen sie bei allen offenen Fragen. Auch für die ehrenamtlichen Lehrer ist die Prüfung im April ein wichtiges Datum. „Natürlich habe ich für mich selber eine Menge gelernt und eine große Freude am Unterrichten bekommen. Trotzdem geht es ja in erster Linie darum, die Flüchtlinge auf die offiziellen Sprachprüfungen vorzubereiten, damit sie die notwendigen Nachweise für ein Studium erhalten“, so Günzel. Sie und alle weiteren ehrenamtlichen Helfer bekommen ein Zertifikat, das ihre Ausbildung im DAF-Bereich dokumentiert. Studierende der RUB können ihr Engagement auch im Optionalbereich anmelden und sich die Credit Points anrechnen lassen.

Fortsetzung geplant

Das International Office hat viel Arbeit in die Organisation der Kurse gesteckt und parallel Projektanträge beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) eingereicht, um die Finanzierung des Angebots auch im Sommersemester sicherzustellen. „Der Bedarf an Deutschkursen ist riesig, das erleben wir täglich in unseren Sprechstunden. Wir hoffen sehr, dass der DAAD unserem Antrag zustimmt und wir unser Angebot nahtlos im Sommersemester fortsetzen können“, sagt Ulrike Herrlich. Mit dem Geld können Lehrmaterialien finanziert werden und auch ein neues Workshop-Programm im Projekt Teach the teacher in Zusammenarbeit mit dem Bereich Deutsch als Fremdsprache.

Redaktion: Michaela Wurm