Die RUB trauert um Professor Siegfried Grosse

Die RUB trauert um Professor Siegfried Grosse

20.01.2016
© RUB

Die Ruhr-Universität trauert um Professor Siegfried Grosse. Der frühere Rektor starb am 17. Januar im Alter von 91 Jahren in Bochum. Grosse gehört zur sogenannten Gründergeneration und hat die Universität mit aufgebaut.

Verdienste für die RUB

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Siegfried Grosse war einer der ersten ordentlichen Professoren der Ruhr-Universität. Er prägte sowohl die Hochschule als auch die Fakultät für Philologie und hatte bis zu seiner Emeritierung 1990 verschiedene exponierte Ämter inne. Bereits 1966 wurde er Dekan der Fakultät für Philologie; in den für die Hochschulen allgemein unruhigen Jahren von 1969 bis 1972 übernahm er das Prorektorat für Lehre. In seiner Zeit als Rektor (1972 bis 1973) wurden die G-Gebäude, das MA-Gebäude und das Hörsaalzentrum Ost (HZO) bezogen sowie die Mensa II und der weit über Bochum hinaus bekannte Botanische Garten fertiggestellt. Außerdem leitete Professor Grosse als geschäftsführender Direktor das Musische Zentrum. Bis zuletzt war er Mitglied des Instituts für Deutschlandforschung und nahm an dessen Veranstaltungen teil.

Weit gespannte Forschungsgebiete

Professor Grosse betreute viele Studenten, Doktoranden und Habilitanden und war ein überaus beliebter Lehrer. Seine Forschungsgebiete waren weit gespannt, dazu gehörten sowohl die deutsche Literatur des Mittelalters als auch die deutsche Sprachwissenschaft. Grosse verfasste unter anderem eine umfangreiche Bibliographie zur Rezeption mittelalterlicher Dichtung seit Mitte des 18. Jahrhunderts und beschäftigte sich mit mittelhochdeutscher Grammatik. Für seine wissenschaftlichen Verdienste erhielt er zahlreiche Ehrungen, beispielsweise Ehrendoktortitel der Universitäten Leipzig und Hermannstadt/Sibiu, den Konrad-Duden-Preis und die Leibniz-Medaille der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur. 1981 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Siegfried Grosse war darüber hinaus lange Zeit Vorsitzender der bundesweiten Studienreformkommission sowie Präsident des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim.

Zur Person

Siegfried Grosse, am 22. Oktober 1924 in Grimma (Sachsen) geboren, studierte nach dem Kriegsdienst und der Rückkehr aus kanadischer Kriegsgefangenschaft ab 1947 Deutsch, Englisch, Latein und Philosophie in Freiburg. 1952 wurde er dort promoviert. Nach dem Referendariat und dem Assessorenexamen arbeitete er als Assistent am deutschen Volksliedarchiv in Freiburg sowie als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Freiburg, wo er sich 1963 habilitierte. Nach einer kurzen Zeit als Privatdozent in Freiburg und Saarbrücken berief ihn die neu gegründete Ruhr-Universität noch vor Eröffnung des Lehrbetriebs zum ordentlichen Professor. In Bochum hat Siegfried Grosse das Germanistische Institut mit aufgebaut und durch seine zahlreichen internationalen Beziehungen zu dessen Ansehen beigetragen. So führten ihn Vortragseinladungen in rund 20 Länder, er war er unter anderem Gastprofessor in Australien, Neuseeland, Indien, Japan und China. Im Ruhrgebiet wurde der Germanist vor allem bekannt durch seine Arbeiten zur gesprochenen Sprache dieser Region als eigenständigem Dialekt. Die Bevölkerung Bochums kannte ihn auch als Vorsitzenden der Literarischen Gesellschaft (1974 bis 88) und als intensiven Vermittler von Kultur und Literatur.