Gestische Abstraktion in der Sammlung Moderne

Gestische Abstraktion in der Sammlung Moderne

20.10.2015
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Hans-Jürgen Schlieker: „Sommer 68“ (1967/68), Öl auf Leinwand, Kunstsammlungen der RUB. Sammlung Moderne

Eine großzügige Schenkung von Claudia Schlieker-Buckup zur Erweiterung der Moderne-Sammlung der Kunstsammlungen der RUB ist Anlass für eine neue Ausstellung im Campusmuseum. „Gestische Abstraktion. Hans-Jürgen Schlieker in _ und die Sammlung Moderne“ zeigt Werke des Malers Hans-Jürgen Schlieker und wird am 29. Oktober (18 Uhr) feierlich eröffnet.

Erster Leiter der Bildenden Kunst im MZ

Hänner Schlieker (1924-2004), wie er auch genannt wird, gehört zu der Generation, die den Zweiten Weltkrieg hautnah erlebt hat und sich nach 1945 fragte, ob und wie Deutschland nach den Jahren des Nationalsozialismus wieder an die Vorkriegsavantgarden anschließen könne. Werner Haftmanns Publikation „Malerei des 20. Jahrhunderts“ (1954) und die drei ersten „documenta-Ausstellungen“ in Kassel (1955, 1959, 1964) zeigen beispielhaft, wie Künstler und Kunsthistoriker in den Fünfziger- und Sechzigerjahren einen erneuten Anschluss an die Moderne suchten und dabei eine sich zur Abstraktion hin entwickelnde Kunst in den Blick nahmen. Neben der Kunst der geometrischen Abstraktion wurde die informelle Kunst in Europa bedeutsam; in den USA setzte sich Clement Greenberg für den sogenannten Abstrakten Expressionismus ein.
Diese Phase ist für die Gründungszeit der Sammlung Moderne der Kunstsammlungen der RUB von besonderer Bedeutung. Denn auch Albert Schulze Vellinghausen, der 1967 seine Sammlung der Bochumer Universität unter der Bedingung vermacht hat, dass seine Sammlung öffentlich gezeigt und fortgeschrieben wird, und der Gründungsordinarius des Kunstgeschichtlichen Instituts, Prof. Max Imdahl, sind in dieser Zeit verankert. Das gilt ebenfalls für Hans-Jürgen Schlieker, der nach einem Studium an der Kunsthochschule Hamburg ab 1951 zunächst als freier Maler in Bochum arbeitete und 1968 schließlich den Bereich Bildende Kunst im Musischen Zentrum (MZ) der Ruhr-Universität aufgebaut und bis 1989 geleitet hat.

Am Kernproblem der informellen Malerei

Hänner Schlieker entwickelte seine abstrakt-gestische Bildsprache in den Fünfziger- und Sechzigerjahren. Ein Gemälde, das bereits 1969, von Max Imdahl ausgewählt, in die Kunstsammlung eingegangen ist, zeigt, wie er sich mit Fragen der gestischen Abstraktion auseinandergesetzt hat. So schreibt Bernd Growe über dieses Werk: „Schlieker – das deutet sich hier an – dringt in seinen Bildern zum Kernproblem jeder informellen Malerei vor. Es ist dies der Antagonismus von Aktion und Bild. (...) Solche Malerei ist visualisierter Prozeß, anschaulich gemachte Aktion.“
In der neuen Ausstellung im Campusmuseum sind das 1969 erworbene Gemälde „Sommer 68“ (1967/68) ebenso wie das 2015 – anlässlich des 50. Geburtstages der RUB – von Claudia Schlieker-Buckup, der Tochter des Künstlers, der Sammlung geschenkte Triptychon „Juni 83/3“ zu sehen.
Leihgaben erweitern die Ausstellung. Sie zeigen, wie sich der Künstler in seinem Werk mit Fragen der gestischen Abstraktion auseinandergesetzt hat. Im Zusammenspiel mit Arbeiten aus den Gründungsjahren der Sammlung Moderne wird anschaulich, welche Bedeutung die informelle, gestisch-abstrakte Bildsprache für die Entwicklung einer wieder an die Moderne anschließenden Kunst in Deutschland nach 1945 hatte und wie sie den Kunst-Diskurs in Europa und den USA in den Jahren danach geprägt hat.

Infos zur Ausstellung

Die Ausstellung „Gestische Abstraktion. Hans-Jürgen Schlieker in _ und die Sammlung Moderne“ ist vom 29. Oktober 2015 bis zum 24. April 2016 in den Kunstsammlungen der RUB (Sammlung Moderne) zu sehen; Öffnungszeiten: Di-So/Feiertage 11-17 Uhr/.

Weitere Informationen
http://kusa-rub-moderne.de/