Dem Gehirn beim Lernen zugeschaut

Dem Gehirn beim Lernen zugeschaut

02.10.2015
© Fotolia, Sergey Nivens

Forscher am Bergmannsheil Universitätsklinikum haben untersucht, wie sich das Gehirn im Verlauf eines Lernprozesses verhält. Sie zeigen: Beim Lernen bildet das Gehirn dynamische Netzwerke, die je nach Aufgabenstellung durch weitere Areale ergänzt werden.

Testpersonen mussten Morsecode lernen

Ziel der Forscher an der Neurologischen Klinik des Bergmannsheil (Arbeitsgruppe Neuroplastizität unter Leitung von Prof. Dr. Tobias Schmidt-Wilcke) war es, zu untersuchen, wie sich die Hirnaktivität beim Erlernen einer neuen Fähigkeit entwickelt und auf welche Hirnareale bei verschiedenen Aufgaben zurückgegriffen wird. Als besonders geeignet für eine solche Analyse hat sich das Morsealphabet erwiesen. Vor und nach der Lernphase wurden die Probanden im 3-Tesla Magnetresonanztomographen (MRT) der Ruhr-Universität Bochum gescannt, während sie Länge und Bedeutung von Morsecodes analysierten.

Netzwerk im Hirn erweitert sich

Die Scans zeigen, dass sowohl beim relativ einfachen Erkennen der Signallänge, als auch beim komplexeren Dekodieren der Bedeutung ein gemeinsames Netzwerk von Hirnarealen aktiv ist. Bemerkenswert ist, dass sich dieses Netzwerk mit dem Erlernen der Morsezeichen erweitert. Ausgelöst durch den Lernprozess wird das Netzwerk um andere Hirnareale ergänzt, auf die je nach Aufgabenstellung zugegriffen werden kann. „Unsere Studie zeigt, dass sich beim Lernen im Gehirn dynamische Netzwerke bilden, die je nach Aufgabenstellung durch weitere Areale ergänzt werden. Wir nennen das „adaptive Plastizität“, erläutert Doktorandin Lara Schlaffke die Ergebnisse.