Nachruf auf Klaus Schaller

Nachruf auf Klaus Schaller

20.05.2015

Am 17. Mai starb im Alter von 89 Jahren Prof. em. Dr. phil. Dr. h. c. Klaus Schaller. Er war von 1965 bis zu seiner Emeritierung 1990 Professor für Historische und Systematische Pädagogik am damaligen Institut für Pädagogik der RUB. Schallers wissenschaftliche Laufbahn begann mit einem Lehramtsstudium an der Pädagogischen Akademie in Kettwig. Nachfolgend studierte er in Köln Pädagogik, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft. Danach wurde er Assistent an der Universität Mainz. Nach Dissertation und Habilitation erhielt er 1959 einen Ruf an die Pädagogische Hochschule Bonn, die er als Rektor zwei Jahre lang bis zu seiner Berufung an die neu gegründete Ruhr-Universität leitete.


Einer der Ersten an der RUB

Als einer der ersten an die RUB berufenen Hochschullehrer war er maßgeblich am inneren Aufbau der Universität, der heutigen Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft und des Instituts für Erziehungswissenschaft beteiligt – als Senatsmitglied, als Dekan der Abteilung, als langjähriger Geschäftsführender Direktor des Instituts für Pädagogik sowie als Mitglied zahlreicher Universitätskommissionen, insbesondere zur Reform der Lehrerbildung.

Jan Amos Comenius

Ein erster Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeiten von Klaus Schaller waren seine Publikationen zu Jan Amos Comenius, mit denen er sich ein hohes internationales Ansehen erwarb. Daraus resultierten enge wissenschaftliche und persönliche Beziehungen zu tschechischen Kollegen, insbesondere zu Jan Patočka, einem der Erstunterzeichner und Sprecher der Charta 77. Für ihn wie für andere Dissidenten wurde Klaus Schaller zu einem der wichtigsten Ansprechpartner im westlichen Ausland. Mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Prag (1992) und der Verdienstmedaille 1. Klasse der Tschechischen Republik wurden die wissenschaftlichen Leistungen und zugleich das politische Engagement Schallers 1997 gewürdigt. Für seine wissenschaftliche Leistung und sein weit darüber hinausgehendes gesellschaftliches Engagement wurde Klaus Schaller außerdem mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Pädagogik der Kommunikation

Klaus Schallers Veröffentlichungen zu einer Pädagogik der Kommunikation bilden den zweiten Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeiten. Sie thematisieren das Verhältnis von Erziehung und demokratischen Gesellschaften und wehren sich gegen jede Funktionalisierung von Schule und Unterricht im Dienste partikularer gesellschaftlicher Interessen. Stattdessen müssen Schule und Unterricht – jenseits aller weltanschaulichen Indoktrination – die heranwachsende Generation durch rückhaltlose Information und rationale Kommunikation zur gesellschaftlichen Teilhabe befähigen und damit zugleich zur Demokratisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse beitragen. Insofern war und ist die Pädagogik der Kommunikation Klaus Schallers Ausdruck und zugleich Moment eines gesellschaftlichen Wandels, der sich seit den späten 60er-Jahren in zahlreichen gesellschaftlichen Teilbereichen der Bundesrepublik Deutschland vollzog.

Carl Arnold Kortum

Auch nach seiner Emeritierung blieb Klaus Schaller der Universität und der Stadt Bochum eng verbunden. Einem breiten Bochumer Publikum wurde er durch regelmäßige Beiträge im Lokalradio, als Schauspieler auf kleineren Studiobühnen und als eindrucksvoller Rezitator bekannt. Zu seinem Repertoire gehörten klassische und moderne Texte, nicht zuletzt die Jobsiade von Carl Arnold Kortum, einem anderen Bochumer Aufklärer.