Biologen erstellen ein Inventar aller Pilzarten

Biologen erstellen ein Inventar aller Pilzarten

26.02.2016
© RUB, Kramer
Etwa 14.400 Arten von Pilzen existieren in Deutschland. Dominik Begerow schaut ganz genau hin, um herauszufinden, um welchen Vertreter es sich hier handelt.

Bochumer Biologen erhalten 530.000 Euro, um gemeinsam mit Kollegen ein Inventar deutscher Pilzarten zu erstellen. Sie sind Teil eines Verbundprojekts, das Expertenwissen konserviert, bevor es für immer verloren geht.

RUB-Geobotaniker beteiligen sich am Projekt „German Barcode of Life“

Schätzungen zufolge existieren rund 8,7 Millionen verschiedene Tier-, Pilz- und Pflanzenarten auf der Erde; derzeit sind davon nur etwa 1,7 Millionen wissenschaftlich beschrieben. Experten, die Organismen anhand ihres Aussehens bestimmen können, werden immer seltener. Im Projekt „German Barcode of Life“ wollen Wissenschaftler eine vollständige Datenbank aller Arten aufbauen, solange das Know-how der Experten verfügbar ist.

Ab 2016 beteiligt sich auch die RUB-Arbeitsgruppe Geobotanik von Prof. Dr. Dominik Begerow an dem Projekt, das das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn leitet.

Expertenwissen und genetische Informationen kombinieren

Das Bochumer Team koordiniert sechs Forschungsinstitute, die Informationen zu Pilzarten in die Bibliothek des Lebens einbringen, insbesondere zu Arten, die für die deutsche Landwirtschaft relevant sind. Sie wollen vor allem eine schnelle Methode entwickeln, um Pilzkrankheiten an Obstbäumen zu identifizieren. „Bisher werden diese häufig viel zu spät entdeckt, weil der schädliche Pilzbefall über einen langen Zeitraum für das menschliche Auge unsichtbar ist“, sagt Dominik Begerow.

Für das Arteninventar bestimmen Experten die Organismen anhand ihres Aussehens. Außerdem sequenzieren Forscher einen kurzen Abschnitt der DNA. Diesen genetischen Fingerabdruck – auch Barcode genannt – hinterlegen sie in der Datenbank zusammen mit weiteren Informationen über den Organismus. In Zukunft wird es somit möglich sein, eine Art nur anhand der Gensequenz zu erkennen.

Bürger können mitmachen

Mehr als 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten an der Bibliothek des Lebens mit. Darüber hinaus beteiligen sich auch viele ehrenamtliche Citizen Scientists, die Artenkenntnis besitzen. Interessierte können sich auf der Webseite als Experten anmelden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Vorhaben bereits seit 2011 im Programm „Forschung für Nachhaltige Entwicklung“ mit über 11 Millionen Euro.

Text: Julia Weiler
Fotos: Tim Kramer

Weitere Informationen

Prof. Dr. Dominik Begerow, Arbeitsgruppe Geobotanik, Fakultät für Biologie und Biotechnologie der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel.: 0234 32 27212 dominik.begerow@rub.de

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Viele Pilze wachsen als Baumschädlinge zunächst versteckt im Pflanzeninneren, bis sie einen sichtbaren Fruchtkörper bilden. Der Biologieprofessor nimmt eine Probe für die DNA-Analyse.



Um einen Pilz im Labor zu vermehren, streicht Dominik Begerow ihn auf einem Nährmedium aus. Im Wärmeschrank kann der Organismus in der Petrischale wachsen.



Eine vollständige DNA-Barcode-Datenbank der in Deutschland existierenden Pilzarten wollen die Bochumer Geobotaniker mit ihren Kollegen zusammen erstellen.



Pilze können ganz unterschiedliche Formen annehmen. Auf diesem Holunderstrauch wächst das Judasohr, der Fachname lautet Auricularia auricula-judae.