Alzheimer-Risiko beeinträchtigt Navi des Gehirns

Alzheimer-Risiko beeinträchtigt Navi des Gehirns

23.10.2015
© Bureau BlauwGeel
Menschen mit genetisch erhöhtem Alzheimer-Risiko haben veränderte Aktivitätsmuster in einer Hirnregion, die für die Navigation wichtig ist. Nicht-Risikoträger zeigen ein charakteristisches Gittermuster in der Aktivität, das bei Risikoträgern vermindert ist.

Junge Erwachsene mit genetisch erhöhtem Alzheimer-Risiko haben veränderte Aktivierungsmuster in einer Hirnregion, die wichtig für die räumliche Navigation ist. Das berichten Forscher in „Science“.

Verändertes Aktivierungsmuster bei jungen Risikoträgern

Alzheimer-Patienten leiden an starkem Gedächtnisverlust und an Desorientiertheit. Mit als Erstes von der Krankheit betroffen ist eine Hirnregion, die für die Navigation erforderlich ist. Dieses Hirnareal, der sogenannte entorhinale Kortex, enthält Zellen, die in einem räumlichen Gittermuster feuern, die „grid cells“. 2010 zeigten Studien, dass das „grid cell“-System bei Menschen indirekt mittels funktioneller Magnetresonanztomografie erfasst werden kann, wenn Probanden in einer virtuellen Umgebung navigieren.

Diese Methode wandte Nikolai Axmacher vom RUB-Institut für Kognitive Neurowissenschaft an, zusammen mit seinem Doktoranden Lukas Kunz, Christian Doeller, heute an der Radboud-Universität in Nimwegen, und weiteren Kollegen aus Bonn, Nimwegen und Ulm. Das Team untersuchte das „grid cell“-System im entorhinalen Kortex von jungen Studierenden mit und ohne Alzheimer-Risikogen.

„Die Risikoträger zeigten ein weniger stabiles Gittermuster im entorhinalen Kortex – und das Jahrzehnte, bevor bei ihnen möglicherweise die Alzheimer-Demenz auftreten könnte“, sagt Lukas Kunz, der das Experiment am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn durchführte. Darüber hinaus bewegten sich die Risikoträger weniger häufig in der Mitte der virtuellen Landschaft, was auf eine veränderte Navigationsstrategie hindeutet. „Unsere Studie trägt entscheidend zu einem besseren Verständnis früher Veränderungen der Alzheimer-Demenz bei“, so Axmacher. „Jetzt muss überprüft werden, ob ähnliche Veränderungen auch bei älteren Menschen im Frühstadium der Alzheimer-Demenz auftreten und ob sie sich durch Medikamente beeinflussen lassen.“

Text: Julia Weiler

 

Titelaufnahme

Kunz et al. (2015): Reduced grid-cell-like representations in adults at genetic risk for Alzheimer’s Disease, Science, DOI: 10.1126/science.aac8128

http://aktuell.ruhr-uni-bochum.de/pm2015/pm00145.html.de