Epimetheus uraufgeführt

Epimetheus uraufgeführt

© © RUB, Foto: Katja Marquard
Chor, Orchester und vier Solisten führen im Audimax erstmals „Epimetheus“ auf.

Den heftig beklatschten Höhepunkt des Semesterkonzertes im Audimax (24. Juni) bildete die Uraufführung von „Epimetheus oder Die Geburt der Hoffnung aus der Musik“. Außerdem wurden im gut besetzten Audimax Preise an Absolventen verliehen.

Weißer Fleck gefüllt

Einen weißen Fleck auf der musikalischen Landkarte galt es zu füllen, so Rektor Prof. Elmar Weiler in seiner kurzen Ansprache zu Beginn des Konzertes. Bislang habe es kein einziges musikalisches Werk über Epimetheus gegeben. Doch nun hat sich die RUB zu ihrem 50. Geburtstag genau das geschenkt: „Epimetheus oder Die Geburt der Hoffnung aus der Musik“ Die Auftragskomposition stammt aus den Federn von Siegfried Matthus (Musik) und Dorothea Renckhoff (Text); unterstützt wurden die beiden vom klassischen Philologen Hellmut Flashar (Emeritus der RUB) und von Universitätsmusikdirektor Hans Jaskulsky.

Das Werk

Die vier Schöpfer des Werkes waren im Saal versammelt, Hans Jaskulsky dirigierte zudem und entlockte dem Orchester, dem Chor und den vier Solisten wahre Höchstleistungen. Vor allem beim dramatischen Wendepunkt, als Epimetheus trotz Vorwarnung die Büchse der Pandora (von Sopranistin Susanna Martin mit einem der Handlung angemessenen Wechsel aus Leichtigkeit und Tiefe gesungen) öffnet und so die Erde mit allen erdenklichen Übeln überzieht. Überhaupt Epimetheus! Bariton Tobias Peschanel verlieh ihm zwar eine eigene, eine sehr überzeugende Stimme, doch durch diese Auftragskomposition wurde er keineswegs auf einen vergleichbaren Rang wie sein Bruder Prometheus (dank Jared Ices Bass sehr präsent) gehoben. Auch diesmal blieb er nur „der törichte Bruder des Helden“, als den er sich mehrfach selbst bezeichnet. Während diese Chance also wohl vertan wurde, war die gesamte Aufführung sehr gelungen. Dazu trug auch der Chronist (als sehr klarer Tenor: Andreas Karasiak) bei, der zusammen mit Chor und Orchester den roten Faden bildete. Am Ende gab es minutenlangen Applaus – und nach der anschließenden Pause spielten Chor und Orchester noch drei Werke von Johannes Brahms.

Preise

Der musikalische Höhepunkt zum Semesterende bedeutet zugleich auch immer für einige Studentinnen und Studenten einen besonderen Moment. Zu Beginn der Veranstaltung wurden drei von ihnen mit Preisen (je 1.600 Euro) der Gesellschaft der Freunde der RUB (GDF) für ihre Leistungen ausgezeichnet.

Den Wilhelm-Hollenberg-Preis erhielt Dr. Anna Sieben (Fakultät für Sozialwissenschaft) für ihre Dissertation „Geschlecht und Sexualität in klassischen psychologischen Theorien. Eine historisch-systematische Analyse“. Darin untersucht sie psychologische Theorien aus dem späten 19. und 20. Jahrhundert hinsichtlich ihrer Thematisierung von Geschlecht und Sexualität. Während Sexualität selten mehr als ein Randthema ist, gibt es durchaus zahlreiche psychologische Untersuchungen zu Geschlecht. Fast immer reduzieren sich diese auf die reine Beschreibung von Unterschieden zwischen Männern und Frauen – psychologische Erklärungen fehlen fast vollständig. Anna Sieben zeigt im Detail, wie in diesen Auseinandersetzungen mit Geschlechterunterschieden wissenschaftliche Überlegungen und gänzlich unwissenschaftliche Vorurteile und Stereotype ineinandergreifen.

Dr. Gottfried Herold (Fakultät für Mathematik) wurde mit dem Dr. Klaus-Marquardt-Preis ausgezeichnet. Seine Dissertation „Applications of Classical Algebraic Geometry to Cryptography“ stellt eine Verbindung her von bekannten Methoden aus der Mathematik mit neuen Ideen aus der Kryptografie. Diese Verbindung wird u.a. dazu benutzt, um eine neue Sichtweise auf eine bestimmte, wichtige Klasse von Verschlüsselungsverfahren zu entwickeln. Sie ermöglicht es, solche Verfahren besser analysieren zu können und für manche Anwendungen deren Effizienz deutlich zu verbessern.

Dr. Tamara Pokorny (Fakultät für Biologie und Biotechnologie) erhielt den Dr. Heinrich-Kost-Preis für ihre Dissertation „Chemische und verhaltensbezogene Aspekte der Biologie von Prachtbienen”. Darin untersucht sie männliche Prachtbienen als Bestäuber sogenannter Parfümblumen. Die Tiere sammeln und speichern Duftstoffe von solchen Blüten, aber auch von anderen Duftstoffquellen, und bringen das akkumulierte „Parfümbouquet“ schließlich im Rahmen ihres Balzverhaltens aus. Die Dissertation untersucht verschiedene Fragestellungen in diesem Kontext, u. a., welche Mechanismen das Sammelverhalten der Männchen regulieren, wie groß die Gebiete sind, in denen potenziell Duftstoffe gesammelt werden können und welche Einflussfaktoren beim Balzverhalten selbst eine Rolle spielen. Die Ergebnisse tragen zu einem besseren Verständnis dieses besonderen Verhaltens bei und unterstützen die Annahme, dass das Parfüm der innerartlichen Kommunikation dient.

Arne Dessaul
 

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Chor, Orchester und vier Solisten führen im Audimax erstmals „Epimetheus“ auf.



Den Wilhelm-Hollenberg-Preis erhielt Dr. Anna Sieben, links von ihr Rektor Elmar Weiler, rechts Gerd Kirchhoff (GDF-Vorstand).



Träger des Dr. Klaus-Marquardt-Preises ist Dr. Gottfried Herold.



Dr. Tamara Pokorny wurde mit dem Dr. Heinrich-Kost-Preis ausgezeichnet.