Arbeitsgedächtnisprozesse komplexer als gedacht

Arbeitsgedächtnisprozesse komplexer als gedacht

29.10.2015
© RUB, Foto: Marquard
Um Arbeitsgedächtnisprozesse zu erforschen, untersuchten die Forscher den Hippocampus, eine tief im Gehirn liegende Struktur.

Wenn Menschen eine Information für kurze Zeit im Kopf behalten, benötigen sie dafür das Arbeitsgedächtnis. Die zugrunde liegenden Hirnprozesse sind deutlich komplexer als bislang gedacht. Zwei Gehirnzustände müssen sich rhythmisch abwechseln, um eine Information aufrechtzuerhalten.

Zwei Aktivitätszustände im Halbsekundentakt

Das Arbeitsgedächtnis ist immer dann gefragt, wenn wir uns etwas Neues für kurze Zeit merken wollen, zum Beispiel eine Telefonnummer. Verschiedene Hirnregionen sind daran beteiligt, unter anderem der Hippocampus, der auch entscheidend für das Langzeitgedächtnis ist. Das Team um Prof. Dr. Nikolai Axmacher vom RUB-Institut für Kognitive Neurowissenschaft und Marcin Leszczynski, Wissenschaftler in Bochum sowie in der Klinik für Epileptologie der Universität Bonn, untersuchte die Aktivitätsrhythmen im Hippocampus, während Menschen sich eine Reihe von Zahlen oder Gesichtern merkten. Sie beobachteten zwei Aktivitätszustände, die sich zweimal pro Sekunde abwechselten. Trat dieses rhythmische Muster im Hippocampus nicht auf, neigten die Probanden dazu, Fehler in der Aufgabe zu machen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass auch während scheinbar einfacher Aufgaben hochkomplexe Prozesse im Gehirn ablaufen“, sagt Nikolai Axmacher. „Unser Gefühl, ob etwas einfach oder kompliziert ist, ist kein verlässlicher Marker dafür, wie das Gehirn die Aufgaben tatsächlich löst.“ Die Ergebnisse berichtet das Team in der Zeitschrift Cell Reports.

Text: Julia Weiler

 

Weitere Informationen zur Studie:
http://aktuell.ruhr-uni-bochum.de/pm2015/pm00149.html.de