„Die Neuerfindung des Ruhrgebiets“

„Die Neuerfindung des Ruhrgebiets“

© RUB, Foto: Sascha Schürmann
Der zentrale Festakt zum 50. Geburtstag der RUB im voll besetzten Audimax

Rund 1.300 geladene Gäste sind am 6. Juni ins Audimax gekommen, um den 50. Geburtstag der Ruhr-Universität mit einem Festakt zu feiern. Zu den Gratulanten zählten unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

Ein Grund zum Feiern

Sicherheit zuerst – dieses Prinzip musste rund um das Audimax gelten. Schließlich war der höchste Vertreter des Staates zu Gast an der Ruhr-Universität. Neben den Organisatoren der Universität sorgten deshalb auch Vertreter des Bundeskriminalamtes und des Bundespräsidialamtes für einen reibungslosen Ablauf des Festaktes. Dass der Bundespräsident überhaupt nach Bochum gekommen ist, hat natürlich einen Grund: Die erste nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland gegründete Universität feiert einen runden Geburtstag. Zugleich handelte es sich um die erste Universitätsgründung im Ruhrgebiet. Hinzukommen weitere Alleinstellungsmerkmale wie Campusuniversität, Reformuniversität Volluniversität oder Bochumer Modell der Medizinerausbildung. Ausreichend Stoff also für viele Reden.

Bundespräsident Joachim Gauck

Die zentrale Ansprache zum Jubiläum oblag Bundespräsident Joachim Gauck. Er betonte, dass die RUB „für den Wandel, für die Neuerfindung des Ruhrgebiets steht, ein Motor dieses Wandels ist und die Region prägt.“ Gauck ließ es sich nicht nehmen, einige Zitate aus Herbert Grönemeyers Bochum-Hymne in seine Rede einfließen zu lassen – und einmal überraschte er Publikum und Gastgeber mit einem augenzwinkernd vorgetragenen Seitenhieb gegen die gestuften Studiengänge. Er hob aber auch hervor, dass die RUB für „neue Bildungswege und sozialen Aufstieg“ stehe. Kernpunkt der Ansprache des Bundespräsidenten war ein Zitat des Soziologen Ralf Dahrendorf: „Bildung ist Bürgerrecht“. Das gilt sowohl für Kita-Kinder als auch für Migranten – und für Senioren, wie Joachim Gauck selbstironisch hinzufügte. Bildung sei dabei allerdings mehr als ein Mittel zum Zweck, so der Bundespräsident. „Unis sollen dem Einzelnen Spielräume lassen“, wünscht er sich.

Rektor Elmar Weiler

Auch RUB-Rektor Prof. Elmar W. Weiler hielt eine kurze Ansprache. Er erinnerte zunächst an die Geschichte der Ruhr-Universität, an den Landtagsbeschluss zugunsten Bochums im Sommer 1961 und an den Pioniergeist der ersten Universitätsmitglieder. Dann kam er auf das Hier und Jetzt zu sprechen. „Heute tragen unsere Alumni die Werte der Ruhr-Universität in alle Welt“, sagte der Rektor. „Wir sind stolz auf sie!“ Als internationale Forschungseinrichtung und größter Arbeitgeber Bochums sei die RUB heute der „Förderturm Zukunft“ der Region, mittlerweile gemeinsam mit den vielen anderen Hochschulen der Region.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft überbrachte den Glückwunsch der Landesregierung und des Landes. Sie erinnerte daran, dass die RUB im Ruhrgebiet den „Weg in die Wissensgesellschaft“ ermöglichte und Initialzündung für viele weitere Gründungen von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen war. „Damals gab es null Studierende im Ruhrgebiet, heute sind es 256.000 – und wir brauchen diese kreative Unruhe, die von ihnen und den Hochschulen ausgeht.“ Die Ministerpräsidentin konnte auch mit einer Anekdote aufwarten: „Es gibt keinen Gesetzesbeschluss zur Namensgebung der Ruhr-Universität, es wurde einfach das Naheliegende genommen. Typisch Ruhrgebiet!“

Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz

Seitens der Stadt Bochum gratulierte Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz. Sie lobte vor allem das gute Miteinander von Stadt und Universität. Das sei zu Beginn nicht so gewesen, doch mittlerweile sei es ganz selbstverständlich, unter anderem bewiesen durch das Netzwerk UniverCity: „Dass die Stadt Bochum sich in ihrem Logo über ein Buch definiert, ist vor allem der RUB zu verdanken“, so Scholz. Die Ruhr-Universität sei ein „uneingeschränkter Glücksfall für die Stadt“, so die Oberbürgermeisterin weiter. „Ich bin froh und stolz, sie in unserer Stadt zu haben.“

Jagiellonen-Universität Krakau

Ein weiterer Höhepunkt des Festakts war die Verleihung der Auszeichnung „Pro Societate multorum annorum“ an die Jagiellonen-Universität Krakau. Mit ihr würdigt die RUB langjährige Partnerschaften mit Universitäten anderer Staaten. In seiner Laudatio erinnerte der frühere RUB-Rektor Prof. Dr. Knut Ipsen an die Anfänge der Partnerschaft. Im November 1979 wurde sie in Krakau feierlich besiegelt. „Das Zusammenwirken und Zusammenwachsen der beiden Partneruniversitäten in den vergangenen 35 Jahren “, so Ipsen, „ist in zahlreichen Zeugnissen gemeinsamer Projekte dokumentiert. Es sei erlaubt, dies aus den Annalen der Partner mit nur einem Satz zu belegen, der sich am Ende des umfangreichen Berichts unserer Partneruniversität über das erste Jahrzehnt der Kooperation findet. Dort heißt es: ‚Zusammenfassend können wir feststellen, dass von allen bis jetzt abgeschlossenen Partnerschaftsverträgen der Vertrag mit Bochum die höchste Bewertung verdient‘“.

Weitere Programmpunkte

Das rund 100-minütige Programm bestand aber nicht ausschließlich aus Reden. Es gab auch einige künstlerische Darbietungen: Theater, Rock’n’Roll, Science Slam sowie klassische Musik von Chor und Orchester der RUB. Neben der Universitätshymne spielten die Musiker auch „Die Geschöpfe des Prometheus“ von Ludwig van Beethoven – gleichsam als Appetithappen für das Semesterkonzert am 24. Juni, bei dem die Welturaufführung eines Werkes über Prometheus‘ Bruder ansteht: „Epimetheus oder Die Geburt der Hoffnung aus der Musik". Das antike Brüderpaar ziert bekanntlich das Siegel der RUB. Moderiert wurde der Festakt von sechs internationalen Studierenden der RUB. Auch diese Besonderheit steht symbolhaft für die RUB: Schließlich lernen und lehren hier Menschen aus über 130 Nationen. Diesen Aspekt behandelte auch der während des Festakts gezeigte Film „Bochum global“.

Arne Dessaul

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Der zentrale Festakt zum 50. Geburtstag der RUB im voll besetzten Audimax



Joachim Gauck: „Die RUB für steht für neue Bildungswege und sozialen Aufstieg.“



Elmar Weiler: „Heute tragen unsere Alumni die Werte der Ruhr-Universität in alle Welt.“



Hannelore Kraft: „Wir brauchen diese kreative Unruhe.“



Ottilie Scholz: „Die Ruhr-Universität ist ein uneingeschränkter Glücksfall für die Stadt.“



Typisch RUB und kräftig umjubelt: Theater vom Musischen Zentrum, garniert mit Science Slam – und hinterher gab es noch Rock’n’Roll.



Noch ein Geburtstagskind: Moderatorin Malin von Wachenfeldt (links) feierte am 6.6. Geburtstag. Zusammen mit fünf anderen internationalen Studierenden führte sie durchs Programm.



Prominent besetzte erste Reihe (v. l.): Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Bundespräsident Joachim Gauck, Rektor Prof. Dr. Elmar Weiler und seine Ehefrau Adelheid, Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert.