Freie Grundschulwahl und ihre Folgen

Freie Grundschulwahl und ihre Folgen

18.01.2016
© fotolia, contrastwerkstatt

Seit 2008 können Eltern frei wählen, welche Grundschule ihr Kind besuchen soll. Im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung fanden Forscher vom ZEFIR nun heraus: Kinder der einzelnen sozialen Schichten bleiben dadurch bereits früh unter sich. Außerdem kommt es in einzelnen benachteiligten Quartieren zu einer starken Schülerabwanderung.

Gut situierte Eltern nehmen längeren Schulweg in Kauf

Der Anteil an Kindern, die eine andere als die ehemals zuständige Grundschule besuchen, ist seit der Aufhebung der Grundschulbezirksbindung in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2008/09 deutlich gestiegen. Das zeigt die ZEFIR-Studie am Beispiel der Stadt Mülheim an der Ruhr. Die Wahlentscheidung der Eltern ist demnach abhängig vom Sozialstatus der Schule und vom sozialen Hintergrund der Eltern. Ist die zuständige Gemeinschaftsgrundschule sozial benachteiligt, wählen Eltern häufiger eine andere Schule. Mit zunehmendem Sozialstatus der Eltern steigt die Wahlentscheidung stark an. Eltern mit niedrigem Bildungsstatus und Eltern mit Migrationshintergrund wählen häufiger die nahegelegene Grundschule. Diese Familien sind die in der Regel weniger mobil und bleiben meist in ihrem Wohnbezirk.

Forderung: Benachteiligte Schulen besser ausstatten

Der Studienautor schlägt vor, die soziale Struktur der Schulen landesweit transparent zu machen. Damit könnten die schulpolitischen Weichen gestellt werden, um eine unterschiedliche Ressourcenverteilung zu begründen. Über einen Sozialindex könnten benachteiligte Schulen besser mit überzeugenden pädagogischen Konzepten, entsprechenden Ressourcen und guten Lehrern ausgestatten werden, damit diese Schulen so gut werden, dass ihre Qualität auch bildungsaffine Eltern überzeugt.

Weitere Informationen

Dipl. Geogr. Thomas Groos, Ruhr-Uni Bochum, Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung, Im Lottental 38, 44780 Bochum, Tel.: 0234/32-29040 thomas.groos@rub.de