Einige Vögel sind genauso schlau wie Affen

Einige Vögel sind genauso schlau wie Affen

03.03.2016
© Jana Müller
Die kognitiven Fähigkeiten von Rabenvögeln sind ebenso ausgeprägt wie die von Menschenaffen. Dabei haben sie ein viel kleineres Gehirn.

Die Gehirne von Vögeln und Säugetieren sind auf den ersten Blick sehr verschieden. Trotzdem können sie ähnliche Dinge.

Vögel haben viele kognitive Fähigkeiten

Forschungsergebnisse der vergangenen Jahrzehnte legen nahe, dass Vögel ausgeklügelte kognitive Fähigkeiten besitzen. Eine Theorie besagt, dass sie diese nur in speziellen Bereichen, zum Beispiel beim Verstecken von Futter, anwenden können. Dass dies nicht der Fall ist, belegen Prof. Dr. Onur Güntürkün von der RUB und Prof. Dr. Thomas Bugnyar von der Universität Wien in einem Übersichtsartikel in der Zeitschrift „Trends in Cognitive Sciences“.

Die beiden Forscher trugen Studien zusammen, die diverse kognitive Fähigkeiten bei Vögeln nachgewiesen haben. „Das mentale Geschick von Rabenvögeln und Papageien ist ebenso ausgeprägt und vielfältig wie das der Menschenaffen“, sagt Onur Güntürkün, Leiter der Abteilung Biopsychologie in Bochum. Sie können unter anderem logisch denken, sich selbst im Spiegel erkennen und sich in andere hineinversetzen.

Komplexe Kognition braucht keinen Kortex

Bei Säugetieren ist die mehrschichtige Großhirnrinde, auch Neocortex genannt, für das kognitive Können verantwortlich. Diese Hirnstruktur besitzen Vögel nicht; bei ihnen meistert stattdessen das sogenannte Pallium die komplexen mentalen Aufgaben. Einzelne Module der Gehirne der beiden Tiergruppen sind aber auf ähnliche Weise verschaltet.

„Klar ist, dass der mehrschichtige Kortex der Säugetiere für komplexe Kognition nicht erforderlich ist“, schlussfolgert Güntürkün. „Auch das absolute Hirngewicht spielt für die mentalen Fähigkeiten keine Rolle.“ Während die Gehirne von Menschenaffen durchschnittlich 275 bis 500 Gramm auf die Waage bringen, schaffen es die kognitiv ebenso geschickten Vögel ohne Kortex gerade einmal auf 5 bis 20 Gramm.

Originalveröffentlichung

O. Güntürkün, T. Bugnyar (2016): Cognition without Cortex , Trends in Cognitive Sciences, DOI: 10.1016/j.tics.2016.02.001

Text: Julia Weiler

 

Weitere Informationen
http://aktuell.ruhr-uni-bochum.de/pm2016/pm00026.html.de