Ausstellung dokumentiert Alltag im Flüchtlingscamp

Ausstellung dokumentiert Alltag im Flüchtlingscamp

25.02.2016
© Julia Gorlt
Die 35 Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen Impressionen des zwischenmenschlichen Zusammenlebens sowie Porträts.

41.000 Menschen leben unter prekären Verhältnissen im Flüchtlingscamp Mae La an der thailändisch-burmesischen Grenze. 35 bewegende Schwarz-Weiß-Fotografien dokumentieren ihren Alltag – ab März im Blue Square.

Camp als Zufluchtsort

Mae La ist das größte von insgesamt neun Flüchtlingslagern an der thailändisch-burmesischen Grenze. Es dient seit mehr als 30 Jahren als Zufluchtsort für mehr als 41.000 Menschen, die Burma wegen der anhaltenden Konflikte sowie deren indirekten Auswirkungen verlassen haben. Das Camp auf thailändischem Gebiet gleicht einer kleinen Stadt: Prozentual gesehen gehen hier mehr Kinder zur Schule als in Burma, es gibt ein kostenloses „Krankenhaus“ und humanitäre Hilfe.

Zweites Zuhause

In Mae La herrscht ein komplexes Zusammenleben zahlreicher ethnischer und religiöser Gruppen, von stärker und weniger marginalisierten Menschen, von Jungen und Alten, Motivierten und jenen, die sich ihrer prekären Lage hingegeben haben, von Neuankömmlingen und Alteingesessenen. Eines haben all diese Menschen gemeinsam: Sie leben nicht freiwillig hinter einem Stacheldrahtzaun, der das gesamte Camp umschließt, sondern weil sie es müssen. Weil Mae La ihnen ein besseres Leben im Vergleich zu ihrer Heimat bietet und es für einige zu einem zweiten Zuhause geworden ist.

Perspektivlosigkeit, Traumata und Schikanen

Doch Mae La ist nicht nur ein Ort des Schutzes. Diskriminierung seitens des thailändischen Staates, Korruption und Perspektivlosigkeit bestimmen den Alltag im Camp. Insbesondere nach der Machtübernahme der Regierung durch das thailändische Militär im Mai 2014 können die Flüchtlinge ihren Lebensunterhalt – beispielsweise durch Arbeiten auf den Feldern thailändischer Landbesitzer oder durch das Sammeln von Nahrung in den nahe gelegenen Wäldern – nicht mehr sicherstellen. Die Restriktionen gegen Flüchtlinge, die sich außerhalb des Camps ohne Genehmigung aufhalten, wurden verschärft. Es finden immer mehr Deportationen zurück nach Burma statt.

Hinzu kommt, dass die Lebensmittelrationen, die das Überleben der Camp-Bewohner ermöglichen, in den vergangenen Jahren drastisch reduziert wurden. Perspektivlosigkeit, Traumata und Schikanen seitens der Camp-Aufsicht haben zu einem Anstieg des Missbrauchs von Drogen und Alkohol und der Suizidrate geführt.

Zum Projekt und zu den Fotografen

Um den Menschen in Mae La und ihrer prekären Lage eine Stimme zu geben, hat Julia Gorlt den Alltag im Flüchtlingscamp in 35 Schwarz-Weiß-Fotografien festgehalten. Zu sehen sind Impressionen des zwischenmenschlichen Zusammenlebens sowie Porträts. Julia Gorlt war 2014 für ein ethnologisches Forschungsprojekt im Auftrag der „National Human Rights Commission of Thailand“ vor Ort. Die Fotos sind in Kooperation mit dem jungen Fotografen Soungpoe entstanden. Soungpoe hat bereits als Kind Zuflucht in Mae La gesucht und dort 20 Jahre lang gelebt. Er gehörte zu der größten ethnischen Gruppe im Camp, den Karen, auf die sich die Fotos konzentrieren. Sein Talent steht stellvertretend für das vieler anderer Menschen in Mae La, die auf ihre Chance warten, dieses endlich ausleben zu können.

Julia Gorlt ist Ehemalige der Ruhr-Universität Bochum und war im Bereich Fotografie des Musischen Zentrums (MZ) aktiv. Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit dem MZ realisiert. Sie ist als Wanderausstellung angelegt und wurde bereits 2014 durch die Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum beim „Internationalen Tag der Menschenrechte“ in der Bochumer Rotunde gezeigt.

Angeklickt

 

Bis 28. Mai im Blue Square

Die Ausstellung ist vom 1. März bis zum 28. Mai 2016 auf der dritten Etage (rechts) im Blue Square, Kortumstraße 90, in der Bochumer City zu sehen – immer während der regulären Öffnungszeiten: montags bis samstags, 8 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellungseröffnung ist auf den 1. März, 18 Uhr, datiert. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen.