Der Dresscode im Gehirn

Der Dresscode im Gehirn

14.10.2015
© Fotolia, Africa Studio

Vor einigen Monaten sorgte ein Kleid weltweit für Aufregung, denn seine Farbe war nicht eindeutig zu ermitteln. Nun haben Bochumer Neurowissenschaftler das Phänomen weiter entschlüsselt und nachgewiesen, dass unterschiedliche Hirnaktivierungen für die optische Täuschung verantwortlich sind.

MRT-Studie an Probanden

Ein Kleid – zwei Wahrnehmungen. Für die einen ist es schwarz-blau, für die anderen weiß-gold. Forscherinnen der Neuroplasticity-Gruppe um Prof. Dr. Tobias Schmidt-Wilcke der Neurologischen Klinik am Bergmannsheil sind dem weltweiten Rätsel um das Kleid auf den Grund gegangen. An der Studie nahmen Probanden teil, die das Kleid weiß-gold bzw. schwarz-blau wahrnehmen. Beide Gruppen betrachteten das Kleid, während sie im Kernspintomographen lagen. Das Ergebnis: Alle Probanden, die das Kleid weiß-gold wahrnahmen, zeigten zusätzliche Aktivierungen vor allem in frontal und parietal gelegenen Hirnarealen. Frontale Regionen sind besonders bei höheren kognitiven Leistungen involviert wie Aufmerksamkeitsausrichtung und Entscheidungsfindung, während parietale Areale visuelle Informationen verarbeiten.

Einzigartige Forschungsoptionen

Das aktuelle Phänomen bietet einzigartige Forschungsoptionen zur Untersuchung visueller Illusionen: Zum ersten Mal öffnet sich der Wissenschaft die Möglichkeit, eine Kontrollgruppe bei zweideutigen Wahrnehmungen zu untersuchen. Zuvor gab es keine optische Täuschung, bei der es exakt zwei Wahrnehmungen gibt, die nicht willentlich manipuliert werden können. Vor diesem Hintergrund konnte die Bergmannsheiler Forschergruppe Hirnareale identifizieren, die optische Täuschungen herbeiführen. „Dieses Ergebnis erweitert unser Wissen über illusionäre Verarbeitungsprozesse im Gehirn. Mit Hilfe dieser Forschungsarbeit konnten beteiligte Hirnareale quantifiziert und ein Grundstein für weitere Forschungsvorhaben im Bereich der visuellen Verarbeitung gelegt werden", so die Forscherinnen, die sich ansonsten in einem anderen Zusammenhang mit Kleidern beschäftigen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Martin Tegenthoff, Ruhr-Universität Bochum, Neurologische Klinik Bergmannsheil – AG, Neuroplasticity, Bürkle-de-la-Camp Platz 1, 44789 Bochum, Tel.: 0234/302-6810 Martin.Tegenthoff@rub.de