Lebensretter unter uns

Lebensretter unter uns

06.10.2015
© RUB, Marquard
Lebensbedrohliche Situationen kommen auch auf dem Campus vor. Glücklicherweise nicht so häufig.

5.700 Mitarbeiter und fast 43.000 Studierende zählt die RUB. Gesundheitliche Notfälle sind da nichts Außergewöhnliches. Zwölf Betriebssanitäter helfen, wenn es brenzlig wird.

Normaler Arbeitsalltag

Wenn jemand in Not gerät, zählt jede Sekunde. Und jeder von uns weiß genau: Sich auf dem Campus zurecht zu finden ist gar nicht so leicht. Zum Glück passieren schlimme Notfälle nur selten.

Doch wer ist eigentlich zur Stelle, wenn es brenzlig wird? Insgesamt gibt es zwölf Betriebssanitäter auf dem Campus, die ehrenamtlich diese Tätigkeit ausüben. Als Mitarbeiter der Universität gehen sie einem ganz normalem Arbeitsalltag nach, zum Beispiel in der Poststelle, in Büros oder in den Werkstätten der RUB.

Kurzer Weg zur Unfallstelle

Betriebssanitäter sind für die Erste Hilfe ausgebildet und für verschiedene Notfallszenarien ausgerüstet. Klingelt plötzlich das Notfall-Handy, dann genügt ein Griff zum Sani-Rucksack, und schon eilt der Betriebssanitäter zum Unfallort. Dass er sich so gut auf dem Campus auskennt, ist ein Vorteil, den der Notarzt im Rettungswagen nicht hat. Erreichen kann man die internen Lebensretter jedoch nicht auf eigene Faust. Das übernimmt die Leitwarte der RUB, die im Notfall immer zuerst verständigt werden muss. Sie weiß genau, welcher Betriebssanitäter den kürzesten Weg zur Unfallstelle hat. Sie ruft auch den Rettungswagen (RTW) und die Verkehrsleitstelle, die dafür sorgt, dass der RTW schnell zum Unfallort gelangen kann. Durch seinen kurzen Weg trifft der Betriebssanitäter als Erster am Unfallort ein und übergibt den Patienten dann später an den Notarzt.

29 Defibrillatoren vor Ort

Bei besonders schweren Fällen wird ein Defibrillator (Defi) benötigt. Hierfür alarmiert die Leitwarte zusätzlich einen Hausmeister, der ein Gerät zur Unfallstelle bringt. Alternativ kann jeder Helfer bei Bedarf den „Automatisierten externen Defibrillator“ (AED) eigenständig benutzen. 29 Defis sind an Infopunkten und zentralen Orten zu finden. Einen Defi anzuwenden ist ganz einfach. Alles, was man tun muss, gibt der kleine Kasten per Sprachnachricht von sich. Einen Schock versetzt der Defi nur dann, wenn dieser wirklich nötig ist. Wenn die Herzdruckmassage per Hand ausgeführt werden soll, bekommt man den Rhythmus vom Defi vorgegeben. Nur Untätigkeit ist in dieser Situation lebensbedrohlich. Ein Tipp von Betriebssanitäter Detlef Nikodem: „Der Rhythmus im Refrain des Liedes ,Stayin’ Aliveʻ von den Bee Gees ist für eine Reanimation optimal“.

Berührungsängste sind fehl am Platz

Überhaupt sind Berührungsängste bei der Ersten Hilfe fehl am Platz. Ursula Fornefeld-Schwarz und Hans-Jürgen Müller von der Arbeitssicherheit der RUB raten, sich an den Erste-Hilfe-Anleitungen zu orientieren. Diese hängen überall auf dem Campus aus. Auf den Plakaten ist zudem die Telefonnummer der zentralen Leitwarte zu finden. „Viele Studierende kennen die 23333 nicht“, so Fornefeld-Schwarz. Dabei ist sie leicht zu merken: 2 und vier mal die 3, dann eilt Hilfe schnell herbei! Ganz wichtig: Diese Nummer funktioniert nur von intern. Wer vom Handy aus anruft, wählt 0234/32-23333.

Redaktion: Monika Schlimok

RUBENS 199

Diesen Text finden Sie auch in RUBENS 199, die am 6. Oktober 2015 erschienen ist.

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Die Rettungskette an der RUB ist komplett durchgeplant. Im Zentrum steht die Leitwarte, die alle nötigen Instanzen benachrichtigt und an den Unfallort führt. Das System kann aber nur dann erfolgreich greifen, wenn ausschließlich die Leitwarte angerufen wird. (Zum Vergrößern anklicken, © RUB, Agentur der RUB)


Wie werde ich Betriebssanitäter?

Die RUB sucht festangestellte Mitarbeiter, die Betriebssanitäter werden möchten – insbesondere in der M-Reihe. Voraussetzung ist eine Ersthelfer-Ausbildung, die nicht älter als zwei Jahre ist. Nach einem Antrag vom Vorgesetzten beginnt die zweiwöchige Ausbildung beim Deutschen Roten Kreuz. Inhalte sind erweiterte Erste Hilfe, Maßnahmen bei akuten Erkrankungen und mehr. Informationen gibt es bei Hans-Jürgen Müller: Tel. 0234/32-27981.


Drei Fragen an Betriebssanitäter Detlef Nikodem

Detlef Nikodem (56) arbeitet seit 33 Jahren an der RUB. 30 Jahre davon ist er als Betriebssanitäter im Einsatz. RUBENS sprach mit ihm.

Was war Ihre Motivation, Betriebssanitäter zu werden?
Ich bin seit 33 Jahren beim Deutschen Roten Kreuz. Dadurch hatte ich bereits die Sanitäterausbildung und habe mich sofort bereit erklärt, auch an der RUB zu helfen. So kann ich während der Arbeitszeit das Gelernte ehrenamtlich einsetzen. Zu helfen, wenn es nötig ist, ist für mich selbstverständlich.

Wie viele Einsätze hatten Sie bislang als Betriebssanitäter, und aus welchen Gründen werden Sie am häufigsten gerufen?
Wahrscheinlich waren es bisher über 100 Stück. Von der Art der Einsätze war alles dabei. In Werkstätten passieren meist Schnittverletzungen, während sich in meinem Bereich, also Verwaltung, Bibliothek und Musisches Zentrum, die Kreislaufbeschwerden häufen.

Als Betriebssanitäter lastet viel Verantwortung auf Ihnen. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?
Es kommt immer darauf an. Ich hatte auch schon Fälle, die mir nahe gegangen sind. Da knabbert man länger dran. Es kommt schließlich nicht jeden Tag vor, dass man jemanden reanimieren muss. Ansonsten verarbeite ich meine Erlebnisse aber recht gut.